FC Barcelona gegen FC Sevilla: Spielanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Nach der Länderspielpause und vor der Champions League musste der FC Barcelona in der Liga antreten. Die Katalanen empfingen den FC Sevilla und taten sich wie des Öfteren sehr schwer gegen die Andalusier. Dass es letztlich doch noch zum Sieg reichte, lag an Lionel Messi und Alexis Sánchez, die das Spiel in der 94. Minute zugunsten des FC Barcelona entschieden.

Tata Martino schickte folgende Elf ins Spiel:

FC Barcelona - FC Sevilla 14.09.2013

Einwechslungen:

14. Adriano für Alba
62. Alexis für Tello
74. Fàbregas für Iniesta

Sevilla – Vertrauen auf die Defensive

Die Gäste aus Sevilla agierten sehr defensiv und ließen sich phasenweise sehr weit in die eigene Hälfte drängen. Man vertraute darauf, dass man defensiv sicher genug ist, um Barcelona auch in dieser doch gefährlichen Nähe zum eigenen Tor zu verteidigen. Zudem verengte man durch diese Taktik auch den Platz und machte Barcelona somit das Leben schwer. Sevilla versuchte nah bei den Gegenspielern zu stehen und diese früh zu stoppen, was gerade bei Spielern wie Neymar, Messi und Tello dazu beitragen sollte, dass sie kein Tempo aufnehmen können – denn dann sind sie sehr schwer zu verteidigen. Tello hatten die Gäste sehr gut im Griff, Messi wurde soweit aus dem Spiel genommen, dass er bis circa 20 Minuten vor Schluss keine Torchance hatte; lediglich Neymar bekamen sie nicht so wirklich in den Griff.

Den kreativen Mittelfeldspielern Barças sowie dem sich fallen lassenden Messi machten es die Andalusier durch ihre gute Raumaufteilung und Positionierung sehr schwer gefährliche, öffnende Pässe nach vorne zu spielen. Gelang Barça dies dann doch, so war in der Regel immer noch ein Sevilla-Spieler in der Nähe, der in höchster Not klären konnte.

Sevilla kämpfte wacker und hielt defensiv gut dagegen, dennoch ließen sie einige Chancen zu, allen voran durch Neymar. Der Brasilianer war sehr schwer zu stoppen, auch ohne Tempo aufzunehmen. Ihm machte der wenige Platz nicht allzu viel aus, das zeigte er vor allem im ersten Durchgang mehrere Male. Neymar ließ seine Gegenspieler in schöner Regelmäßigkeit alt aussehen und schaffte es einige gefährliche Situationen heraufzubeschwören – zweimal scheiterte er selbst nur knapp.
Gegen Ende des Spiels wurde Sevilla offensiver und offenbarte logischerweise mehr Räume. Barcelona konnte aus diesen Räumen aber kaum Kapital schlagen. Sie schafften es zwar zu einigen vielversprechenden Konterchancen zu kommen, genutzt haben sie aber keine, was sich fast gerächt hätte.

Drei Gegentore – Mindestens eins zuviel

Sevilla war drauf und dran einen Punkt aus dem Camp Nou zu entführen und das nach einem 0-2 Rückstand. Dass es am Ende doch nicht klappte lag daran, dass die Andalusier mindestens einen Fehler zu viel machten. Prinzipiell waren es weitaus mehr Fehler, aber vor allem die drei, an denen sich die Niederlage festmachen lässt, nämlich jene vor den Gegentoren.

Vor dem 0-1 war Sevillas Defensive komplett desorganisiert. Obwohl sie sehr viele Spieler hinter dem Ball hatten, hatte Barça viel zu viel Platz, was an einer schlechten Raumaufteilung der Gäste lag. Adriano hatte auf der zentralen linken Seite zu viel Platz und Alves konnte im Strafraum völlig frei zum Kopfball kommen und das erste Tor des Abends erzielen. Hier muss natürlich Adriano attackiert und die Flanke unterbunden werden. Genauso kann es nicht sein, dass Alves so frei zum Kopfball hochgehen kann.

Das 0-2 fiel zu einer Zeit, in der Sevilla schon mehr riskierte und Barça daher mehr Räume hatte als noch zuvor. Messi hatte im Zentrum zu viel Platz, weil es ihm gelang zwischen die Linien zu kommen. Währenddessen rückte Fàbregas in die Spitze und nahm dort den Pass von Messi entgegen. Sevillas zwei Abwehrspieler stellten nun Fàbregas und machten das Zentrum dicht, ließen aber Neymar auf links unbewacht, welcher dann von Barças Nummer Vier angespielt wurde. Der Brasilianer legte direkt quer auf Messi, der durchgerannt war, nachdem er Fàbregas den Ball passte –  das 2-0.
Neymar zu decken wäre hier natürlich sehr wichtig gewesen, aber auch sehr schwer, weil man dann Fàbregas mehr Platz geboten hätte. Der größte Fehler bei diesem Tor war, dass kein Spieler von Sevilla mit Messi mitging, um ihn vor dem Schuss zu stören. Da hätte man einfach energischer mitgehen müssen!

