Piqué spricht über Messi, Bartomeu und Barçagate: „Das ist eine Schande“

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Nachdem Gerard Piqué gerade seinen Vertrag beim FC Barcelona verlängert hat, sprach er in einem Interview nun erstaunlich offen über Barças derzeitige Probleme, Präsident Josep Maria Bartomeu, das anstehende Misstrauensvotum und den Beinahe-Abgang von Lionel Messi.

In einem Interview mit der katalanischen Tageszeitung La Vanguardia äußerte sich Gerard Piqué selbstkritisch über Barças aktuelle Sitaution, übte aber auch Kritik am aktuellen Vorstand um Präsident Josep Maria Bartomeu.

Gerard Piqué…

…über seinen aktuellen Gemütszustand:

„Es geht mir sehr gut. Die vergangene Saison endete mit einem Drama und wir brauchen etwas Zeit, um das zu verarbeiten. Im Urlaub habe ich einen Reset durchgeführt, um einen Neuanfang zu starten.“

…über die Arbeit mit Ronald Koeman: „Es ist ein sehr gutes Gefühl. Er arbeitet sehr direkt, was der Mannschaft gefällt, und die Arbeitsrate hat sich erhöht. Wir sind gut in die Saison gestartet, die Niederlage gegen Getafe war ein unerwarteter Rückschlag. Mal sehen was im Clásico passiert.“

 

 

…über die 2:8-Niederlage gegen den FC Bayern: „Wenn so etwas passiert, wird das für immer ein Teil des Klubs bleiben, und die Verantwortlichen müssen Entscheidungen treffen. Man muss auf sich selbst schauen und erkennen, dass etwas geändert werden muss, weil der eingeschlagene Weg nicht der richtige ist. Man kann verlieren, aber niemals auf diese Art und Weise. Ich stehe weiterhin zu dem, was ich damals gesagt habe.“

…darüber, dass er damals gesagt habe, er sei bereit, den FC Barcelona zu verlassen, falls der Klub dies für nötig erachten würde: „Wenn die Verantwortlichen oder der Trainer, der gekommen wäre, nicht auf mich gezählt hätten, hätte ich [mit einem Wechsel] kein Problem gehabt. Barça steht über allem. Das ist es, was ich damals gesagt habe, und ich denke weiterhin darüber nach.“

…über die von ihm geforderten Änderungen im Klub: „Es gab viele angehäufte Mängel, die tiefgreifende Änderungen erfordern. Einige wurden gemacht, aber vielleicht nicht alle auf einmal, aber es muss festgehalten werden, dass die Dinge nun anders gemacht werden.“

…auf die Frage, wann es anfing im Klub schiefzulaufen: „Mit dem Triple 2015 waren wir obenauf, aber seitdem ging es mit dem Klub eher bergab als bergauf, dieser Trend ist unbestreitbar. Mit dem 2:8 haben wir den Tiefpunkt erreicht und mussten alle einen Reset durchführen, um zu sehen, was das Beste für den Klub war und uns klar zu machen, dass niemand unentbehrlich ist.“

…auf die Frage, ob Ernesto Valverdes Entlassung während der Saison die richtige Entscheidung war: „Darüber jetzt in der Retrospektive zu sprechen ist sehr einfach. Wir wissen nicht, was passiert wäre, aber aus meiner Sicht ist es nicht schlüssig, den Trainer nach zwei gewonnenen Meisterschaften und an der Tabellenspitze der Liga stehend während der Saison zu entlassen. Für mich war das nicht logisch.“

…auf die Anmerkung, dass die Klubkapitäne an dieser Entscheidung beteiligt waren: „Das ist der Knackpunkt. Wir werden zu einem Treffen einberufen und uns wir eine Nachricht übermittelt, derer wir zustimmen oder die wir ablehnen sollen. Dabei denken wir uns: ‚Meine Herren, das ist eine Entscheidung, die Ihr treffen solltet.'“

…auf die Frage, ob die Spieler zu viel Macht im Klub haben: „Es wird viel geredet. Aber ein Verein funktioniert besser, wenn die Hierarchien gut ausgeprägt sind. Der Präsident sollte an der Spitze stehen, und dann sollte der Trainer für die Spieler zuständig sein. Sobald diese Hierarchie brüchig wird, funktionieren die Dinge nicht mehr. Wenn die Spieler zu irgendeinem Zeitpunkt Macht hatten, dann nur, weil andere Personen sie nicht ausüben wollten.“

 

 

…über sein Verhältnis zu Präsident Josep Maria Bartomeu: „Ich möchte mit niemandem schlecht auskommen, aber es gab einige Male…“ 

…auf die Frage, ob er dazu Beispiele nennen könne: (langes Schweigen) „Das Thema mit den sozialen Netzwerken. Ich als Spieler Barças muss sehen, wie mein Klub Geld – bei dem sie uns Spieler nun bitten, darauf zu verzichten – dafür ausgibt, um Kritik zu üben, nicht nur an externen Personen, sondern auch an den aktuellen Spielern. Das ist eine Schande. Ich habe ihn [Bartomeu] um eine Erklärung gebeten, und er sagte mir: ‚Gerard, ich wusste davon nichts.‘ Und ich habe es geglaubt. Und nach alldem ist die Person, die dafür zuständig war, immer noch beim Klub angestellt.“

