FC Barcelona – Real Madrid 21.04.2012

StartLa LigaFC Barcelona - Real Madrid 21.04.2012
- Anzeige -
- Anzeige -

Ein schmerzliches Erlebnis mit einem bitteren Nachgeschmack, das ist von dem gestrigen Abend übrig geblieben. Die Blaugrana unterliegt im Camp Nou dem Dauerrivalen Real Madrid und muss seine Meisterschaftsträume für diese Saison ad acta legen. Wir danken dem Team dennoch für ihren Kampf!

Von Raphael Lugowski

Keine optimalen Voraussetzungen

Jetzt ist Gewissheit eingekehrt: Nach drei Meistertiteln in Folge wird der FC Barcelona in dieser Saison zusehen müssen, wie die Madrilenen feiern und jede Sekunde auskosten, in denen sie, nicht aber die Katalanen im Mittelpunkt der Fußballwelt stehen. Die laut zahlreichen Experten beste Mannschaft der Welt konnte ihre überlegene Klasse nicht in genug Punkte und Siege ummünzen und steht darum verdientermaßen hinter den Hauptstädtern, die sich den Platz an der Sonne ebenso redlich verdient haben. Es ist nicht leicht, sich das einzugestehen, aber im Vergleich zur letzten Saison fehlte der Mannschaft zumindest eine Dimension im Spiel, jenes Moment, das ein Spiel zur Zauberei werden ließ und die ganze Welt immer aufs Neue verzückte. Doch was war in dieser Saison im Vergleich zur vorangegangenen anders? Nun, da sind einige Punkte, die von Bedeutung sein könnten. Die immer wiederkehrenden Verletzungen von Leistungsträgern, die Krankheit von Abidal und dessen Abwesenheit, der Schienbeinbruch bei David Villa – besonders der Verlust von Villa war dem Spiel der Katalanen deutlich anzumerken; immer wieder fehlte die Breite im Offensivspiel, und Cuenca oder Tello konnten hier nur teilweise Abhilfe schaffen. Hinzu gesellt sich ein Pedro, der seiner Form hinterher läuft und ein Sanchez, der ebenfalls von Verletzungen nicht verschont geblieben ist.

Xavi und Iniesta nicht auf der Höhe

All das war dem Spiel der Katalanen sicherlich abträglich und von einer reibungslosen Saison kann daher keinesfalls die Rede sein. Von besonderer Bedeutung für den FC Barcelona sind aber die Spieler Xavi und Iniesta. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich Xavi, dieser exzellente Spieler, langsam aber sicher seinem Zenit nähert. Immer häufiger übersieht er seine Mitspieler in aussichtsreicher Position, wenn sie sich in Richtung Tor begeben und wählt den sicheren horizontalen Ball. Überhaupt hat sich in seinen Aktionen eine gewisse Trägheit eingefunden, die er bisher nicht überwinden konnte und die seiner Mannschaft sehr zu schaffen macht. All dies spiegelt sich auch in der Assist-Quote wider, die weit hinter den Werten aus den vergangenen Spielzeiten zurückbleibt. Ebenso wirkt Iniesta seit geraumer Zeit ein wenig gehemmt. Die Intuition, die ihn immer auszeichnete, ist ihm ein wenig abhanden gekommen, und damit einhergehend sind die Lücken, die er beim Gegner reißen konnte, stark zurückgegangen. Auch das Zusammenspiel mit seinen Mitspielern scheint dadurch beeinträchtigt. Messi, der über ein hervorragende räumliche Gabe verfügt und in seinem Geiste Spielzüge aus Tausend und einer Nacht heranreifen lässt, findet in Iniesta immer seltener das geistige Äquivalent, um sein Gedankengebilde auch auf dem Platz umzusetzen.

Der FC Barcelona ist keine Maschine

Besonders im gestrigen Clasico hat sich dieses Problem aufgetan. Fehler im Zusammenspiel waren keine Seltenheit und auch darüber hinaus waren ungewohnte technische Fehler bei dem Torschützen des WM-Finals auszumachen. Aber es soll an dieser Stelle genügen, weiter auf dieses Thema einzugehen. Jeder, der Iniesta oder Xavi nun an den Pranger stellt, hat ein gestörtes Verständnis zum Fußball. Sie konnten in dieser Saison seltener an die Glanzvorstellungen vergangener Tage anknüpfen, das ist wahr. Aber man muss sich nur vor Augen führen, was beide bereits in ihrer Karriere – vor allem für de FC Barcelona – geleistet haben. Die Wahrheit ist, es ist nicht immer so leicht im Fußball. Auch die Spieler der Blaugrana sind nur Menschen. Mentale Blockaden, eine zu große Erwartungshaltung, körperliche Erschöpfung, all das kann auch auf sie einen negativen Einfluss nehmen. In Einzelsportarten gibt es kaum Seriensieger, was einen guten Grund hat. Große Erfolge zehren viele Ressourcen auf, und es braucht seine Zeit, bis man wieder große Taten vollbringen kann. Nicht ohne Zufall wird bereits in jungen Jahren die gesamte Karriere periodisiert in Vorbereitungs-, Aufbau- und Spitzenphasen. Überträgt man dies auf eine gesamte Mannschaft, den FC Barcelona, so kann man nicht bis in alle Ewigkeit ohne Zäsuren mit unbeschreiblichen Leistungen rechnen – mit unmenschlichen Leistungen.

