Spielanalyse | FC Sevilla – FC Barcelona: Barça dreht das Spiel dank Lionel Messi und Luis Suárez

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Nach dem Sieg von Real Madrid einige Stunden vor dem Anpfiff des Spiels der Katalanen gegen den FC Sevilla stand Barça unter Zugzwang und musste nachziehen, damit kein größerer Rückstand auf die Spitze entsteht. Der FC Sevilla hätte mit einem Sieg am FC Barcelona vorbeiziehen und den zweiten Platz einnehmen können. Sevilla attackierte früh und setzte die Blaugranas von Beginn an unter Druck. Da war es kein Wunder, dass Sevilla schon bald mit 1:0 in Führung ging. Nachdem die Gastgeber weitere hochkarätige Torchancen vergaben, traf Messi kurz vor der Pause zum Ausgleich. Luis Suárez drehte die Partie in der zweiten Halbzeit.

Barça startet mit Denis Suárez im Mittelfeld

Der FC Barcelona startete ohne jegliche überraschenden Personalentscheidungen in die Partie. Das Tor hütete Marc-André ter Stegen. Die Abwehrkette bestand aus Sergi Roberto, Javier Mascherano, Samuel Umtiti und Lucas Digne. Sergio Busquets bekleidete die Sechserposition. Seine Mittelfeldpartner waren Ivan Rakitic und etwas überraschend Denis Suárez. Im Sturm agierten Luis Suárez, Messi und Neymar.

Sampaolis Handschrift klar zu erkennen: Sevilla steht hoch, Barça kann sich nicht befreien

Es war schon vor Beginn der Spielzeit 2016/17 klar: Eine Mannschaft, die von Sampaoli trainiert wird, versteckt sich nicht hinter den Linien und wartet ab. Bereits mit Chile konnte Sampaoli aufgrund seiner offensiveren Spielidee viele Erfolge feiern. Und diese Erfolge scheinen sich in der laufenden Saison nicht ohne Grund fortzusetzen. Aggressiv presste und verschob der FC Sevilla nach vorne – egal ob mit oder ohne Ball. Interessant zu beobachten war, dass man in der Offensivbewegung die gesamte Breite im letzten Spielfelddrittel besetzte. Es war praktisch jedem Defensivakteur des FC Barcelona ein Spieler zugeteilt, der sie jeweils gebunden und beschäftigt hatte. Wegen der häufig nachrückenden Außenverteidiger sahen sich die Außenverteidiger des FC Barcelona daher nicht selten Überzahlsituationen ausgesetzt. Was durchaus interessant zu beobachten war, war das schnelle Umschaltspiel. Insbesondere des FC Sevilla, mit dem sie den FC Barcelona überfallartig attackierten und ins Straucheln brachten. So beispielsweise auch bei der 1:0-Führung. Der FC Barcelona befand sich in der Vorwärtsbewegung, verlor allerdings den Ball im Sechzehner des Gegners. Mit einem langen Ball wurde praktisch das Mittelfeld überbrückt. Zwar standen alle vier Verteidiger des FC Barcelona noch in der Kette, ein Stellungsfehler von Sergi Roberto sorgte dennoch dafür, dass zum einen das Abseits aufgehoben und zum anderen der durchaus abfangbare Ball glücklich die letzte Reihe der Katalanen durchbrach. Vitolo fand sich daraufhin in einer äußerst komfortablen Position, von wo er auch die verdiente Führung erzielte.

In der Folge ließ Sevilla nicht locker. Allerdings war man nun umso mehr darum bemüht, die Defensivarbeit nicht zu vernachlässigen. In der Rückwärtsbewegung, nachdem das Pressing nicht gewirkt hatte, agierten die Andalusier abwartend hinter der Mittelfeldlinie. Dabei rückte oft ein äußerer Mittelfeldspieler in Richtung Außenverteidigerposition. Der etatmäßige Außenverteidiger bewegte sich anschließend in Richtung Zentrum, sodass eine Innenverteidigung aus drei Verteidigern entstand, die es dem FC Barcelona erschwerten, Torchancen zu kreieren und wieder ins Spiel zu finden. Es war somit ein 5-4-1-System erkennbar.

Sevilla presst in der Breite und nimmt dem FC Barcelona die Luft zum Atmen

Das Pressing des FC Sevilla brachte die Katalanen des Öfteren in Bedrängnis. Breit gestaffelt attackierte man sowohl den ballführenden Akteur als auch die Spieler in der Umgebung. Hatte zum Beispiel ein Verteidiger den Ball, griff ein Spieler den Verteidiger an. Die restlichen drei Akteure deckten in der Regel die restlichen Verteidiger. Damit Barça das Pressing besser umspielen konnte, reagierte man damit, dass Sergio Busquets vermehrt in die Abwehrkette rückte. Das hatte die Wirkung, dass mindestens ein Spieler des FC Barcelona in der Defensive weniger Druck ausgesetzt war, da man nun fünf statt vier Spieler in der Abwehrkette hatte.

Sevilla breitesPressing 

Allerdings brachte das Einrücken von Sergio Busquets weitere Probleme mit sich. Im Mittelfeld stand man nun mit einem Mann weniger da, der dabei hilft, dem nachfolgenden Druck zu umspielen. Oft rückten die beiden restlichen Mittelfeldspieler weiter nach vorne, um auch die beiden zentralen Mittelfeldspieler unter Druck zu setzen, wie im nachfolgenden Bild aus derselben Spielszene zu erkennen ist.

