Real Sociedad gegen FC Barcelona: Spielanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Am 20. Spieltag, also zu Beginn der Rückrunde, war es soweit: Der FC Barcelona verlor sein erstes Ligaspiel der Saison 2012/13. Paradoxerweise geschah dies im Baskenland bei Real Sociedad, wo die Katalanen auch in den letzten beiden Jahren schon Punkte ließen. Und noch paradoxer war es, dass man – wie schon im letzten Jahr – wieder eine 2-0 Führung verspielte.

 Tito Vilanova setzte auf folgende elf Spieler:

Einwechslungen

58. Mascherano für Fàbregas

89. Adriano für Pedro

Spielweise und Taktik von Real Sociedad

Die Gastgeber agierten überwiegend in einem 4-4-1-1 System, mit Carlos Vela als einziger Spitze und Kapitän Xabi Prieto dahinter. Sie nahmen sich vor kompakt zu stehen und Barcelona früh zu stören und somit kein geordnetes Aufbauspiel zuzulassen. Dies gelang ihnen auch phasenweise richtig gut. So empfingen sie die Katalanen meist kurz hinter der Mittellinie und versuchten dort die Räume eng zu machen. Damit hierbei keine zu große Lücke zur Abwehrkette entstand, rückte diese oft weit auf, um das Spielfeld noch enger und Barcelona damit das Leben schwer zu machen. Etwa ab dem Ende der ersten Halbzeit gelang ihnen das auch sehr gut, vor allem weil die Katalanen ab diesem Zeitpunkt deutlich nachließen.

Zuvor waren die Gastgeber zwar bemüht, machten jedoch noch zu viele Fehler. Die Abwehr stand nicht nur in den Phasen des Pressings sehr hoch, sondern auch nach eigenen Ballverlusten. Dadurch und angesichts der Tatsache, dass Barcelona bei eigenen Kontern im Zentrum sehr viel Platz hatte, entwickelte sich diese hohe Stellung zu einer Gefahr für die Basken. So entstand dann auch das 2-0: Xavi hat im Zentrum zu viel Platz und kann den Ball in Ruhe auf den durchstartenden Alves chippen. Dieser legt quer auf Pedro, der prompt das 2-0 erzielt. Weitere drei Mal gelang dies Barcelona, nur entstanden aus diesen Situationen keine Tore. Beim ersten Mal verzog Messi und die anderen beiden Male wurde Barça wohl zu Unrecht wegen Abseits zurückgepfiffen.

Sociedad gab den Ball nach dessen Eroberung auch oft zu leicht wieder her, was natürlich zu weiteren Chancen für Barcelona führte. Beispielsweise traf Pedro den Pfosten, nachdem Sociedad einen gerade erst gewonnen Ball wieder an Iniesta verlor. Auch das 1-0 entstand aus einem unnötigen Ballverlust, als Torhüter Bravo den Ball Iniesta genau vor die Füße spielte. Was die Gastgeber aber gut machten, war die Schnittstellen in der Innenverteidigung dicht zu halten. Hier konnte Barcelona lediglich einmal in Form von Messi nach einem Pass von Xavi durchbrechen. Allerdings hätte diese eine Szene das Spiel entscheiden können, wenn Messi statt des Pfosten das Tor getroffen hätte. Ein Hinweis dafür, dass es einem im Fussball oft nichts bringt, wenn man nur fast alles richtig macht, da ein einziger Fehler all die gute Arbeit zunichte machen kann.

Offensiv war Sociedad von Beginn an bemüht und versuchte immer wieder nach der Balleroberung nach vorne zu kommen. Gerade Carlos Vela rieb sich vorne fast auf, spielte aber größtenteils glücklos. Zu wirklichen Chancen kamen die Mannen von Philippe Montanier in Hälfte eins auch nur sehr selten. Das erste Mal gefährlich wurde Sociedad nach einem schnell gespielten Freistoß, als Dani Alves nicht aufgepasst hat. Der Schuss ging aber nur ans Außennetz. In der 39. Minute kamen die Gastgeber dann zum Anschlusstreffer. Ein hoher Ball kommt vor den Strafraum von Barcelona. Piqué versucht den Ball zu klären, verliert aber das Kopfballduell gegen den klar kleineren Gegenspieler. Puyol schafft es auch nicht den Gegner vom Ball zu trennen, woraufhin der Ball nach außen zu Castro kommt. Dieser ist völlig frei, da Alves nach innen gerückt war und trifft unhaltbar in die lange Ecke. Kurz darauf kam wieder Castro aus ähnlicher Position zum Schuss, diesmal konnte Víctor Valdés den Ball aber entschärfen.

