Braithwaite über Siegermentalität, Druck und die Geheimhaltung seines Wechsels

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Martin Braithwaite sprach in einem Interview über den Ablauf seines Transfers zum FC Barcelona – und wie er Barças Interesse selbst vor seiner Frau geheim hielt. Zudem sprach der Däne über seine Mentalität, seine Ziele und den Druck bei Barça.

Winter-Neuzugang Martin Braithwaite sprach in einem Interview mit Soccerbible über die Quarantäne während des Coronavirus, seinen Wechsel zum FC Barcelona und seine Ziele mit den Katalanen.

Frage: Sie verbringen so viel Zeit Ihres Lebens mit Fußball, wie sehr sehnen Sie sich danach, wieder auf dem Spielfeld zu stehen? 

Martin Braithwaite: “Ja, es ist wirklich seltsam. Es ist schwierig, wenn man nicht das tun kann, was man gerne tut. Ich liebe es, morgens aufzuwachen, ins Training zu gehen – jetzt ist es schwierig. Aber ich bin ein positiver Mensch und habe immer versucht, einen Weg zu finden, um aus jeder Situation einen Vorteil zu ziehen. Jetzt gebe ich alles um in eine noch bessere Verfassung zu kommen, körperlich und vor allem mental. Ich lese und studiere gerne Fußball. Das sind die Dinge, auf die wir wirklich eingehen können, weil wir jetzt so viel Zeit haben. Es ist einfach ungewöhnlich, so viel Zeit zu haben.”

Wie viele Trainingseinheiten haben Sie schon machen können? Wie finden Sie es, auf relativ engem Raum zu leben?

“Es war sehr beengt, aber ich konnte viel trainieren. Ich musste sogar ein Laufband zu mir nach Hause bestellen. Ich hatte keins zu Hause, also habe ich eines bestellt und musste es dann zusammenbauen. Das war etwas schwieriger, als ich dachte. Ich habe etwa fünf bis sechs Stunden damit verbracht, es aufzubauen! Wenn es eine Sache gibt, die wir jetzt haben, dann ist es Zeit, also ja, es war eine weitere unerwartete Herausforderung, die ich tatsächlich genossen habe. Du baust quasi etwas auf, das sowohl befriedigend als auch eine Herausforderung ist.”

Konnten sie sich jemals vorstellen, im Camp Nou als Neuverpflichtung des FC Barcelona präsentiert zu werden?

“Ich habe nicht wirklich speziell daran gedacht, ein Spieler von Barcelona zu sein. Ich habe mich nur bei einem der größten Klubs der Welt gesehen. Wie jeder andere auch, träumte ich davon, für diese Mannschaften zu spielen, denen ich in meiner Kindheit zuschaute. So wie Barcelona und Real Madrid in La Liga und all die Mannschaften in der Premier League – all diese Mannschaften sind dort, wo man hin möchte. Ich habe immer geglaubt, dass ich es zu einer der Topmannschaften schaffen könnte.”

 

Wann haben Sie zum ersten Mal gehört, dass Barça daran interessiert ist, Sie zu holen? Können Sie sich erinnern, wo Sie waren und was Ihnen durch den Kopf ging? 

“Ich erinnere mich, dass mein Agent mich einige Wochen vor meiner Unterschrift angerufen hat, um mir zu sagen, dass sie [Barcelona] interessiert sind. Ich hatte gerade meinen Sohn vom Training abgeholt. Er spielte Fußball und ich fuhr im Auto und sprach mit meinem Agenten. Es war ein verrücktes und seltsames Gefühl. Ich war selbstverständlich glücklich, als ich hörte, wie er mit mir darüber sprach.”

Sie müssen sich wieder wie ein Kind an Weihnachten gefühlt haben?

“Natürlich, ich erinnere mich, dass ich ziemlich verblüfft war, ich war wirklich glücklich darüber. Damals war es mehr Interesse an einem Deal, so dass es nicht hundertprozentig [fix] war. Allein dieses Interesse hat mich dazu gebracht, über das ganze Szenario nachzudenken.”