SevillaPressingMittelfeld

Um den Wegfall dieses einen Mittelfeldspielers, der bei der Befreiung aus dem Pressing in die Verteidigung eingerückt ist, zu kompensieren, rückte oft Messi ins Mittelfeld. Generell agierte Lionel Messi in dieser Partie vor allem in der ersten Halbzeit sehr tief im Mittelfeld und half dabei das Spiel aufzubauen. War das Pressing der Andalusier erfolglos, zogen sie sich in einem 4-1-4-1-System zurück.

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Man sieht: Messi steht tief und kompensiert den Wegfall von Sergio Busquets, der sich zwischen die Innenverteidigung bewegt hat

Der FC Barcelona zeigt seine Eiseskälte vor des Gegners Tor: Lionel Messi und Luis Suárez drehen die Partie

Es machte wirklich kaum etwas den Anschein, dass der FC Barcelona noch in der ersten Halbzeit zum Torerfolg kommen wird. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall. Der FC Sevilla drückte und war dem 2:0 sehr nah. Und trotzdem hat Barça Lionel Messi. Nach einem Ballverlust und schnellen Umschalten über Lionel Messi und Denis Suárez kommt der Ball zu Neymar, der den heranspurtenden Messi sieht und ablegt. Dieser netzt in der 43. Minute sicher in Messi-Manier ein. Eine Möglichkeit, die der FC Sevilla dem FC Barcelona in der ersten Halbzeit kaum geboten hatte, wird sofort bestraft. Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Halbzeitpause.

Die Katalanen wussten, dass sich schleunigst etwas ändern musste, damit am Ende mehr als ein Punkt herausspringt. Die Mannschaft verschob nun weiter nach vorne und versuchte das Spiel nun vermehrt in der Hälfte des Gegners stattfinden zu lassen, was in der ersten Halbzeit nicht gelang. Wirkten die Blaugranas in der ersten Halbzeit noch so, als ob sie hinten hausen würden, änderte sich dies in der zweiten Halbzeit schlagartig. Dem FC Sevilla, der mittlerweile auf das 1:1 mit einem 4-4-2 reagiert hatte, begegnete man nun vermehrt in einem 3-4-3-System mit Sergi Roberto, Javier Mascherano und Samuel Umtiti in der Verteidigung. Rückte Sergio Busquets in die Dreierkette ein, bewegte sich Sergi Roberto weiter nach vorne in Richtung Mittelfeld. Es gelang dem FC Barcelona auf diese Weise die Spieler des FC Sevilla im Mittelfeld zu binden und die Angriffe auf die Verteidiger zu minimieren, sodass ein kontrollierter Spielaufbau möglich war.

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Der FC Sevilla verlor nun immer weiter den Zugriff auf die Akteure des FC Barcelona, was sich im Spiel bemerkbar machte. Das Mittelfeld konnte nun wesentlich einfacher und schneller überspielt werden als noch im ersten Durchgang. Daher ist es nicht verwunderlich, dass insbesondere Lionel Messi, der oft nah bei Luis Suárez war, zu hochkarätigen Abschlussmöglichkeiten kam. Javier Mascherano, der durchaus präzise lange Bälle spielen kann, konnte nun eben jene Stärke öfter zum Vorschein bringen und die offensiven Akteure einsetzen. Hierbei entlastete das Mittelfeld die Abwehr. Ivan Rakitic ließ sich nun etwas tiefer fallen und war regelmäßig in etwa gleicher Höhe mit Busquets, der in der ersten Halbzeit nicht selten gegen mehrere Sevilla-Spieler antreten musste. Denis Suárez dagegen hatte mehr Freiheiten und setzte öfter zum Dribbling an, sodass er aufgrund seiner vertikalen Spielweise im Mittelfeldverbund Sevillas Lücken aufreißen und bespielen konnte, die zu gefährlichen Aktionen führten. Die Führung konnte er allerdings nicht herbeiführen, was aber nicht an ihm lag.

Dafür waren zwei andere Spieler bestimmt: Sergio Busquets und Luis Suárez. Eigentlich war die Spielsituation nicht allzu gefährlich für Sevilla, wenn der Ball schneller gepasst worden wäre. Sergio Busquets stellte Carriço den Passweg zum Nebenmann zu, Luis Suárez griff von hinten an, sodass ihm nur wenige Anspielstationen boten. Der FC Sevilla hatte nämlich in diesem Moment keinen Spieler im Mittelfeld stehen. Eine denkbar ungünstige Situation für einen Spieler, der gerade nach Anspielstationen sucht und dabei unter Druck gerät.

PressingBusquetsSuarez1

PressingBusquetsSuarez2

In der Folge kam Sergio Busquets an den Ball, der den Ball zu Messi passte. Dieser treibt den Ball nach vorne und passt zu Luis Suárez, der blitzartig nach dem Ballgewinn den Weg Richtung Tor sucht. Sein Schuss landet im Tor, sodass der FC Barcelona das Spiel drehen kann.

Bei diesem Ergebnis blieb es dann auch, wobei man sagen muss, dass der FC Barcelona in Anbetracht der zweiten Halbzeit und der Chancen, die vergeben wurden, höher hätte gewinnen können. Auf der anderen Seite hätte der FC Sevilla in der ersten Halbzeit das Spiel entscheiden können. Aber wie heißt es so schön: Hätte, hätte, Fahrradkette.

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