Analyse | Barça überzeugt gegen Neapel durch Intensität und Risiko

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Der FC Barcelona verteidigte beim 1:1 gegen den SSC Neapel mutig nach vorne, was neben dem Spiel zwischen den Ketten für eine gewisse Dominanz sorgte. Zudem nahmen mehrere Akteure der Blaugrana in entscheidenden Phasen der Partie das Heft in die Hand. Die Brennpunkte.

FC Barcelona entscheidet sich für das ballorientierte Verteidigen

Der FC Barcelona verlor keine Zeit, um den Culés im Stadion und vor den Fernsehgeräten zu beweisen, dass die seit langer Zeit erste Partie in der Europa League von Xavis Truppe mit höchster Intensität angenommen werden würde. Schon früh jagte das katalanische Kollektiv dem in den Reihen der Neapolitaner zirkulierenden Ball nach.

Pedri lief auf Pierre-Emerick Aubameyangs Höhe an, Nico Gonzalez lauerte zentral versetzt dahinter. In dieser Formation stresste die Offensivabteilung der Blaugrana sogar Alex Meret, der vor allem in der Anfangsphase darauf aus war, viel spielerisch im eigenen Sechszehner zu eröffnen. Spielte er in dieser Zone einen seiner Innenverteidiger an, gerieten diese postwendend durch den Mangel an Anspielmöglichkeiten unter Druck. Schließlich stellten Ferran Torres und Adama Traoré die Passwege zu den Außenverteidigern zu.

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Auch Gerard Pique und Eric Garcia verfolgten diesen Ansatz durch ballorientiertes Vorwärtsverteidigen, störten Neapels Offensivspieler schon direkt bei der Ballannahme und fingen so Zuspiele früh ab.

Dass sich das auf den Ball konzentrierende Vorwärtsverteidigen risikoreich daherkommt, erfuhren Barças Akteure beim 0:1. Es eilten genug Barça-Spieler mit nach hinten, um beim Verteidigen von Napolis Konter auszuhelfen. Doch dadurch, dass der Fokus in erster Linie der Position des Balls galt, geriet in dieser Szene das Verständnis für Raum und Gegenspieler in den Hintergrund. Zielinski kam in dieser Szene ohne Gegenwehr zum Abschluss – und zwar gleich zweimal nacheinander.

Risikobereitschaft zeigten Piqué und Garcia auch im Stellungsspiel. Dank der offensiv ausgerichteten Grundordnung nahm das Innenverteidigerduo Victor Osimhen über weite Strecken aus der Partie. Eine gute Szene hatte Neapels brandgefährliche Sturmspitze in Hälfte eins, das war’s auch schon.

Barça definiert sich über Spiel zwischen den Ketten

Die Positionierung der Akteure der Blaugrana bereitete dem SSC Neapel Schwierigkeiten. Im eigenen Spielaufbau ließen die Katalanen erste Pressingversuche Napolis ins Leere laufen. Frenkie de Jong, der sich entweder nach vorne oder hinten versetzt zwischen den Innenverteidigern gab, sorgte in Abwesenheit von Busquets für Sicherheit. Im Angriffsspiel zeigten sich Xavis Mannen geduldig, ohne dabei die Intensität zu verlieren.

Auffällig in Hälfte eins: Neapels Cheftrainer Luciano Spalletti schickte Juan Jesus statt Stamm-Linksverteidiger Mario Rui als linken Außenverteidiger auf das Feld. Rui hat seine Stärken in der Vorwärtsbewegung, Jesus ist gelernter Innenverteidiger. So stelle Spalletti Adama Traoré einen Wachhund zur Seite. Dadurch, dass Jesus nicht direkt den Zweikampf mit Traoré suchte, sondern mit Abstand zum Gegenspieler den Laufweg in den Sechszehner und zur Grundlinie zustellte und Traoré häufig in diesen Szenen gedoppelt wurde, blieb dem Winterneuzugang Barcelonas oft nur der Pass ins Zentrum. Traoré, zuletzt zweimal mit guten Leistung, war so weitgehend wirkungslos.

