Brennpunkte | Spielstarkes Barça bestraft Real Sociedads Passivität

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Der FC Barcelona startete erfolgreich in die neue Saison und setzte sich dank Real Sociedads Passivität und einem klugen Positionsspiel gegen das Team aus San Sebastian mit 4:2 durch. Sorgen machen dürfte Ronald Koeman jedoch das Abwehrverhalten vor dem eigenen Strafraum. Die Brennpunkte. 

Barça nutzt La Reals Passivität gnadenlos aus 

Nach bereits wenigen Sekunden sahen die Zuschauer vor den Fernsehgeräten und endlich auch jene im Stadion, dass der FC Barcelona im ersten Pflichtspiel nach dem Abgang Lionel Messis keinerlei Anlaufzeit brauchte, um in der 92. La-Liga-Saison anzukommen. Bereits nach einer halben Minute prüfte Martin Braithwaite La-Real-Schlussmann Alex Remiro, der auch in den folgenden Minuten gut damit beraten war, höchst fokussiert zu sein. 

Schließlich waren seine Vorderleute zwar darum bemüht, ein Mittelfeldpressing aufzuziehen, bei dem möglichst alle Passwege zugestellt werden, doch der Sicherheitsabstand, der zu den Akteuren der Blaugrana eingehalten wurde, war stets viel zu groß, sodass sie, wie das Beispiel der Braithwaite-Chance nach 30 Sekunden zeigt, häufig dem Spielgerät nur hinterherschauten. Das Team aus San Sebastián kam in der ersten Halbzeit kaum in Zweikämpfe, wenn es körperlich wurde, dann in der Regel nur, wenn die Blau-Weißen zu spät kamen und so das Spiel per Foul stoppten.

Es hatte fast den Anschein, als ob die Mannschaft von Imanol Alguacil enorme Probleme hatte, sich selbst zu organisieren, so reihte sich im Spiel gegen den Ball ein Stellungsfehler an den nächsten und Räume wurden auf unverständlicher Weise einladend geöffnet. So auch vor dem 2:0 kurz vor dem Pausenpfiff. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld ließ die Hintermannschaft der Txuri-urdines Frenkie de Jong ohne Gegnerdruck marschieren. Weder Mikel Merino noch Robin Le Normand bekundeten Interesse daran, den ballführenden Niederländer unter Druck zu setzten, sondern entschieden sich dafür, dass Zentrum zuzustellen. Die Idee, sich in das Zentrum zu orientieren, hatte auch Rechtsverteidiger Joseba Zaldúa. Martin Braithwaite vergaß er jedoch am zweiten Pfosten, sodass der Däne unbedrängt den Treffer erzielen konnte. 

Ähnlich passiv verhielten sich die Spieler Real Sociedads bei Standards von Barça. Nach zwölf Minuten ließ Antoine Griezmanns Gegenspieler Adnan Januzaj den Franzosen nach einer Ecke aus spitzestem Winkel frei zum Kopfball kommen; in der 19. Minute sollte sich die Teilnahmslosigkeit der Gäste dann rächen. Gerard Piqué tauchte nach einem Memphis-Freistoß frei vor Alex Remiro auf und beförderte den Ball per Kopf in die Maschen, ohne auch nur zu einem kleinen Zeitpunkt irgendeiner Art von Gegenwehr entgegengesetzt zu sein. Weder Gegenspieler Mikel Oyarzabal noch ein anderer Akteur von La Real folgte Piqués Laufweg. Selbst wenn der Abwehrchef nicht an den Ball gekommen wäre, hätte direkt dahinter der ebenfalls freistehende Braithwaite gelauert und womöglich das Spielgerät über die Linie gedrückt. 

Spielkontrolle dank Positionsspiel 

Dass Real Sociedad zumindest im laufenden Spiel kaum in Zweikämpfe kam, lag auch am fluiden Positionsspiel der Blaugrana auf jeglichen Positionen. Einem Pressing der Gäste wurde durch Sergio Busquets Wind aus den Segeln genommen, indem sich der neue Kapitän bei Ballbesitz der Innenverteidiger oder Neto als tief stehende Anspielstation anbot und so für Überzahlsituationen sorgte. Frenkie de Jong hingegen unterstütze tatkräftig Barças Offensive, so stand er häufig beim Spiel gegen den Ball auf Höhe der Angreifer, um so bei Gegenstößen nach Balleroberungen bei dem hohem und aggressiven Pressing Barças sofort als weitere Offensivwaffe eingesetzt werden zu können.

