FC Málaga gegen FC Barcelona: Spielanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Nachdem Real Madrid bei Tabellenschlusslicht Osasuna nicht über ein 0-0 hinauskam, war die Ausgangslage für den FC Barcelona klar: Ein Sieg zum Hinrundenende und man hätte nicht nur die beste Hinrunde aller Zeiten in Spanien gespielt und dabei auch die meisten Tore erzielt, sondern man würde auch 18 Punkte vor Real Madrid stehen. Dass dies auswärts im La Rosaleda zu Málaga nicht einfach werden würde, war klar, aber ebenso bekannt war, dass Barcelona sich aktuell vor niemandem verstecken muss. In einem Topspiel – das diesem Namen auch gerecht wurde – trafen zwei Teams aufeinander, die versuchten offensiv zu spielen und so dafür sorgten, dass die Zuschauer einiges geboten bekamen.

 Hier die Startelf von Tito Vilanova:

Einwechslungen:

72. Thiago für Fàbregas

77. Sánchez für Pedro

Taktik und Spielweise von Málaga

Málaga begann in einem 4-3-3 System, welches aber sehr fluide ausgelegt war. Ziel war es, schon mit den Angreifern Barcelona direkt unter Druck zu setzen, um so den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten und möglichst schnell wieder selbst in Ballbesitz zu kommen. Danach sollte es rasch nach vorne gehen, um die entstandene Unordnung von Barça ausnutzen zu können. Essentiell für diese Spielweise und auch insgesamt für das Spiel von Málaga sind hierbei Toulalan auf der Doppelsechs und der offensive Freigeist Isco, die das Spiel der Andalusier prägen.

Defensiv stand Málaga in der ersten Halbzeit überwiegend gut und sicher, was auch an besagtem frühen Pressing lag. Dieses frühe Pressing mussten sie aber auch spielen, da sie bei eigenen Angriffen sehr mutig agierten und mit vielen Spielern aufrückten, die dann logischerweise weiter hinten fehlten. In der Regel pressten die Hausherren mit fünf Spielern, unter denen auch einer der beiden defensiven Mittelfeldspieler war. Der andere Sechser sowie die Viererkette sorgten für die Grundordnung und bildeten die letzte Verteidigungslinie, für den Fall, dass Barcelona das frühe Pressing überstand und sich dem andalusischen Strafraum näherte.

Jedoch spielten sie dieses Pressing keineswegs perfekt. Zwischen den pressenden Spielern und der Viererkette gab es immer wieder Lücken, in die sich ein Spieler von Barcelona schleichen konnte (im Wechsel Pedro, Messi, Xavi, Iniesta, Fàbregas, ja einmal sogar Busquets) und dort dann viel Zeit und Raum vorfand. Barça versuchte dann auch schnell nach vorne zu spielen, doch leider gelang es den Hausherren immer wieder rechtzeitig, eine sichere Grundordnung herzustellen. Dennoch kamen die Katalanen zu einigen Chancen, vor allem wenn ein Spieler mit dem Ball in den Strafraum eindrang.

Und trotz dieser Spielweise, die dafür sorgen sollte, dass Málaga offensiv zu einigen gefährlichen Situationen kommt, waren die Andalusier offensiv über weite Strecken sehr harmlos. Einer der Hauptgründe war neben dem defensiv starken Spiel der katalanischen Abwehr und der fantastischen Vorstellung von Busquets vor der Abwehr das Pressing von Barcelona, zu dem aber später noch mehr gesagt werden wird.

Im zweiten Durchgang ließ Málaga mehr und mehr nach, vielleicht auch weil das Pressing der ersten Halbzeit zu viel Kraft gekostet hat, vor allem da es sich rein ergebnistechnisch nicht wirklich gelohnt hat. Dies könnte irgendwo in den Köpfen der Spieler demoralisierend gewirkt haben, da sie sahen, dass sie trotz dieses Kraftaufwandes nichts Zählbares zustande brachten. Jedenfalls gehörten die zweiten 45 Minuten noch klarer den Gästen aus Katalonien. Sie ließen Málaga fast so viel wie den Ball laufen und kamen immer wieder zu Chancen und letztlich auch zu Toren. Auch defensiv wurde Barcelona stärker, was die harmlose Offensive von Málaga noch mehr abschwächte. Sinnbildlich für die wirkungslose Offensive ist wohl Isco. Im Zentrum kam er einfach nicht zur Geltung und konnte neben der ein oder anderen Einzelaktion das Spiel in keiner Phase an sich reißen. Daher rückte er immer wieder auf die Flügel, um dort Überzahl zu schaffen und Barcelona vielleicht dort zu verwunden, aber auch dies klappte nicht. Er versuchte – wie das gesamte Team – sehr viel, aber etwas gebracht hat es am Ende nicht. Auch symptomatisch für die offensive Harmlosigkeit von Málaga ist die Tatsache, dass ihr einziges Tor ein direkt verwandelter Freistoß bildete, wenngleich dieser sehr schön anzusehen war.

Taktik und Spielweise von Barcelona

Zu der Grundidee von Barcelonas Spiel muss wohl nicht mehr viel gesagt werden. Man versucht möglichst lange in Ballbesitz zu sein und dann Ball und Gegner laufen zu lassen. Bei einem Ballverlust stört man den Gegner sofort, ähnlich wie Málaga und natürlich auch aus denselben Gründen. Die Tatsache, dass beide Teams ein ähnlich wildes Pressing spielten war übrigens auch sehr interessant. Konnte man in den letzten Monaten sehen, dass der Ballbesitzanteil Barcelonas nach “schwachem” Beginn wieder stieg – was auch damit zusammenhing, dass man wieder jenes wildes Pressing spielen ließ – so war er gegen Málaga mit 64% relativ gering. Das lag eben daran, dass beide Teams ein ähnliches Pressing spielten und danach ziemlich direkt und vertikal zum Abschluss kommen wollten. Dazwischen gab es aber auch immer wieder Phasen, in denen die Katalanen den Ball über einige Stationen laufen ließen und so auch Zeit fanden sich zu erholen, diese aber Málaga gleichzeitig vorenthielten.