Können Sie sich noch erinnern, wem Sie zuerst von dem Interesse erzählt haben?

“Um ehrlich zu sein, habe ich es eigentlich niemandem gesagt. Ich behielt es für mich, bis ich mehr wusste. Meine Frau war schwanger. Ich wollte nicht, dass sie damit anfing, zu viel darüber nachzudenken, denn es war nichts sicher. Deshalb wusste sie erst drei Tage vor meiner Unterschrift davon. Sie war die erste Person, der ich es zum richtigen Zeitpunkt sagte. Es kamen auch Gerüchte auf, und es war schwierig, weil ich beim Training war und sie zu Hause war. Es fühlte sich an, als müsste ich warten, bis die Welt sich bewegt, bevor ich es ihr sagen konnte. Ich weiß, dass ihr Telefon verrückt gespielt haben muss, denn bei mir wars das Gleiche. Nachrichten von überall her, von Freunden und Familie. Sie hat das alles so gut aufgenommen und verstanden. Ich wollte ihr nichts sagen, was vielleicht nicht passieren würde. Sie weiß, welche Opfer ich bringen musste, um meine Ziele zu erreichen, und sie weiß, was ich anstrebe. Sie musste auch so viel opfern, um mir zu helfen, dorthin zu gelangen, wo wir stehen. Für mich ist der Traum nicht mein Traum, sondern der für die ganze Familie. Sie sind alle Teil der ganzen Geschichte.”

Das muss wirklich seltsam gewesen sein. Es vor jemandem geheim halten zu müssen, dem man so nahe steht…

“Ja, genau, und vor allem, weil wir mit meinen Kindern darüber sprechen mussten. Ich musste meine Kinder bitten, in der Schule nichts über den Wechsel nach Barça zu sagen, weil er noch nicht verkündet worden war. Ich erinnere mich, dass ich sagte: “Okay, morgen in der Schule werden dir vielleicht Leute wie deine Klassenkameraden eine Menge Fragen über mich stellen, also möchte ich dir einfach sagen, wie es ist.”

Springen wir nach vorne: Sie trainieren nun mit Lionel Messi, Luis Suárez, Antoine Griezmann und all diesen weltberühmten Namen .. sehen Sie das als Ihre Chance, ins Rampenlicht zu treten?

“Natürlich, aber ich denke nicht wirklich an das Rampenlicht und all diese Dinge. Es ist wichtiger, etwas zu bewirken und dem Team zu helfen. Ich möchte der Mannschaft helfen, Trophäen zu gewinnen, ich fokussiere mich mehr darauf, etwas zu erreichen. Das ist mein einziges Ziel. Ich will einfach nur ein Teil davon sein. Ich denke nicht daran, im Rampenlicht zu stehen, das tue ich wirklich nicht. Ich will nur gewinnen, immer.”

Jetzt sind Sie oben angekommen. Ist das ein neues Gefühl – auf Trophäen zu blicken und zu wissen, dass sie diese gewinnen könnten?

“Ehrlich gesagt, ich hatte schon immer diesen Hunger, ein Gewinner zu sein. Ich habe mich noch nie mit einer Niederlage zufrieden gegeben. Ich habe nie gesagt, dass es sich normal anfühlt, ein Spiel zu verlieren. Selbst wenn man für eine kleinere Mannschaft spielt. Wenn ich ein Spiel verliere, ruiniert das mein Wochenende. Es ruiniert mir den Tag, wenn ich im Training ein Spiel verliere. Ich verliere nicht gerne, und jetzt bin ich plötzlich an einem Ort, an dem jeder diese Art von Siegermentalität hat; und es gibt diesen Druck, den wir brauchen, um zu gewinnen – mir gefällt das. So wache ich jeden Tag auf, und ich liebe es, hinzugehen und mit all diesen Gleichgesinnten zusammen zu sein. Wir spielen jeden einzelnen Moment und jedes einzelne Spiel, um zu gewinnen. Wenn man zu einen Klub wie Barcelona geht, merkt man, dass alle so dermaßen scharf auf den Sieg sind. Das schärft deine Sinne. Das passt perfekt zu meiner Mentalität.”

