Spielanalyse | Athletic Bilbao – FC Barcelona: Die Blaugranas immun gegen baskisches Pressing

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Am zweiten Spieltag in La Liga stand für den FC Barcelona eines der traditionell schwersten Auswärtsspiele der Saison an. Im neuen San Mamés traf man auf Athletic Bilbao, die wie gewohnt mit einem starken Pressing agierten. Die Blaugranas hatten dadurch zunächst einige Probleme im Spiel nach vorne, zeigten sich im Laufe des Spiels aber als extrem resistent gegenüber Bilbaos Pressing. Ivan Rakitić sorgte mit seinem Kopfballtreffer in der 21. Minute für den verdienten Sieg des amtierenden Meisters.

Bilbaos Pressing

Bilbao zeigte sich sehr mutig und versuchte, Barça oftmals mit sechs Spielern in deren Hälfte zu stören (hier nur fünf davon sichtbar). Umtiti bekam den Ball, weshalb Bilbao auf seine Seite verschob und versuchte, dort den Raum zu verengen. Es gelang ihnen immer wieder, Barça dazu zu bringen, den Ball nach außen zu spielen. Dort wurde dann versucht, das Spielfeld eng zu machen und den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Die Blaugranas schafften es insgesamt aber sehr gut, diesem Pressing zu widerstehen, was zu einem großen Teil an Marc-André ter Stegen lag. Immer wieder spielten die Verteidiger den Ball zurück zu ihrem Schlussmann, der durch seine Fähigkeiten am Ball dafür sorgte, dass man das gegnerische Pressing leichter umspielen konnte. Selbst wenn zwei Gegner ihn zu pressen versuchten, blieb ter Stegen ruhig und spielte den Ball gezielt zu einem Mitspieler. So kam Barça oft zu Raumgewinnen und zudem ließ man den Gegner müde werden, weil er immer wieder hinterherlief.
Bilbaos Pressing machte es der Mannschaft von Luis Enrique über große Teile des Spiels schwer, gezielt von hinten bis in die Spitze zu spielen. Oftmals war es ein direkter Ball, der zu einer Chance führte. Gleichzeitig ließ man in anderen Phasen den Ball lange in den eigenen Reihen kreisen, ohne wirklich Raum zu gewinnen. Dabei ging es einfach darum, den Gegner mürbe zu spielen und selbst Geduld zu beweisen. Barça wollte nicht über 90 Minuten ein hektisches Spiel, das von einer Seite auf die andere geht, sondern mehr Ruhe und Kontrolle. Die Kontrolle über das Spiel hätte zwar durchaus höher sein können, doch wenn die Katalanen es darauf angelegt haben, blieben sie mitunter recht lange in Ballbesitz, auch wenn viele dieser Pässe Rück- oder Querpässe waren. Das Ziel, den Gegner laufen zu lassen, wurde dabei aber erreicht.

Die Entstehung des Siegtreffers

Genau eine solche Phase des Mürbemachens ging dem entscheidenden 1:0 voraus. Barça spielte sich den Ball sehr lange in den eigenen Reihen zu, ohne Raumgewinn verzeichnen zu können. Doch man blieb geduldig und wartete auf den Moment, in dem Bilbao das Defensiv-Konstrukt ein wenig aufbrechen würde. Dazu war es notwendig, dass die fünf Spieler vor Busquets sich viel bewegten, um somit ihre Gegenspieler in Bewegung zu halten. Letztlich war es ein mutiger Pass von Busquets auf den sich fallen lassenden Luis Suárez, der das Tor einleitete. Der Uruguayer zog seinen Gegenspieler mit sich, wodurch hinter diesem viel Raum entstand. Außen verteidigte De Marcos viel zu zentral, wodurch Arda Turan komplett frei stand. Barça spielte sich im Vorlauf zu dieser Szene den Ball zumeist auf der eigenen rechten Seite zu, weshalb Bilbaos Linksverteidiger Balenziaga nach vorne schob, dadurch aber eben hinten fehlte. Somit verschob die gesamte Viererkette etwas auf diese Seite, um die Lücke zu schließen, was aber wiederum auf der anderen Seite eine große Lücke offenbarte, die Inaki Williams zu spät zu schließen versuchte.

In der Folge zeigte das Mittelfeld der Blaugranas eine seiner großen Stärken – seine Mobilität und der Mut, nach vorne zu stoßen. Denis Suárez ging mit nach vorne und band einen Innenverteidiger. Der Verteidiger, der zuvor Luis Suárez verfolgte, ist zwar wieder rechtzeitig hinten, doch er lief kopflos nach hinten und verteidigte im leeren Raum. Luis Suárez war komplett frei und hätte von Arda Turan angespielt werden können, ohne dass er viel Gegenwehr hätte erwarten müssen. Auch Ivan Rakitić stieß mit nach vorne, weil sich keiner für ihn zuständig fühlte. Balenziaga hatte die ganze Zeit ein Auge auf Lionel Messi, doch dieser ging nicht mit in den Strafraum. Rakitić nutzte dies und ging selbst nach vorne, wobei er zu spät von Balenziaga verfolgt wurde und daher mit einem gewissen Vorsprung in den Strafraum kam. Arda Turans perfekte Flanke verwertete der Kroate dann ohne Probleme zum Siegtreffer für die Mannschaft von Luis Enrique.
Bilbao wurde während der Ballstafette der Blaugranas zu ungeduldig und brach somit das Defensiv-Konstrukt auf, was es Barça letztlich leicht machte, das Tor zu erzielen. Ähnliches geschah noch einige Male, allerdings vergaben Arda Turan, Lionel Messi und Luis Suárez alle noch gute Chancen, um das Spiel schneller zu entscheiden. Eventuell hätte es Bilbao auch gutgetan, etwas mannorientierter zu spielen, dann hätte sich vermutlich ein Mittelfeldspieler verantwortlich für Rakitić gefühlt und wäre ihm in den Strafraum gefolgt, wobei nichtsdestotrotz Bilbaos Ungeduld der Hauptfehler bei diesem Tor war.

Fazit

Der FC Barcelona zeigte eine sehr konzentrierte und gute Leistung. Es war zwar keine spielerische Gala, doch man spielte clever und stand defensiv extrem sicher. Man ließ sich von Bilbaos gutem Pressing nicht aus der Ruhe bringen und spielte überlegt, ohne die Geduld zu verlieren. Waren schnelle, direkte Zuspiele in die Spitze möglich, griff man auf diese zurück, war dies nicht der Fall, wartete man auf eine Lücke, um dann zuzuschlagen. Es ist eine starke Leistung, sich auswärts gegen ein solches Pressing nicht auf ein hektisches Spiel einzulassen, sondern die Ruhe zu bewahren und weiter spielerisch von hinten das Spiel aufzuziehen. Zudem war man defensiv sehr geordnet und arbeitete als Einheit in einem kompakten 4-4-2 mit einem etwas zurückgezogenen Arda Turan sehr gut gegen den Ball, sodass Bilbao selbst kaum zu guten Chancen aus dem Spiel heraus kam.

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