Offensiv gab es bei Barcelona wie üblich sehr viele Rochaden, besonders im Zentrum, da dort – wie bereits erwähnt – immer wieder Platz zwischen den Ketten frei wurde. Von dort versuchte man sich dann entweder durchs Zentrum in eine gefährliche Position durchzukombinieren oder aber das Spiel auf die Außen zu verlagern und dann einen Ball in den Strafraum zu spielen, wie es Dani Alves sehr oft machte. Oder mit dem Ball in den Strafraum einzudringen, wie es Iniesta und Fàbregas immer wieder praktizierten. Die Rochaden dieser beiden Spieler auf Linksaußen werden auch immer besser und besser, was es für den Gegner schwer macht sich auf einen Spieler einzustellen. Beide sind immer wieder überall zu finden, mal auf außen, dann im Zentrum, dann in der Spitze; das macht dem Gegner die Zuordnung sehr schwer und überfordert auch sehr viele, wie man letzte Woche im Heimspiel gegen Espanyol Barcelona gut sehen konnte.

War das erste Tor noch ein Geschenk von Camacho, so waren die beiden anderen Tore schön herausgespielt und ein Beleg dafür, dass Málagas größtes Problem die Kluft vor der Viererkette war. Vor dem 2-0 hat Messi in eben jenem Freiraum vor der Abwehr viel zu viel Platz, weil die Sechser nicht nah genug bei ihm stehen und ihn auch sonst niemand stört, wie beispielsweise ein herausrückender Innenverteidiger. So kann Messi, überspitzt formuliert, in aller Ruhe den Ball auf den durchstartenden Fàbregas chippen, der alleine vor Willy die Nerven behielt und zur Vorentscheidung traf.
Zehn Minuten vor dem Ende war es dann Thiago Alcántara, der das Spiel endgültig entschied. Nach einem Einwurf kommt der Ball zu ihm. Er lässt einen Gegner stehen, spielt einen Doppelpass mit Messi und kann kurz vor dem Strafraum ungestört abschließen. Auch hier ist keiner zur Stelle um den Spieler von Barcelona zu stören, weder ein Sechser noch ein Innenverteidiger, der sich mal ein Herz fasst und herausrückt um Thiago zu stellen. Dass der Schuss wohl sogar haltbar war, spielt hierbei keine Rolle, da der Fehler schon vor diesem gemacht wurde.

Barcelonas Herzstück ist einfach das Zentrum und dies ist auch eigentlich jedem bekannt, dennoch hat Málaga gerade dort enorm viel Raum unterbesetzt gelassen und Barça somit unfreiwillig in die Karten gespielt. Die Katalanen verstanden es hierbei auch sehr gut, Málagas Pressing zu umspielen und dann genau in diese Freiräume zu stoßen. Elementar für das Bestehen gegen solch ein Pressing wie das von Málaga ist Sergio Busquets, der immer wieder beweist, dass er der wohl pressingresistenteste Spieler weltweit ist. Er eroberte sehr viele Bälle zurück und verschaffte seiner Mannschaft danach entweder alleine oder im Zusammenspiel mit einem anderen Spieler durch ein bis zwei schnelle Kombinationen sehr viel Platz. Diesen Raum konnte Barcelona vor allem in der zweiten Halbzeit sehr gut nutzen und somit letztlich verdient mit 3-1 gewinnen.

Auch defensiv konnte Barça eine starke Vorstellung abliefern, auch wegen dem eigenen guten und effizienten Pressing. Zudem agierte die ganze Viererkette defensiv sehr solide. Alves scheint langsam aber sicher nach den ganzen Verletzungen wieder in Form zu kommen und dem Team helfen zu können, defensiv wie offensiv. Auch Mascherano ist nach seinem kleinen Durchhänger nun schon seit einigen Spielen wieder in Normalform. Gerard Piqué steigert sich auch von Spiel zu Spiel und nähert sich langsam aber sicher wieder der Form, die ihn einst zum weltbesten Innenverteidiger machte. Und Jordi Alba, ja der spielte eben wie ein Jordi Alba so spielt: Offensiv omnipräsent und dennoch auch defensiv stark und mit vielen abgefangenen Bällen.

Auch sehr wichtig für die gute Defensivleistung Barcelonas war wie gesagt Sergio Busquets, der wieder sehr viele Bälle zurückeroberte. Dies – gepaart mit seiner Resistenz gegenüber gegnerischem Pressing – machten ihn gegen Málaga zu einem Schlüsselspieler, der eine große Rolle bei diesem überzeugenden Sieg von Barça spielte. Aber neben den Defensivspielern zeigten auch die anderen Akteure defensiv eine gute Leistung, da sich eigentlich jeder – Messi weitestgehend ausgenommen – am sehr breit ausgelegten Pressing beteiligte. Dadurch, dass Barcelona das Pressing so breit auslegte, konnte man auch Málagas Pressinglinie auseinanderziehen, was wiederum Räume für Barça generierte, in die die Katalanen immer wieder hineinstoßen konnten. Barcelona nutzte also – wie fast immer – die Defensive auch zur Offensive, dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt, sprich die Offensiven helfen bei der Defensivarbeit mit.

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