Gute Ansätze im Spielaufbau – Probleme vor dem Tor

Obschon das Spiel der Katalanen sich gewandelt hat und uns nicht mehr ganz so anziehend und magisch erscheint, muss man konstatieren, dass sie immer noch die Mannschaft sind, die es zu schlagen gilt. Das hat auch der gestrige Abend, trotz der Niederlage, wieder einmal zum Ausdruck gebracht. Pep Guardiola ließ sein Team in einem 3-4-3 auflaufen, bei dem Alves auf den rechten Flügel rückte und Tello sich auf der Gegenseite einfand. Iniesta nahm seine angestammte Position ein und sorgte gemeinsam mit Busquets, Xavi und Thiago für eine Mittelfelddominanz. Die Abwehr wurde bekleidet von Puyol auf rechts, Mascherano zentral und Adriano auf links. Es war durchaus gefällig, wie der FC Barcelona sich immer wieder durch ein schönes Kombinationsspiel dem Pressing von Real Madrid entzog und es immer wieder ins Leere gehen ließ. Es gelang den Madrilenen kaum, den Ballbesitz über ihr Pressing  zu erobern, was sie sehr bald dazu veranlasste, sich weiter zurückzuziehen und die Katalanen erst auf Höhe der Mittellinie zu stellen. Doch auch dort stellten sie kein unüberwindbares Hindernis für den FC Barcelona dar, welcher die Mittelfeldkette durch ein gepflegtes und geduldsames Tiki Taka immer wieder überspielen konnte. Das eigentliche Problem offenbarte in der Nähe des gegnerischen Strafraums. Von dort an gestaltete sich das Spiel zäher und die Kompaktheit von Real Madrid bereitete ihnen Schwierigkeiten.

Guardiola setzt auf Tello – Ein Fehler

Nichtsdestotrotz war dieses Problem eher ein hausgemachtes. Anknüpfungspunkt einer Kritik an Guardiola ist vor allem die Personalie Tello. Gleich drei Mal versuchte er mit einer primitiven Methode, seinen Gegenspieler an der Grundlinie zu umlaufen, und dreimal wurde er abgedrängt – es gab Abstoß. Es ist kein leichtes Unterfangen, sich in der madrilenischen Hälfte festzusetzen, und wenn ein Spieler dann derart leichtfertig den Ball hergibt, dann sind fünf Minuten Vorarbeit umsonst gewesen. Man muss sich das nur einmal vorstellen: Alle Spieler sind aufgerückt und in Position, der Ball zirkuliert wunderbar um den gegnerischen Strafraum auf der Suche nach der entscheidenden Lücke – davon gab es gestern in der ersten Halbzeit genug – , und dann kommt Tello und zerstört alle vorangegangenen Anstrengungen. Es war naiv von Tello, zu glauben, er käme mit seiner „Methode“ auch bei großen Mannschaften durch, und es war naiv von Guardiola, auf die Naivität von Tello zu setzen. Auch Valdes hat seiner Mannschaft mit seinem Fehler keinen Gefallen getan. In einem solchen Spiel gibt es keinen Raum für Fehler. Doch er wurde begangen und Valdes hat seinen Mannschaftskameraden eine Bürde auferlegt, der sie nicht standhalten konnten. Die Herausforderung war auch so schon schwierig genug und das Bewusstsein, einem doppelten Rückstand hinterherzulaufen, ist auch für die Spieler des FC Barcelona einfach nur erdrückend. Umso erstaunlicher war der Umstand, dass sich die Gastgeber trotzdem die ein oder andere Chance herausspielen konnten und bei konsequenter Chancenverwertung die Begegnung aller Voraussicht nach einen anderen Verlauf genommen hätte.

Casillas glänzt

Die Gefährlichkeit von Real Madrid resultierte in dieser Begegnung vor allem aus ruhenden Bällen. Nach einer Ecke in der Anfangsphase kam C. Ronaldo zum Kopfball, doch Valdes hat den Ball über die Latte ins Toraus gelenkt. In der 17. Spielminute dann erneut eine Ecke und das Tor für Madrid. Valdes irrt im Strafraum umher, lässt den Kopfball von Pepe abprallen und Khedira – nicht im Abseits – befördert  Ball ins Tor. Ein ärgerliches und leichtes Gegentor. Einige Minuten zuvor hatte zudem Alves den Ball im Pressing erobert, wurde aber vom herauseilenden Casillas gestellt und konnte den Ball nicht auf das Tor bringen. In der 27. Spielminute konnte sich Casillas dann noch einmal auszeichnen. Messi spielt Xavi mit einem tollen Pass frei, sodass sich dieser nur noch dem gegnerischen Schlussmann gegenübersieht. Doch Casillas macht sich breit und verhindert das Gegentor für seine Mannschaft. So beeinflussten also die Torhüter den Ausgang der Partie. Knapp zehn Minuten nach Wiederanpfiff wurde Tello von Thiago schön freigespielt, aber auch er scheitert kläglich. In der 70. Spielminute dann der verdiente Ausgleich für die Katalanen durch Sanchez. Messi setzt zum Solo an, bindet drei Spieler und bedient Iniesta, der den Ball sofort in Weltklasse-Manier zu Tello weiterleitet. Dessen Schuss wird von Casillas pariert und auch der Nachschuss von Adriano findet nicht den direkten Weg ins Tor. Der Ball fällt Sanchez vor die Füße und er befördert den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. Drei Minuten später aber die erneute Führung für die Madrilenen, nachdem die Katalanen aufgerückt waren. Özil spielt einen tollen Pass in den Lauf von C. Ronaldo, der Mascherano enteilt und locker vollendet. Besonders ärgerlich: Diesem Tor war ein Foulspiel an Iniesta in der Hälfte von Madrid vorausgegangen. Einfach widerwärtig die Geste von C. Ronaldo nach diesem Tor. Das Spiel war gelaufen. Doch jetzt gilt mehr denn je: Visca el Barca!

- Anzeige -

AKTUELLE USER-KOMMENTARE