Obwohl Sociedad in der zweiten Hälfte das bessere Team war, kamen sie nur dreimal gefährlich vor das Tor von Valdés. Einmal handelte es sich um einen eher harmlosen Schuss, den dieser locker abwehrte, die anderen beiden Male wurde der Ball jedoch erfolgreich versenkt. Nach einer Ecke kommt der Ball wieder nach außen auf Castro, der einfach mal abzieht. Der eingewechselte Javier Mascherano fälschte diesen Ball dann unglücklich ins eigene Tor ab. Kurz vor Schluss hat Sociedad auf Barcelonas linker Defensivseite etwas Ballglück gegen Alba und Busquets, die Hereingabe verwertet dann der eingewechselte Agirretxe zum Siegtreffer. Mascherano kam hier deutlich zu spät.

Spielweise und Taktik von Barcelona

Barcelona ging wie gewohnt mit der Absicht in das Spiel, den Gegner zu dominieren und über viel Ballbesitz zu Torchancen zu kommen. Bis zur 39. Minute gelang das den Gästen auch ziemlich gut, jedenfalls wenn man sich die Chancen anschaut. Eine Riesenchance von Messi, zwei Aluminiumtreffer von Pedro und Messi und zwei große Chancen, die zu Unrecht wegen Abseits zurückgepfiffen wurden, dazu noch die beiden Tore. Spielerisch war es eine durchschnittliche bis ordentliche Partie von Barcelona. Die Katalanen hatten zwar immer wieder Phasen im Spiel, in denen man Ball und Gegner gut laufen ließ, aber insgesamt gab es einfach zu viele unnötige Ballverluste. Xavi, Iniesta, Busquets, Fàbregas und auch Messi hatte zu viele Unzulänglichkeiten in ihrem Spiel und schafften es nur äußerst selten, das Spiel wirklich an sich zu reißen. Im zweiten Durchgang ging dann jegliche Kontrolle verloren und Barcelona zeigte eine erschreckend schwache Leistung, besonders nach der gelb-roten Karte gegen Gerard Piqué.

Defensiv stand Barcelona zu Beginn noch relativ solide, aber schon nach dem Anschlusstreffer gab es die ersten kleinen Wackler. Nach dem Ausschluss von Piqué war die Defensive der Katalanen sehr schwach und so war es schon fast vorhersehbar, dass Sociedad mindestens noch ein Tor erzielen würde. Man verlor zu leicht die Bälle, weshalb sie Barça danach auch direkt wieder “um die Ohren flogen”. Das Stellungsspiel in der Defensive war phasenweise unzureichend, ebenso die Bissigkeit in den direkten Zweikämpfen. Zudem war Sociedad viel zu oft einen Schritt schneller als Barcelona und wirkte einfach wacher und konzentrierter, wenngleich sie nicht zu vielen Chancen kamen. Diejenigen, die sie bekamen, haben sie letztlich eiskalt genutzt und die Katalanen für deren Pomadigkeit bestraft.

Kommen wir zu der gelb-roten Karte von Gerard Piqué. Die erste gelbe Karte bekam er für das Blocken eines Freistoßes, sie war also absolut legitim. Die zweite sah er nach einem normalen Foulspiel, bei dem der Gegner ihn umkurvte und er das Bein stehen ließ. Es war zudem Piqués erstes Foul in diesem Spiel und ihn dafür vom Platz zu stellen ist eine sehr harte, wenn nicht sogar überharte Entscheidung. Prinzipiell war es ein Foul, für das man durchaus gelb zeigen kann, aber in Anbetracht dessen, dass es sein erstes Foulspiel und er schon gelb-vorbelastet war, war die Entscheidung wohl zu hart. Hier fehlte dem Schiedsrichter das so oft geforderte Fingerspitzengefühl. Außerdem sollte man auch erwähnen, dass Piqué – nur weil er eine gelbe Karte hat – den Zweikämpfen ja nicht völlig aus dem Weg gehen kann. Dass damit auch die Gefahr eines Foulspiels besteht ist klar, aber sein Foul war eben kein hartes und sicherlich auch keines, das eine Hinausstellung rechtfertigt.

Diese Entscheidung zusammen mit den beiden falschen Abseitsentscheidungen hinterlassen natürlich einen faden Beigeschmack, ändern aber nichts daran, dass Barça speziell in der zweiten Halbzeit sehr schwach spielte und vor allem durch viele Fehler und Unzulänglichkeiten – gerade defensiv – auffiel. Letztlich gewinnt Sociedad also nach einer insgesamt guten Leistung gegen die Katalanen. Barcelona bot eine schwache Leistung, hatte aber auch viel Pech mit zwei Aluminiumtreffern und drei Fehlentscheidungen gegen sich. Trotz dieser schlechten Leistung wäre ein Sieg nicht unverdient gewesen, aber da man in der zweiten Halbzeit nach vorne nichts mehr zustande brachte und defensiv keine Stabilität aufbieten konnte, kann man nur sich selbst und etwas Pech die Schuld geben, dieses Spiel verloren zu haben.

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