Titelverteidigung des FC Barcelona: Warum diese Meisterschaft sehr viel wert ist

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Durch den 3:0-Sieg beim FC Granada kürte sich der FC Barcelona zum 24. Mal zum spanischen Meister. Die Blaugranas verteidigten damit ihren Titel aus der Vorsaison und waren national nun in sechs der letzten acht Jahre das Maß der Dinge. Es erklärt sich von selbst, dass solch eine über Jahre andauernde Dominanz nichts Alltägliches ist, doch gerade die aktuelle Meisterschaft ist etwas sehr besonderes und verdient sehr viel Anerkennung.

Für viele Beobachter aus der Ferne mag eine Meisterschaft für ein Top-Team wie den FC Barcelona mehr oder weniger „normal“ erscheinen. Dies mag nicht zuletzt daran liegen, dass die Katalanen diesen Titel in der jüngeren Vergangenheit sehr oft gewinnen konnten. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass man viel leisten muss, um eine Meisterschaft zu gewinnen, gerade in einer solch starken Liga wie der Primera División, die seit Jahren die europäischen Wettbewerbe dominiert. Alleine deshalb sollte schon jede einzelne Meisterschaft gebührend gewürdigt werden, da es der siegreichen Mannschaft jeweils viel abverlangte, diesen Titel einzufahren. Daher ist jede Meisterschaft viel wert und dennoch könnte die Meisterschaft der Saison 2015/2016 ein wenig herausragen.

Barças Ausgangslage für diese Saison

In der Vorsaison gewannen die Blaugranas das Triple, was alleine schon dafür sorgte, dass jeder Gegner mit einer Portion Extra-Motivation gegen den Vorjahres-Champion den Platz betrat. Gleichzeitig ist es im Sport immer so, dass es schwieriger ist, an der Spitze zu bleiben, als sie zu erreichen. Beispiele dafür gibt es genügend, beispielsweise den FC Chelsea in dieser Saison oder auch Real Madrid, die die nationale Spitze lediglich einmal in den letzten acht Jahren erreichen konnten, diese dann aber nicht behaupteten.

Neben diesen ganz normalen Umständen, kam für den FC Barcelona noch erschwerend hinzu, dass man bis zur Winterpause keine neuen Spieler registrieren konnte. Es wurden zwar Arda Turan und Aleix Vidal verpflichtet, doch musste man zunächst einmal eine halbe Saison ohne die beiden auskommen. Das klingt erst einmal nicht allzu schlimm, da man ja eine Mannschaft hatte, die gerade erst das Triple gewann, doch diese Mannschaft verlor im Sommer Substanz. Die Top-Elf von Luis Enrique blieb zwar zusammen, doch die Feldspieler Nummer 12 und 13, namentlich Xavi und Pedro, verließen den Verein und schwächten somit die Bank von Barça und natürlich auch damit einhergehend die Tiefe des Kaders. Rafinha rückte für die beiden in der Team-Hierarchie nach und wurde die neue Nummer 12. Der Brasilianer zeigte sich in hervorragender Form, verletzte sich aber im ersten Champions-League-Spiel der Saison in Rom schwer und verpasste praktisch die gesamte Saison.

Schon vor dieser Verletzung, die die Mannschaft von Luis Enrique schwer traf, da man nun fast nur noch auf elf Spieler bauen konnte, lautete die Devise der Barça-Fans: „Das Ziel muss es sein, im Januar noch in Schlagdistanz zu sein und noch Chancen auf die Meisterschaft zu haben. Dann dürfen endlich Aleix Vidal und Arda Turan spielen und man kann von der Bank nachlegen und rotieren.“ Dass diese zusätzlichen Optionen dringend nötig waren, zeigte sich schon zu Beginn der Saison, als die Katalanen nach dem europäischen Supercup, den man erst nach der Verlängerung gegen den FC Sevilla gewinnen konnte, nur zwei Tage später im spanischen Supercup in Bilbao antreten musste. Luis Enrique war gezwungen zu rotieren, doch es fehlten einfach die qualitativ hochwertigen Alternativen, weshalb man mit 0:4 verlor.

Die Saison bis Januar: Tabellenspitze trotz Widrigkeiten

Bei den ganzen kadertechnischen Problemen tat sich quasi aus dem Nichts Sergi Roberto hervor, der förmlich explodierte, was seine Leistungen angeht. Egal ob als Achter, als Sechser, als Rechts- oder sogar als Linksverteidiger, der junge Spanier zeigte gute Leistungen und ermöglichte es Luis Enrique so, die verschiedensten Spieler immer wieder gezielt schonen zu können. Im Clásico vertrat Sergi Roberto dann sogar den verletzten Lionel Messi und zeigte im Santiago Bernabéu eine hervorragende Leistung. Großflächige Rotationen waren für Luis Enrique zwar weiterhin nicht möglich, doch immerhin konnte er dank Sergi Roberto gezielt einzelnen Spielern eine Pause geben, wenn diese mal nötig war.

