Brennpunkte | Dreierkette defensiv schwach, Gegentreffer und Vidal wecken Barça auf

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Barcelonas Dreierkette war beim 0:2 im Mestalla mitschuldig, denn viele Abstimmungsprobleme eröffneten dem FC Valencia Räume und Möglichkeiten. Außerdem müssen sich die Katalanen die Frage gefallen lassen, warum sie erst nach dem Gegentor und Arturo Vidals Einwechslung den Mut zum Fußballspielen fanden.

Dreierkette mit vielen Schwächen in der Defensive

Dass Quique Setién als Fußballromantiker gilt, der sich nur schwer von seinen Ideen abbringen lässt, ist schon vor seiner Anstellung bekannt gewesen. So überraschte es nur wenig, dass er nach dem sehr schwachen Auftritt in Ibiza trotzdem auf die ungewohnte Dreierkette gegen Valencia vertraute. Rückblickend war diese Entscheidung aber mit Sicherheit nicht die richtige, zu viele defensive Abstimmungsfehler waren die Folge.

Aber betrachten wir die Situation im Detail: Bei Ballbesitz spielte Gerard Piqué wieder als zentraler Part, rechts von ihm Sergi Roberto, links Samuel Umtiti. In der Theorie sollten diese drei das Zentrum kompakt halten und im Spielaufbau variabel agieren. Im Falle eines Gegenangriffs Valencias sollten dann der sehr flexibel auftretende Jordi Alba zurückkommen und teilweise wieder eine Viererkette bilden.

Dies war besonders zu Beginn des Spieles zu erkennen. Nachdem auf der rechten Verteidigungsseite dasselbe mit Ansu Fati aber nicht geplant war oder zumindest nicht funktionierte, entstand hier ein sehr seltsames Bild in der Defensive. Die gesamte Kette schob sich nach rechts, damit Alba klassisch als Linksverteidiger agieren konnte. Dieser Umstand, der natürlich Zeit kostete, war aber nicht das größte Problem.

Viel gravierender wog die mangelnde Unterstützung der letzten Kette. In der Theorie hätte Setiéns Idee mit der Viererkette in der Defensive aufgehen könne, durch das kaum vorhandene Zurücklaufen der Mittelfeldspieler schien die Umsetzung allerdings unmöglich. Besonders Ansu Fati, der zu Beginn als rechter Flügelspieler aufgeboten war, hätte Roberto untersützen müssen. Schließlich war dieser auf seiner Seite oft alleine, da er immer zwischen Innen- bzw. Halbraumverteidiger und Rechtsverteidiger schwankte.

Als Konsequenz passierte es öfters, dass ein Angriff Valencias die rechte Abwehrseite Barcelonas forderte. Korrekterweise rückte Roberto also mehr auf die Außenbahn, um dort dicht zu machen und den gegnerischen Flügelstürmer zu stellen. Dadurch entstand allerdings zwischen Roberto und Piqué ein großer Raum, den dieser manchmal nicht sofort schließen konnte, weil er selbst gerade einen Mann decken musste. Ebenso problematisch war, dass Alba nicht immer zeitgleich den Linksverteidiger geben konnte, da von ihm gefordert worden war, sehr offensiv positioniert zu sein. Also musste Umtiti halblink verteidigen und Piqué durfte nicht nachrücken, denn dadurch hätte er das Zentrum vollkommen blank gelassen.

Verständlicherweise traute sich Roberto daher auch nicht immer, konsequent nach außen zu gehen. Warum das aber ebenso gefährlich war, zeigte sich bald auf der Anzeigetafel. Beim Elfmeter und beim zweiten Gegentor konnte dieser Aspekt ausgemacht werden. Kurz vor dem Elfmeterfoul blieb Roberto in der Mitte, was den Raum für Gayà öffnete, nachdem Fati zu langsam hinterhergelaufen kam. Beim 0:2 passierte dasselbe, der Raum rechts neben Roberto war vollkommen blank – auch hier hätte entweder Fati oder der rechte zentrale Mittelfeldspieler mit nach hinten rücken müssen, um den Raum zu schließen und Roberto defensiv zu unterstützen. Doch dies geschah nicht, und so hatte Maxi Gomez allen Platz der Welt, um das 2:0 einzuschießen.

Vidal der Anfacher im unbesetzten Zentrum

Nach dem 0:1 musste Setién irgendwie reagieren, so brachte er Arturo Vidal. Der Chilene war neben Alex Collado auch die einzige offensive Option auf der Bank, was dem Trainer die Entscheidung im Grunde abnahm. Noch dazu zeigte die Vergangenheit, dass Vidal so manches Spiel beleben kann. Das tat er auch beinahe sofort, hatte Sekunden nach seiner Einwechslung die Füße bei zwei gefährlichen Offensivaktionen im Spiel. Doch wie war es überhaupt möglich, dass Vidal einen derartigen Einfluss hatte?

Die Antwort darauf ist überraschend einfach: Vidal gab phasenweise, nämlich immer dann, wenn sich die Katalanen in eindeutigem eigenen Ballbesitz nahe am Strafraum befanden, die Wuchtbrumme im Angriff – eine Rolle, die er schon unter Ex-Trainer Ernesto Valverde erfolgreich bekleidete. Aus dem Zehnerraum stieß der Chilene nach vorne, besetzte so das Angriffszentrum.

