FC Barcelona – Espanyol Barcelona: Spielanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

So hat man sich im Lager des Tabellenführers den Start ins neue Jahr vorgestellt. Mit 4-0 konnte der FC Barcelona sich gegen den Lokalrivalen Espanyol durchsetzen und damit den Vorsprung auf die beiden Verfolger aus der Hauptstadt wahren. Dies lag nicht nur an einer insgesamt starken Vorstellung der Hausherren, sondern auch an einer schwachen Leistung von Espanyol.

 Tito Vilanovas Startelf sah wie folgt aus:

Einwechslungen

62. Thiago für Xavi

65. Villa für Fábregas

74. Sánchez für Pedro

Taktik und Spielweise von Espanyol

Die Mannschaft von Javier Aguirre trat in einem defensiven 4-1-4-1 System auf. Ziel war es, den Raum im Mittelfeld durch die Viererkette zu verengen, um Barcelona so kaum Luft zum Atmen zu geben. Als Verbindungsglied zur Abwehr diente der phasenweise alleinige Sechser, welcher dafür verantwortlich war, aufkommende Lücken zu stopfen. Vorne sollte Sergio Garcia – wie schon im Bernabéu – die beiden Innenverteidiger beschäftigen und den Ball halten, bis andere Spieler aufrücken können um ihn zu unterstützen.

In der Theorie hört sich diese Taktik ganz gut an, jedoch spielte Espanyol erschreckend schwach. Man schaffte es zu keinem Zeitpunkt den Raum wirklich zu verengen und Barça vor Probleme zu stellen. Zudem war der Abstand der beiden Viererketten zueinander viel zu groß, wodurch sich immer wieder Lücken auftaten, die auch ihr “Ausputzer” nicht stopfen konnte. Es gab zwischen den Ketten viel zu viel Platz für die Barça-Spieler, die noch genug Zeit fanden den Ball dort anzunehmen und zu verarbeiten; obwohl eigentlich genau diese Zone zwischen den beiden Viererketten – also kurz vor dem Strafraum – jene ist, die man am konsequentesten verteidigen muss.

Des Weiteren waren die Spieler von Espanyol total überfordert, wenn Barςa Breite in das Spiel brachte. Zog der nominelle Außenspieler der Gastgeber in die Mitte, so ging sein Bewacher mit, wodurch der nachrückende Außenverteidiger eine komplett verwaiste Seite vorfand. Das ist natürlich ein kapitaler Fehler, weiß man doch, wie wichtig die Breite im Spiel von Barça ist und wie bestrebt die Mannschaft immer versucht, diese herzustellen. Daher war es sehr überraschend, wie hilflos das Team von Espanyol gegenüber dieser Maßnahme wirkte und auch Trainer Javier Aguirre schien während des Spiels kein passendes Gegenmittel zu finden.

Ein weiterer auffallender Fakt war, dass sich die Spieler untereinander nicht immer einig waren, wie sie gegen Barça pressen sollten. Dies führte logischerweise auch zu vielen Räumen, die Espanyol öffnete und die von Barça konsequent ausgenutzt wurden. Will man aber gerade im Camp Nou bestehen, so bedarf es einer disziplinierten und geschlossenen Abwehrleistung, bei der jeder weiß, was der andere macht und sich auf diesen verlassen kann. Bei Espanyol hingegen wirkte alles sehr chaotisch und ungeordnet, weshalb auch zu kaum einem Zeitpunkt so etwas wie Stabilität zu sehen war. Die Mannschaft wirkte größtenteils überfordert und auch hilflos gegenüber der über sie hinwegfegenden Offensivpower des FC Barcelona.