In der 47. Spielminute ließ der Blondschopf zudem nicht die Möglichkeit aus, diese Freiheiten nach vorne zu nutzen, so erkannte er früh einen Raum im Rücken von Mikel Merino, in den er in gewohnter Manier mit maximaler Geschwindigkeit in die Spitze stoß und anschließend für Griezmann auflegte. Einziger und entscheidender Kritikpunkt bei dieser Aktion: de Jong befand sich im Abseits, sodass der Treffer korrekterweise nicht zählte. 

Dennoch zeigte diese Szene auch, wie überfordert Real Sociedad mit der Raumbesetzung in den Mittelfeldregionen am ersten Spieltag erschien. Um für noch mehr Verwirrung bei den Txuri-Urdines zu sorgen, ließ sich Memphis Depay ein ums andere Mal tief fallen, um sich Bälle abzuholen und weiterzuleiten. Dabei bekam er stets reichlich Platz, um sich zu drehen und sich den Ball zurechtlegen zu können. Auch bei der Entstehung zum 3:0 schickte er Jordi Alba mit seinem Steckpass zur Grundlinie, statt im Strafraum als Abnehmer zu warten.

 

Generell zeigten sich Braithwaite, Memphis sowie Griezmann extrem lauffreudig, wodurch sie ab und an die Positionen wechselten, um eine sowieso schon völlig überforderte Hintermannschaft Real Sociedads vor riesige Probleme zu stellen. Mal klebte Martin Braithwaite an der Seitenlinie, wodurch Jordi Alba als Anspielstation in zentralerer Position erschien, mal zog der Doppeltorschütze blitzartig in die Spitze, wenn Memphis Depay sich zuvor ins Mittelfeld fallen ließ, und mal hatte es den Anschein, als ob alle drei als falsche Neun agierten, ohne sich jedoch dabei gegenseitig auf den Füßen zu stehen. Voraussetzung dafür war, dass der Ball in den Reihen der Katalanen extrem gut lief, ohne ihn unbedingt immer zwingend Richtung gegnerisches Tor zu treiben.

Der Spielfluss betraf dabei nicht nur die Entscheidungsschnelle bei Pässen, sondern auch Dribblings, die in den richtigen Momenten vor allem von Griezmann angezogen wurden, mit denen Situationen gelöst wurden und der Ball in neue Räume befördert werden konnte. Auch hier ging es nicht darum, mit Dribblings so schnell wie möglich vor dem Kasten Remiros aufzutauchen. Auch sonst hatte das Team Ronald Koemans sämtliche Räume unter Kontrolle, de Jong, Pedri und Co. besetzten stets die relevanten Halbräume – ob im Spiel mit oder gegen den Ball. 

Zaghaftes Verteidigen vor dem eigenen Strafraum

Trotz eines vom FC Barcelona vermeintlich kontrollierten Spiels schafften es die Akteure aus dem Baskenland, zwischenzeitlich auf einen Treffer heranzukommen. Zwar fielen beide Tore erst in der Schlussphase, doch die Art der Entstehung der Treffer bahnte sich schon zu Beginn des zweiten Durchganges an, als es zu einer kleinen Druckphase der Gäste kam. Schon da ließ man der Offensivreihe um Oyarzabal extrem viel Zeit, sich den Ball passend hinzulegen, ohne dabei an Tempo zu verlieren. Barças Hintermannschaft verpasste es dabei immer wieder, Druck auf den ballführenden Spieler auszuüben, stattdessen agierte man eher als Begleitschutz, in der Hoffnung, einen Schussversuch rechtzeitig abblocken zu können. In der Regel nahm sich Eric Garcia dieser Aufgabe an. 

In der 80. Minute wurde es dem Team von Alguacil letztendlich zu leicht gemacht: Vier Spieler der Blaugrana kamen am eigenen Strafraum nicht in den Zweikampf, der Anschluss war hergestellt. Fast schon ironisch, dass der zweite Treffer der Txuri-Urdin durch einen Freistoß fiel, dem eine abgepfiffene Grätsche von Nico Gonzalez vorausging. Schließlich brachte er mit dieser Aktion eben jene Aggressivität vor dem eigenen Sechszehner in das Spiel der Katalanen, die zuvor vermisst wurde. Die zwei Gegentore waren ein kleiner Wermutstropfen am ersten Spieltag der Saison 2021/22, an dem Barça eine durchaus erstaunlich starke Teamleistung hinlegte.

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