Das wiederum hatte einen derart positiven Einfluss, weil die Blaugrana davor faktisch ohne Stoßstürmer gespielt hatten. Die Aufteilung zu Beginn gestaltete sich so, dass Griezmann das Zentrum besetzte und sich dabei etwas halblinks hielt. Messi hingegen blieb als hängende Spitze und Freigeist ein wenig rechts in der Mitte. Die Außenpositionen wurden währenddessen von Alba und Fati gehalten. So die Theorie. Praktisch merkte man aber häufig, dass Griezmann nicht als klassische Neun unterwegs war.

Bezeichnend dafür ist eine Szene in der 14. Minute. Barça war im Spielaufbau und Valencia befand sich situativ gerade in einem eher lockeren 4-3-3. Griezmann hielt sich an vordersten Front auf, wie es eine Aufgabe zu sein schien. Links starteten dann Arthur und Alba mit Ball einen Angriff. Griezmann wollte sich anbieten, lief ebenfalls nach links und verließ damit das Zentrum. Es musste allerdings zurückgepasst werden und man versuchte es auf rechts, wieder ergenislos. Beide Male war das Zentrum derart verwaist geblieben, dass beinahe unmöglich Gefahr entstehen konnte. Mindestens ein Innenverteidiger Valencias war komplett beschäftigungslos und konnte gemütlich den Raum verteidigen, in den die Blaugrana sowieso nicht vorstoßen konnte.

Dass Griezmann versuchte, auch am Kombinationsspiel teilzunehmen, ist natürlich verständlich. Auch kann nicht kritisiert werden, dass in einer einzigen Situation der Stürmer sich etwas fallen ließ. Doch insgesamt passierte das zu oft, was das Offensivspiel der Katalanen ausrechenbar machte, nachdem die Innenverteidiger der Fledermäuse nicht gefordert wurden. Genau diesen Fakt änderte Vidal, und damit sorgte er sofort für Verwirrung.

Er lief weite Kreise im Bereich der gegnerischen Innenverteidiger, startete Vertikalläufe, forderte Bälle und band damit Gegner, die dadurch Raum freimachen mussten. Dies ist für gewöhnlich Luis Suárez’ Aufgabe. Mit diesem Mittel wird dann auch Platz für Spieler wie Griezmann oder eben auch Messi geschaffen, die in den entstandenen Halbräumen gefährliche Offensiveaktionen starten können. Auch wenn Vidal in diesem Spiel nicht für die Wende sorgte, zeigte er wieder einmal, wie wichtig ein gut besetztes Sturmzentrum für die Blaugrana ist.

 

Gegentreffer reißt Barça aus der Lethargie

Im Prinzip starteten Setiéns Mannen sehr gut in die Partie, die ersten Minuten waren engagiert und mit Mut vorgetragen. Man lief viel, bot sich an und wirkte schlicht so, als ob man Lust auf Fußball und Tore hätte. Der jähe Elfmeter war dann natürlich ein Schock und riss die Katalanen etwas aus der Balance.

Obwohl Marc-André ter Stegens Rettungstat sicher emotionale Vorteile brachte, merkte man nun eine gewisse Verunsicherung beim Spiel Barças. So kam Valencia immer besser in die Partie und ließ auch immer wieder die eigene Gefährlichkeit aufblitzen. Nach einer Drangphase Valencias besann sich die Blaugrana aber erneut der eigenen Stärken und kontrollierte die Partie. Zu Beginn schien es, als ob die Beruhigung Valencia den Wind aus den Segeln nehmen sollte. Doch nach der Ruhe- und Kontrollphase kam lange Zeit nichts vom FC Barcelona.

Tatsächlich verschlief man den gesamten Rest der ersten Halbzeit. Zwar hatte man viel mehr Ballbesitz, aber Valencias Schlussmann Doménech wurde nie ins Schwitzen gebracht. Salopp formuliert nahm Barça die Beruhigungstablette, die eigentlich Valencia bestimmt gewesen war, selbst ein. In der zweiten Halbzeit besserte sich das Bild nicht. Der frühe Gegentreffer zeigte dann aber kurzfristig Wirkung: Mehr Mittelfeldspieler schalteten sich aktiv in Angriffe ein, die Gäste kamen zu einigen guten Chancen, allen voran durch Messi, dem aber die Zielgenauigkeit an diesem Tag abging.

Dennoch waren in Durchgang zwei Spielwitz und Wille zu sehen, die Angriffe wurden mit eindeutig mehr Zug vorgetragen. Dass in den letzten zehn Minuten dann trotzdem kein Tor mehr erzielt werden konnte, ist im Grunde zu verkraften. Hingegen nicht zu verkraften ist die Tatsache, dass der FC Barcelona meist erst einen Anstoß benötigt, um die eigenen Energien freizusetzen. Ob das an der Einstellung, Taktik oder Motivation liegt – Setién wird es auch bemerkt haben. Die Frage lautet nun lediglich: Wird er diese Probleme auch beheben können?

 

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