Das 2-3 war dann wohl das ärgerlichste Tor aus Sicht der Gäste. Schließlich fiel es in der letzten Minute des Spiels, welches man gerade erst ausgleichen konnte. Sevilla stand tief hinten drin, aber nicht taktisch klug. Es ging ihnen nur noch darum, irgendwie das Ergebnis zu halten, sie vergaßen aber worauf sie bisher so gut geachtet hatten. Sie gaben Messi wieder zu viel Platz im Zentrum und ließen ihn ungestört nah an den eigenen Strafraum kommen. Dort wurde er von einem Spieler gestellt, den er leicht umspielen konnte. Danach zog Messi mit Tempo in den Strafraum hinein, entledigte sich energisch seinem Gegenspieler und spielte den Ball in die Mitte. Dort wurde er zwar noch von Beto abgeblockt, doch der Ball kam zu Alexis Sánchez, der den Ball zum entscheidenden 3-2 versenkte.
Sevilla hätte hier Messi viel früher stören müssen und niemals zulassen dürfen, dass er so nah am eigenen Sechzehner Tempo aufnehmen kann.

Barça – ein gutes halbes Spiel

Spiele nach Länderspielpausen sind oft zähe Angelegenheiten, doch Barça kam überraschend energisch in das Spiel. Die Katalanen spielten dynamisch und engagiert nach vorne und wollten ein schnelles Tor erzielen. Gerade der sehr starke Neymar war in den Anfangsminuten sehr auffällig und gefährlich. Nach circa zehn Minuten wurde das Tempo dann niedriger. Barcelona war dominant und kam hin und wieder zu Chancen, schaffte es aber bis dato nicht eine zu nutzen. Nach 35 Minuten brachte Dani Alves die Katalanen dann in Führung und man dachte, dass es im zweiten Durchgang so ähnlich weitergehen würde.

Nach der Pause wurde Barcelona aber immer ungenauer und ungefährlicher. Man spielte nicht mehr energisch genug in Richtung Tor und leistete sich zu viele Ungenauigkeiten, welche oft zu Ballverlusten oder dem Verspielen aussichtsreicher Möglichkeiten führten. Ungefähr 20 Minuten vor dem Ende wurde es dann wieder etwas besser und nachdem Messi erst einen Ball über das Tor schoss, traf er schließlich zum 2-0. Praktisch jeder dachte, dass das Spiel nun entschieden sei, doch dann kam Barças Abwehrverhalten…

10 Minuten Defensivchaos

Es schien, als würden die Katalanen das Spiel nun locker über die Zeit retten und eventuell sogar noch ein Tor machen, doch es kam ganz anders. Völlig ohne Not ließ man sich in der 80. Minute auskontern, weil man viel zu hoch stand und kaum abgesichert war. Piqué musste auf rechts außen in den Zweikampf gehen, welchen er verlor. Den folgenden Pass konnte der bärenstarke Mascherano nicht klären und auch die Zweikämpfe im Sechzehner von Busquets und Piqué wurden verloren. Der Ball wurde schließlich quergelegt zu Rakitic, welcher vor dem zu spät ankommenden Adriano abzieht und unhaltbar für Víctor Valdés trifft.
Barça darf bei einem solchen Spielstand niemals so weit aufrücken und die Defensive derart entblößen. Dadurch, dass beide Außenverteidiger sehr offensiv eingestellt sind, fehlt oft die Absicherung für sie, da Busquets nicht beide Seiten abdecken kann. Es bedarf einer genaueren Organisation welcher Außenverteidiger angreift und welcher sich zunächst einmal auf die Defensive konzentriert. So könnte mal der rechte Außenverteidiger mit nach vorne gehen und der linke die Defensive stärken und beim nächsten Angriff genau andersherum. Es ist jedenfalls der reinste Selbstmord mit beiden Außenverteidigern permanent anzugreifen.

Das 2-2 fiel dann nach einer Ecke, der dritten schlecht verteidigten Ecke um genau zu sein. Beim ersten Mal traf Cala, jedoch wurde das Tor wegen eines angeblichen Fouls an Dani Alves nicht gegeben. Einige Zeit später war es wieder Cala, der nach einer Ecke zu einer Chance kam, diesmal ging der Ball aber über das Tor. In der 90. Minute war es dann Coke, welcher völlig freistehend das 2-2 erzielte. Sowohl Alves als auch Mascherano gehen zum Ball, um diesen zu klären, bekommen ihn aber nicht. Dadurch, dass einer der beiden für Coke eingeteilt war, sich aber wegbewegte, weil er dachte den Ball bekommen zu können, war jener Coke komplett frei und hatte keinerlei Mühe, das Tor zu erzielen.

Wie schon gegen Valencia kassierte Barcelona ein Tor nach einer Ecke. Dieses Problem ist schon länger bekannt und Martino arbeitet auch an daran. Barça hat nur einen wirklich kopfballstarken Spieler mit Gerard Piqué, dennoch muss man Standards einfach besser verteidigen, auch wenn man den meisten Gegnern physisch unterlegen ist. Ob die Manndeckung welche Martino spielen lässt dabei helfen kann, bleibt abzuwarten. Man sollte hierbei keine voreiligen Schlüsse ziehen, da es einfach seine Zeit dauert, bis die Spieler diese Art der Verteidigung verinnerlicht haben, vor allem wenn man bedenkt, dass weder unter Rijkaard noch unter Guardiola oder Vilanova mit Manndeckung verteidigt wurde.

Bis auf die Schlussphase und die Ecken von Sevilla verteidigte Barcelona eigentlich ganz gut, jedoch reicht das auf diesem Niveau manchmal nicht. Man muss einfach über die vollen 90 Minuten hellwach sein und Fehler vermeiden.
Am Ende wurde das Spiel noch härter, als man im Vorhinein wohl dachte, jedoch sollte man die Leistung Barcelonas nicht überbewerten, schließlich war es ein Spiel nach einer Länderspielpause und da haben sich schon die besten Barcelona-Teams sehr schwer getan.

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