Auch offensiv konnte Espanyol kaum etwas zu Stande bringen, wobei Sergio García hierfür die wenigste Schuld trägt. Er war einfach komplett isoliert, was eben daran lag, dass der Rest seiner Mannschaft total überfordert war. Dennoch kam er in der ersten Halbzeit zu einer guten Chance: Nach einem langen Abstoß von Casilla rückt Puyol  hinter  Busquets heraus, um den langen Ball zu klären. Busquets bemerkt dies nicht und will den Ball per Kopf zurückspielen. Der Ball kommt zu Sergio García, doch dieser schießt über das Tor. Ansonsten kam von Espanyol in der ersten Halbzeit fast gar nichts. Im zweiten Durchgang wurden die Gäste etwas mutiger, auch weil Barcelona den Fuß immer mehr vom Gas nahm, um sich für die nächsten Spiele zu schonen. Bezeichnend für die Harmlosigkeit von Espanyol ist der Fakt, dass ihre beste Torchance aus einem Geschenk von Gerard Piqué resultierte. Albin setzte diesen gut unter Druck, von dem Piqué sich aber eigentlich schon befreit hatte. Dann will er den Ball zurück zu Víctor Valdés passen, jedoch missglückt ihm dieser Rückpass. Albin holt sich den Ball, scheitert aber frei vor dem Tor an Valdés.

Taktik und Spielweise von Barça

Die Mannschaft von Tito Vilanova trat nominell in einem 4-3-3 auf, was aber wie gewohnt sehr fluide war und daher nur schwer zu benennen ist. Defensiv wurden die Hausherren kaum gefordert, wenn doch, waren sie aber fast immer zur Stelle, bis auf die beiden eben genannten Ausnahmen. Ansonsten zeichnete sich das Spiel von Barça durch eine sehr gute Arbeit gegen den Ball aus. Die Mannschaft spielte ein gutes Pressing und schaffte es immer wieder, den Raum in Ballnähe mit drei bis vier Spielern zu verengen, was in der Regel zu einem Ballgewinn führte. Klappte dies jedoch mal nicht, wodurch Espanyol in die Nähe des Strafraums kommen konnte, so war Barςa auch in der Lage, die direkten Zweikämpfe zu gewinnen. Dies – gepaart mit der sehr guten Antizipation der einzelnen Spieler – führte zu sehr vielen Ballgewinnen und insgesamt auch zum Ausschalten der Espanyol-Offensive.

Offensiv zeichnete sich das Spiel von Barça durch viele Faktoren aus: Vilanovas Team hatte viel Ballbesitz und konnte diesen auch nutzen. Man spielte sehr dominant und – bevor es in den Strafraum ging – auch sehr sicher. Die Mannschaft ließ den Ball gut laufen und konnte durch geschickte Bewegungen viel Platz generieren, vor allem durch die eben beschriebene Wirkung der Inversität der Außenspieler. Dadurch fanden speziell Dani Alves und Jordi Alba immer wieder extrem viel Platz vor, was wiederum zu gefährlichen Aktionen führte. Interessant zu sehen war auch, dass Espanyol in solchen Situationen versuchte, die verwaiste Außenbahn wieder zu verteidigen, was letztlich aber genau dem Ziel des FC Barcelona entsprach, die gegnerische Abwehr auseinanderzuziehen. So ergab sich zwischen den einzelnen Spielern immer wieder viel Platz für Kombinationen, welchen gerade Iniesta und Jordi Alba mit Begeisterung annahmen. Eventuell wäre es für Espanyol am Ende sogar besser gewesen, die Außenbahn verwaist zu lassen, nachdem man dem Gegner dort bereits außerordentlich viel Platz geschenkt hat. So aber machte man bei dem Versuch, den ersten Fehler zu beheben, einen noch größeren Fehler.