Sobald Traoré und Torres auf Außen mit dem Spielgerät am Fuß marschierten, stand entweder Pedri zwischen den Ketten bereit, um eine Anspielstation darzustellen, oder Aubameyang zog in diese verwaisten Räume, um den Ball zu empfangen. Um dabei weiter an Tiefe zu gewinnen, zog bei Offensivvorstößen der am nächsten zu dieser Zone positionierte Akteur der Blaugrana in eine zentrale Position kurz vor dem Strafraum Neapels, um für einen Abschluss bereit zu stehen.

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In Phasen der Partie, in denen das Team vom Vesuv hochstand, hielt sich Aubameyang in der Nähe von Amir Rrahmani auf, um bei Umschaltmomenten die Laufduelle mit dem vermeintlich antrittsschwächeren Innenverteidiger zu suchen. So auch bei der Entstehung der Großchance von Torres in der 28. Minute.

Ergreifung der Initiative durch sämtliche Barça-Akteure

Es sollte nicht die einzige vergebene Möglichkeit am Donnerstagabend für den 21-Jährigen gewesen sein. Kurz nach Schlusspfiff haderte der Ex-Guardiola-Schützling sichtlich mit sich selbst und rang mit den Tränen. Doch bei all der Abschlussschwäche, die sein Spiel kennzeichnete, übernahm er auf dem Feld immer wieder die Verantwortung. Er verwandelte den Elfmeter, der zum 1:1-Endstand führte und nahm sich infolgedessen neben zahlreichen Abschlüssen aus dem Spiel heraus auch Freistößen an. Der Versuch, in der Offensive voranzugehen, lässt sich nicht bestreiten.

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Dass der FC Barcelona in der letzten halben Stunde der Partie die tonangebende Mannschaft war, lag auch an einem anderen Spieler, der Verantwortung übernahm. Sergio Busquets setzte nach seiner Einwechslung sofort Signale an die Mannschaft. Er war nach 65 Minuten in einer Phase aufs Spielfeld gekommen, in der das Spiel nach einem Team suchte, zu dem das Momentum überschwappen sollte.

Gegen anschließend tiefer stehende Neapolitaner stellte er eine stets anspielbare Option bei Barças Spiel, das sich weiterhin nahezu ausschließlich auf die Zonen zwischen den Ketten konzentrierte, dar. Neben Barcelonas Kapitän nahm auch ein weiterer Einwechselspieler der Blaugrana nach dem Betreten des Rasens im Camp Nou das Heft in die Hand: Ousmane Dembélé. Der zunächst noch von Teilen des Publikums lautstark ausgepfiffene Franzose sorgte mit seinen Läufen auf die Verteidigung der Partenopei für neue Tiefe im Offensivspiel Barças. Dembélé spielte mutig und selbstbewusst – und sorgte für merkliche Belebung im Offensivspiel Barças.

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Mit der Entscheidung, das Offensivspiel um ein weiteres Element zu bereichern, ergriff auch Übungsleiter Xavi Hernández die Initiative, was zwar nicht durch weitere Treffer belohnt werden sollte, aber dafür sorgte, dass Spalletti in der Schlussphase dreimal defensiv wechselte. Barça agierte dominant in diesem hochklassigen Europa-League-Duell – nur das Ergebnis passte am Ende nicht. „In Neapel müssen wir so dominieren, wie wir es hier getan haben“, ließ Nico nach dem Spiel wissen. Dann aber hoffentlich mit besserer Chancenverwertung und einem besseren Ergebnis. Da die Auswärtstorregel abgeschafft wurde, muss Barça in Neapel gewinnen. Bei einem Remis gleich welcher Art nach 90 Minuten ginge es in die Verlängerung.

Benjamin König
Fútbol, Calcio, Fotball - in Spanien, Italien, Skandinavien. Redakteur bei Barçawelt, Podcaster bei Polarlichtspiel - dem skandinavischen Fußballpodcast

6 Kommentare

  1. ist zwar off topic aber hat wer city vs spurs geschaut?
    hier wird ja das flanken gespamme von barca so verteufelt… und was ist guardiola strategie mit city?
    nahezu jeder gefährliche spielzug endete mit einem langen ball in den strafraum, da wird aber nicht rumgeheult und statt dessen wird city in den himmel gelobt… versteh ich auch nicht ganz ^^
    spurs machen aus 1,5 chancen 3 tore, ja so einen kaltschnäuzigen knipser ala kane bräuchten wir, dann noch einen stabilen defender, dann wären wir wieder genau da wo sich all die tollen supermannschaften jetzt auch befinden!

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