Haben Ihnen die Spieler an den ersten Tagen dabei geholfen, sich einzugewöhnen, oder hat man Sie irgendwie unter die Fittiche genommen?

“Die Präsentation und alles, was damit zusammenhängt, durchzuführen war es groß, weil es so viel Aufmerksamkeit gibt. Es ist toll, aber es ist nicht wirklich das, was ich bin. Ich will einfach nur Fussball spielen. Es war also ziemlich einfach, zum ersten Training zu kommen, weil alle Spieler wirklich nett waren. Ehrlich, alle haben mich willkommen geheißen und mir von Anfang an ein gutes Gefühl gegeben. Es war alles sehr einfach. Wenn man die Umkleidekabine betritt, ist das ein weiteres tolles Gefühl, das man hat. Andere Spieler mögen mit dieser Situation anders umgehen, aber für mich und meine Denkweise fühlte sich das ganz natürlich an. Es war nicht das erste Mal, dass ich eine neue Umkleidekabine betreten habe.”

 

Muss man sich am ersten Tag irgendwie beweisen? Wie ist diese erste Trainingseinheit? 

“Ja, schon, aber das ist normal. In meiner ganzen Karriere musste ich mich immer beweisen, egal wo ich hingehe. Wenn man also auftaucht, muss man natürlich einfach man selbst sein. Es ist ja nicht so, dass man plötzlich eine neue Spielweise erfinden muss. Man muss ihnen nur zeigen, wer man ist. Wenn es eine Sache gibt, in der ich gut bin, dann ist es, einfach ich selbst zu sein. Ich kenne mich also am besten und muss nur ich selbst sein. Das ist also ganz einfach.” 

Was passiert, wenn Sie das Barcelona-Shirt mit Ihrem Namen darauf sehen? Ist das der Beweis dafür, dass Sie nicht mehr träumen?

“Es ist so natürlich, aber gleichzeitig so verrückt. Solche Dinge sind Dinge, die man sich seit Jahren in seinem Kopf vorstellt. Das Fußballtrikot anzuziehen und dann rausgehen zum Spielen – ich kenne dieses Gefühl gut, aber wenn man das Wappen von Barcelona sieht, dann ist es eine ganz neue, andere Erfahrung.” 

Spüren Sie das Ausmaß des Vereins? Wann realisieren sie, was da gerade passiert?

“Es sind eigentlich hauptsächlich die einfachen Dinge. Ja, die Aufmerksamkeit in den ersten paar Tagen, wenn man zum Training kommt, ist total verrückt, aber es ist mehr, wenn ich mir die Zähne putze und mich im Spiegel betrachte und ich einen Barcelona-Trainingsanzug anhabe. Diese Dinge zeigen in gewisser Weise die Realität der Situation. Es zeigt, dass es keine Illusion ist.”

Zwar ist wegen COVID-19 alles auf Eis gelegt worden, doch der Ehrgeiz Trophäen zu gewinnen und Siege einzufahren ist sicher derselbe… Aber wie möchten Sie am liebsten beim FC Barcelona Ihre Spuren hinterlassen?

“Ich möchte einfach ein Schlüsselspieler sein. Ich möchte der Mannschaft und diesem fantastischen Verein helfen, viele Trophäen zu gewinnen und damit letztlich meine Spuren in der Geschichte hinterlassen. Wissen Sie, wenn ich ins Stadion gehe und all die Medaillen sehe, all die Bilder von unglaublichen Spielern, die vor mir hier waren, dann bekomme ich einen unbändigen Hunger. Was all diese Spieler erreicht haben muss man respektieren, und ich möchte dem noch etwas hinzufügen und den gesetzten Standard aufrechterhalten. Ich möchte dazu beitragen, Geschichte zu schreiben und Teil von all dem zu sein, ich bin sehr hungrig darauf, zu der Geschichte beizutragen. Das ist meine Leidenschaft.”

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