Auffallend bei Barcelona war weiterhin, dass sich Iniesta und Fàbregas noch extremer als sonst auf ihren Positionen abwechselten. Meistens stellt sich das Spielbild so dar, dass Iniesta auf dem Flügel agiert und Fàbregas im Mittelfeld. Im Spiel geht dann Iniesta zurück ins Mittelfeld und Fàbregas in die Spitze oder auf die Position eines Zehners. Gegen Espanyol aber war Fàbregas auch ungewöhnlich oft auf dem Flügel zu sehen. Womöglich lag dies daran, dass er als ein Zentrumspieler gerne ins Zentrum zieht und somit die Espanyol-Spieler dazu bringt, die Außenbahn freizugeben. Sollte dies die Intention gewesen sein, so war es ein taktisch sehr intelligenter Schachzug von Vilanova.

Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt ist die Rolle von Pedro, der nominell als Außenstürmer agierte. Jedoch war er – wie in einigen Spielen zuvor – auch ziemlich oft im Zentrum anzutreffen, nicht nur wenn Messi nach außen rückte, sondern auch teilweise zusammen mit ihm. Dies könnte aber auch daran gelegen haben, dass Messi sich phasenweise tiefer als die beiden Achter fallen ließ und man mit Pedro und mindestens einem der beiden Achter mehr Anspielstationen im Strafraum haben wollte. Dadurch war die rechte Außenbahn aber logischerweise nicht so oft verwaist wie die linke, weshalb Dani Alves nicht immer so viel Platz vorfand wie Jordi Alba. Dass aber auch diese Maßnahme richtig war, zeigen die beiden Tore von Pedro, die er jeweils erzielte als er sich im Zentrum befand.

In der zweiten Halbzeit spielte Barça dann deutlich ruhiger und war vor allem darauf bedacht, Kräfte zu sparen. Durch das etwas mutigere Offensivspiel von Espanyol boten sich aber nun noch mehr Räume für die Gastgeber, welche diese auch zu nutzen wussten und noch zwei weitere Tore durch Pedro erzielten. Jedoch wurde beide Male – wohl zu Unrecht – auf Abseits entschieden. Eine weitere gute Möglichkeit wurde zurückgepfiffen, weil der Schiedsrichter Foul für Barcelona pfiff anstatt Vorteil zu geben.

Zum Schluss noch kurz etwas zu Sergio Busquets: Von seinen 140 Pässen gegen Espanyol kamen 94% an. Zudem legte er ein Tor vor und brachte alle zehn langen Bälle, die er gespielt hat, an den Mann. Darüber hinaus konnte er einige Bälle zurückerobern, sei es in direkten Zweikämpfen oder durch seine gute Antizipation. Diese Fakten zeigen, dass er auch heute wieder einer der besten Spieler auf dem Platz war. Noch erwähnenswerter ist, dass sich Busquets in einigen Dingen enorm gesteigert hat. So spielt er deutlich mehr tödliche Pässe als noch vor einigen Jahren und versucht vermehrt selbst die Schnittstelle zu finden. Dies ist ihm dadurch möglich, dass er etwas weiter hinten als die beiden Achter einen noch besseren Blick auf das Spielfeld hat und zudem auch mehr Platz, da er meistens nicht so eng gedeckt wird wie Xavi, Iniesta, Fàbregas oder Messi. Des Weiteren spielt er auch immer öfter lange Diagonalbälle auf die Außen, was immer mehr an Xavi erinnert, auch wenn dieser solche Zuspiele aktuell nicht mehr ganz so oft zeigt wie noch vor zwei oder drei Jahren. Der Grund hierfür könnte wohl sein, dass die gegnerischen Abwehrspieler bei Xavi eher auf solche Zuspiele gefasst sind und daher die Laufwege der Außenverteidiger besser verteidigen. Bei Busquets hingegen rechnen sie mit solchen Zuspielen nicht und versuchen lieber, den Raum im Zentrum zu verdichten und mögliche Anspielstationen für Kurzpässe zu decken. Wir erleben also womöglich – nicht erst seit kurzem, sondern schon seit längerer Zeit – eine stetig voranschreitende Entwicklung von Busquets, was ihn in den nächsten Jahren auch für das Offensivspiel noch wichtiger werden lassen könnte.

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