Barça spielte eine sehr gute Saison, obwohl der Kader so dünn war. Man verlor zwar in der Liga in Sevilla und bei Celta Vigo, doch insgesamt spielte die Mannschaft einen guten Fußball und gelangte aller Widrigkeiten zum Trotz an die Tabellenspitze. Selbst die Verletzung von Messi konnte man kompensieren, obwohl Sandro und Munir, die ihn bis zum Clásico meistens ersetzten, nicht wirklich gut spielten. Sie wurden aber von einer gut funktionierenden Mannschaft getragen, die nie Zweifel daran aufkommen ließ, dass man diese Meisterschaft unbedingt gewinnen wollte.

Endlich Januar: Doch weiterhin kein Licht am Ende des Tunnels

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Klub-WM war es dann soweit: Aleix Vidal und Arda Turan waren spielberechtigt. Luis Enrique hatte endlich zwei weitere Optionen, die er verwenden konnte, um seine Spieler vermehrt zu schonen. Dies tat er dann auch und dahingehend waren die beiden Neuzugänge durchaus hilfreich. Echte Alternativen, um in wichtigen Spielen qualitativ nachlegen zu können, fehlten aber weiterhin. Beide zeigten einige durchaus ordentliche Auftritte, so richtig angekommen bei Barça sind sie aber noch nicht. Aleix Vidal war zuletzt sogar kurzzeitig komplett außen vor und wurde nicht mal in den Kader berufen, mutmaßlich deshalb, weil seine Einstellung im Training Luis Enrique nicht zufrieden stellte. Arda Turan hat immer noch merklich Probleme zu erkennen, wann er wo stehen muss, um dem Team am besten zu helfen.

In der Liga spielten die Blaugranas weiterhin extrem dominant und war schon gefühlt Meister. Dann kamen drei Niederlagen in Folge und der Titel wirkte schon fast verspielt. Die Mannschaft zeigte aber in dieser unglaublich schweren Situation viel Charakter und gewann die nächsten fünf Spiele insgesamt mit einem Torverhältnis von 24-0. In allen fünf Spielen starteten die zehn Feldspieler, die seit der letzten Saison die klare Top-Elf bilden. Waren die Spiele entschieden, schickte Luis Enrique immer wieder Sergi Roberto und Arda Turan auf den Platz, um anderen Spielern eine Pause zu gönnen.

Die Leistungen der weiteren Alternativen und Fazit

Letztlich waren die beiden Neuzugänge bisher mehr oder weniger nur quantitativ von Nutzen, da sie einige Male dabei halfen, andere Spieler zu schonen. Um den Spielen eine andere Wendung zu geben und um sich gegen Top-Gegner beweisen zu können, dafür reicht es aber noch nicht. Barça musste also praktisch die gesamte Saison mehr oder weniger ohne Bank auskommen und hatte fast nur Sergi Roberto, der beim Rotieren half und auch mal gebracht werden konnte, um frischen Wind ins Spiel zu bringen.

Bartra spielte kaum eine Rolle, machte seine Sache aber oftmals gut, wenn er denn spielen durfte. Vermaelen startete extrem gut in die Saison, war aber nach einer Verletzung auch keine echte Option mehr. Mathieu war erneut die erste Option, um in der Defensive zu rotieren, aber gerade als Linksverteidiger wirkte er mehrmals unsicher. Sandro bekam zunächst einige Chancen, konnte diese aber nicht nutzen und war dann irgendwann außen vor. Munir machte seine Sache in der Rückrunde gut und sprang immer dann ein, wenn Messi, Neymar oder Luis Suárez ausfielen. Er erzielte dabei einige Tore, auch ein paar wichtige und spielte ordentlich. Eine Alternative gegen Top-Mannschaften ist aber auch er bisher noch nicht.

Insgesamt musste der FC Barcelona mehr oder weniger ohne eine echte Bank und ohne Tiefe im Kader durch die Saison kommen. Dass man gegen eine Konkurrenz bestehend aus Atlético Madrid und dem sehr teuren sowie extrem breiten Kader von Real Madrid Meister werden konnte, ist eine wahnsinnige Errungenschaft, die man kaum hoch genug würdigen kann. Allen Widrigkeiten zum Trotz, mit solch einem kleinen Kader gegen solch eine Konkurrenz die beste Liga der Welt zu gewinnen, ist einfach nur eine unfassbar großartige Leistung!

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