Zum Thema:

…auf die Frage, ob er damit auf Jaume Masferrer anspielt: „Genau. Und das tut mir sehr weh. Ich sage es hier, weil ich es dem Präsidenten schon einmal persönlich gesagt habe. Und was wollen Sie von mir hören? Dass es schmerzhaft ist? Ja. Ob ich noch etwas anderes tun kann? Nein. Mein Verhältnis zum Präsidenten mag herzlich sein, aber es gibt Dinge, die hängen bleiben.“

…auf die Anmerkung, dass er seinen Vertrag dennoch verlängert habe und die Frage, ob das nicht inkonsequent sei: „Nein. Es ist recht einfach. Der Klub hat mir und anderen Spielern mitgeteilt, dass es aufgrund der Pandemie wirtschaftlich nicht gut aussehe und Barça in solch einer Situation über jeder einzelnen Person stehe. Barça hat mir alles gegeben, deshalb stand ich dem Vorschlag offen gegenüber. Sie sagten mir, dass das Geld, auf das jetzt verzichtet wird, in der Zukunft ausgezahlt wird.“

…auf die Frage, ob damit nicht alles auf den nächsten Vorstand abgewälzt werden würde: „Ich glaube, dass wir dem Klub helfen. Es kann sein, dass das zu tragende Päckchen in Zukunft größer sein mag, aber damit es eine Zukunft gibt, müssen wir so handeln.“

…auf die Anmerkung, dass er dennoch das burofax unterschrieben hat, mit dem sich die Spieler gegen eine Gehaltskürzung ausgesprochen haben: „Das sind verschiedene Dinge. Es steht jedem Spieler frei, das Angebot des Klubs zu akzeptieren. Es ist aber etwas anderes, wenn sie einen zwingen, und zwar auf die Art und Weise, wie sie es getan haben. Da bin ich in der Tat völlig anderer Meinung.“

…auf die Nachfrage nach der genauen Art und Weise, von der er sprach: „Sie taten es, als viele Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren und setzten sich mit allen Angestellten in ein Boot.“

…auf die Frage, ob dann das burofax der Mannschaft kam: „Als Kapitän verteidige ich die Interessen der Mannschaft und traf die Entscheidung, es auch zu unterschreiben. Wir sind eine Einheit.“

…auf die Frage, was er vom Misstrauensvotum erwartet: „Ich ziehe daraus, dass der Klub so lebendig ist wie noch nie. 20.000 Unterschriften zum aktuellen Zeitpunkt zu erreichen schien unmöglich. Die Tatsache, dass so viele Menschen ihren Unmut zeigen, verdeutlicht, dass der Klub nicht schläft.“

…auf die Frage, ob er abstimmen wird: „Ich würde mein Stimmrecht als Klubmitglied wahrnehmen.“

…auf die Frage, wir er abstimmen wird: (lacht) „Die Abstimmung ist vertraulich.“

…über die aktuelle fußballerische Situation: „Wir müssen bescheiden sein und anerkennen, dass es in Europa derzeit bessere Teams als uns gibt.“

…auf die Anmerkung von Koeman, dass man so spielt wie man trainiert und die Frage, ob das Team in der Vergangenheit zu wenig trainiert habe: „Wir müssen selbstkritisch sein. Wenn man so gegen Bayern verliert, dann deshalb, weil man die Routine vernachlässigt hat. Das passiert nicht vom einen Tag auf den anderen.“

…über den Beinahe-Wechsel von Lionel Messi: „In diesen Tagen hatte ich nicht viel Kontakt mit ihm, weil es eine sehr persönliche Entscheidung war. Er hat es verdient, eine Entscheidung für sich zu treffen, und wenn er für sich entschieden hat zu gehen… ich als Präsident hätte dann anders gehandelt. Ein Spieler, der 16 Jahre lang alles gegeben hat…  Da muss man mit ihm zu einer Einigung kommen. Ich frage mich: Wie kann es sein, dass der beste Spieler der Geschichte eines Tages aufwacht und entscheidet, dieses burofax zu schicken, weil er das Gefühl hat, dass sie ihm nicht mehr zuhören? Das ist alles so schockierend. Leo verdient alles. Das neue Stadion sollte zuerst nach ihm und erst dann nach dem Sponsor benannt werden. Wir müssen uns solche Personen bewahren und dürfen sie nicht verstoßen. Das geht mir auf die Nerven.“

…auf die Nachfrage, was genau er damit meint: „Es überrascht mich, dass Leute wie Pep Guardiola, Carles Puyol, Xavi oder Víctor Valdés nicht Teil des Klubs sind. Irgendwas läuft da nicht richtig. Solche Leute muss man halten, sie sind Teil der Geschichte des Klubs, sie haben diesen groß gemacht.“

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