Mehr als nur ‘MSN’: Der FC Barcelona funktioniert als Mannschaft

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Der FC Barcelona dominiert in den letzten zwei Jahren den europäischen und spanischen Fußball. Die Medien haben sehr früh das berüchtigte Sturmtrio Messi, Suárez und Neymar für den Erfolg ausgemacht und diesen oftmals auch auf ihre Leistungen reduziert. Doch ist es wirklich so einfach, kann man Barças Leistungen überwiegend an ‘MSN’ festmachen? Dem möchten wir nun auf den Grund gehen und letzten Endes aufzeigen, dass es mehr bedarf als nur einem Wundersturm und dieser von einem funktionierenden Gesamtgefüge abhängig ist.

Die Torhüter/Abwehr als sattelfeste Grundlage

Die allgemeine öffentliche Meinung geht dahin, dass der FC Barcelona seine Spiele nur gewinnt, weil die Mannschaft mehr Tore schießt als der Gegner und damit andere Defizite kaschiert. Auf den zweiten Blick ist diese Aussage aber mit Vorsicht zu genießen. Das Stärke von Barça beginnt nicht erst im Sturm, sondern mit den Torhütern, denn sowohl Claudio Bravo als auch Marc-André ter Stegen spielen seit ihrer Ankunft auf einem sehr hohen Niveau. Kaum ein Gegentor fällt aufgrund eines Torwartfehlers, da beide sehr sicher auftreten und somit der Abwehr zusätzliche Stabilität geben. Außerdem sind beide Keeper, insbesondere ter Stegen, ausgesprochen souverän mit dem Ball am Fuß und vermögen es, das Aufbauspiel mit sicheren Pässen einzuleiten.

Davor bilden Piqué und Mascherano ein Innenverteidiger-Duo, das sich hervorragend ergänzt. Während der Spanier seine Stärken in der Spieleröffnung und in Kopfballduellen hat, schafft es Mascherano durch ein unglaubliches Positionsspiel und Zweikampfverhalten, Chancen des Gegners oftmals schon vor ihrer Entstehung zu unterbinden oder durchaus auch in höchster Not als letzte Instanz zu vereiteln. Beide spielen diese Saison einen bärenstarken Fußball in der Defensive und zeichnen mitverantwortlich für nur 24 Gegentore in La Liga, der zweitbeste Wert in Spanien. Bekanntlich bildet eine starke Verteidigung den Grundstein für ein erfolgreiches Offensivspiel. Auf der rechten Seite hat man mit Dani Alves ebenfalls einen sicheren Rückhalt, doch seine Stärke liegt ohne Zweifel in seinem genialen Zusammenspiel mit Lionel Messi, das jede Abwehr der Welt zur Verzweiflung bringen kann. Das Gegenstück dazu befindet sich auf der linken Seite, auf der Jordi Alba und Neymar im schnellen Umschaltspiel ihre ganze Klasse zur Entfaltung bringen und die vielleicht schnellste linke Seite der Welt bilden. Selbst der ‘klassische’ Mittelstürmer Luis Suárez profitiert von den Verteidigern, da er der Mannschaft eine Komponente bietet, die man so bei Barça seit Jahren nicht gesehen hat: Den langen Ball! Während Piqué und Alba meist versuchen, sich mit kurzen Pässen ins Mittelfeld oder auf die Außenbahn zu befreien, können Mascherano und besonders Dani Alves einen hohen Ball ins Sturmzentrum spielen, den Suárez wie kein zweiter verarbeiten und verwerten kann. Das erfordert Maßarbeit, die die Barça-Verteidiger durchaus im Fuß haben. Das beste Beispiel hierfür ist wohl die Entstehung zu Suárez’ Siegtreffer im Clásico vor fast genau einem Jahr, hier noch einmal für euch begleitet vom legendären Ray Hudson:

https://www.youtube.com/watch?v=EULgESKPKqM

Das Mittelfeld als unscheinbares Herzstück

Der unbesungene Held und vielleicht wichtigste Spieler für das Konzept des FC Barcelona ist Sergio Busquets! Unter Fußballkennern ist er unbestritten der beste defensive Mittelfeldspieler der Welt und spielt wohl die stärkste Saison seiner Laufbahn. Unter Luis Enrique hat sich seine Rolle jedoch ein Stück weit verändert, was ihm noch mehr zugutekommt: Durch Lionel Messi und Neymar verfügt man auf den Außenbahnen über zwei Spieler, die das Spiel unglaublich schnell machen können und im Umschaltspiel jeden Gegner vor Probleme stellen. Dadurch, dass der Trainer die Mannschaft etwas tiefer stehen lässt als seine Vorgänger und dem Gegner hin und wieder der Ball ‘überlassen’ wird, entstehen Räume zwischen Mittelfeld und Angriff. Dieser Raum wird nach Busquets’ Ballgewinn von ihm schnellstmöglich überbrückt und der Ball ins Angriffsdrittel bzw. zu den Stürmern gespielt, die den Rest unter sich ausmachen. Mit seiner Antizipation und Spielintelligenz ist Busquets somit der perfekte Spieler für diese Aufgabe, was man auch daran sieht, dass er sehr viele sogenannte ‘Pre-Assists’, also den Pass vor dem Assist vorweisen kann.

Ähnliches gilt für Ivan Rakitić: Der Kroate ist kein Musterspieler für schnelles Kurzpassspiel, was er aber durchaus auch in sein Spiel einbinden kann. Seine Kernkompetenzen sind großer Kampfgeist und Laufbereitschaft gepaart mit gutem Defensivbewusstsein; sowie nach einem Ballgewinn das schnelle Umschalten und Füttern der Stürmer. Noch mit Xavi in der Zentrale wurde das Spiel häufig verschleppt und der Versuch, den Ball mit unzähligen Pässen vor das Tor zu befördern, gipfelte oftmals einem Handballspiel um den Kreis herum. Von diesem Konzept, das ab und zu durchaus auch noch zum Zuge kommt, kann die Mannschaft unter Enrique in jeder Sekunde abweichen und den Gegner somit überrumpeln, was den FC Barcelona noch unausrechenbarer macht.

Der Taktgeber und das Hirn der Mannschaft ist nach Xavis Abgang ohne Zweifel Andrés Iniesta. Schon in der letzten, noch mehr aber in der aktuellen Spielzeit sieht man einen Iniesta, der sich fast schon neu erfunden hat. Zwar spult er nicht die Kilometer eines Ivan Rakitić ab oder gewinnt Bälle wie Busquets, jedoch ist er eine Art Hybrid aus dem Kroaten und seinem Lehrmeister Xavi. Er versteht es heutzutage bei Bedarf, das Spiel mit einem kurzen, knackigen Dribbling oder einem Pass auf die Stürmer sehr schnell zu machen, kann sich aber durchaus einen Gegner auch zurechtlegen, um im entscheidenden Moment den Ball in die Schnittstelle zu spielen.

Fazit

Die Tore von ‘MSN’ sind in aller Munde, doch es ist die gesamte Mannschaft, die diese drei Ausnahmestürmer in Szene setzt und ohne die auch der gefährlichste Sturm der Welt nicht restlos funktionieren kann. Wie vor einigen Tagen erläutert, bringen natürlich Messi, Suárez und Neymar außergewöhnliche Fähigkeiten mit, doch alle anderen acht Spieler auf dem Platz haben eine Aufgabe und lösen diese meist fast schon in Perfektion, wodurch das Offensivpotenzial zur vollen Entfaltung kommen kann. Auch Ergänzungsspieler wie Sergi Roberto, Arda Turan oder Aleix Vidal integrieren sich mehr und mehr in dieses taktische Gefüge und lernen zu verstehen, welche Aufgaben und Pflichten sie erfüllen müssen, um der Mannschaft größtmöglich zu helfen. Genau dieser Mannschaftsgedanke ist es auch, der den FC Barcelona im Moment so stark macht: Jeder kämpft für die Mannschaft und jeder hat den gleichen Wert für das Team, ganz unabhängig davon, wer letztendlich im Rampenlicht steht.

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