Busquets als heimlicher Spielmacher und zwei Außenverteidiger aus dem Lehrbuch

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Beim 6:1 bei Real Sociedad konnten auf den Außen vor allem Sergiño Dest und Jordi Alba überzeugen, die vorbildlich spielten. Sergio Busquets nahm das Spiel des FC Barcelona in die Hand und dirigierte sein Team. Antoine Griezmann bewies an alter Wirkungsstätte vor allem seine Stärken im Spiel gegen den Ball. Die Brennpunkte gegen Real Sociedad.

Sergio Busquets: Der heimliche Spielmacher

Über die Qualitäten und Erfahrung des 32-Jährigen muss man eigentlich nicht länger diskutieren. Dass er häufig in der Kritik steht wegen seiner Leistungen, sollte man schon eher zum Thema machen. Denn das wird nicht dem gerecht, was Sergio Busquets für das Spiel des FC Barcelona bedeutet.

Gegen Real Sociedad stellte er wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis, wie er im Hintergrund die Strippen zieht. Es sind vor allem die Dinge, die statistisch nicht aufgelistet oder thematisiert werden, die ihn so unverzichtbar machen. Zum Beispiel die Art und Weise eines Passes oder welche Räume sich durch einen Pass öffnen. Oftmals ist es nur der letzte oder vorletzte Pass vor einem Assist, der am Ende in keiner Statistik auftaucht, aber maßgeblich für einen Treffer war.

So wie beim 1:0, als Busquets mit einem Ball in die Tiefe auf Messi gleich fünf Basken aus dem Spiel nahm. Beim 2:0 sogar fast das Gleiche. Busquets spielte einen Direktpass vertikal auf Messi. Der legte wiederum raus auf Dest und schon fiel das Tor.

Busquets steuerte das Spiel in San Sebastian als heimlicher Spielmacher hinter Messi. Er gab das Tempo vor und machte das Spiel mal etwas langsamer oder, wie im vorherigen Beispiel schon genannt, mit einem Direktpass schneller. All das tat er mit einer Ruhe am Ball, die im europäischen Top-Fußball aktuell sonst wohl keiner hat.

Und als wenn er seinen Kritikern in der ersten Halbzeit nicht schon das Gegenteil bewiesen hätte, legte er in der zweiten Halbzeit noch einen drauf: Mit einem gefühlvollen Heber über das Mittelfeld und die Abwehr der Gastgeber bereitete Busquets sehenswert in der 56. Spielminute das 4:0 durch Messi vor – die Vorlage tauchte dann auch in der Statistik auf.

Zwei Außenverteidiger wie aus dem Lehrbuch

Wenn schon die Rede von Statistiken ist, dann sollten diese bei Sergiño Dest und Jordi Alba definitiv nicht unerwähnt bleiben. Dest schoss zwei Tore, Alba bereitete zweieinhalb Tore vor – die halbe Torvorlage kommt vom 1:0 durch Griezmann, als Dembélé zuvor den Flankenball von Alba nicht verwerten konnte. Dest gestaltete 75 Prozent seiner Dribblings erfolgreich, Jordi Alba gewann über 50 Prozent seiner Zweikämpfe. Man könnte meinen, sie ergänzen sich und gleichen statistisch gesehen ihre „Schwächen“ aus. Über 90 Minuten hinweg beackerten die Beiden ihre Seiten gleichermaßen und sind in dieser Form unverzichtbar.

Durch die Dreierkette schoben die beiden Wing Backs sehr hoch, haben so alle Freiheiten, de facto als Flügelstürmer zu agieren. Sie waren aktiv am Offensivspiel der Katalanen beteiligt – das jedoch auf zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Sergiño Dest lief offensiv viel und war ständig in Bewegung. Er traute sich was und ging häufig ins Dribbling, dadurch verschaffte er sich viele Räume. Ergaben sich Räume für ihn ohne den Ball, dann besetzte er diese genau richtig – so wie bei seinen zwei Treffern.

Auf der anderen Seite spielte Jordi Alba – wie immer eigentlich – routiniert und überlegt. Er machte wenig Fehler im Aufbau, legte ein gutes Zusammenspiel mit Messi an den Tag und hatte für den Mitspieler im richtigen Moment immer den Kopf oben. Bei all dem Offensiv-Spektakel der beiden vernachlässigten sie ihre Defensivaufgaben aber keineswegs und waren stets zur Stelle – wie aus dem Lehrbuch eben.

Griezmann: Wie zu alten Zeiten bei Atlético

Häufig steht der Franzose im Schatten seiner Mitspieler, häufig auch zurecht. Zwar war seine Form zu Beginn des Jahres von guten Leistungen und wichtigen Toren (zum Beispiel im Copa-Viertelfinale in Granada) begleitet, doch in den letzten Wochen flachte das Ganze wieder etwas ab. Es war immer die Rede davon, man würde seine Spielweise aus den Zeiten bei den Rojiblancos vermissen. Am Sonntagabend gegen La Real spielte Griezmann wieder wie in alten Zeiten.

Im Spiel gegen seinen seinen Ausbildungsverein Real Sociedad stellte Antoine Griezmann wieder unter Beweis, wieso man 2019 noch satte 120 Millionen Euro für ihn bezahlte. Er war losgelöst von einer festen Position und auf dem ganzen Platz zu finden. Das dynamische Positionsspiel im Mittelfeld und Angriff kam ihm dabei sehr entgegen, im neuen 3-4-3 (oder 3-4-2-1) kommt der Franzose gut zurecht, weil er als Halbstürmer agieren kann – während links von ihm ein echter Flügelspieler Tempo auf außen machen kann, sodass Griezmann in die Halbräume driften kann. Beim 1:0 in der 37. Minute bewies Griezmann zudem, dass er immer noch einen guten Torriecher hat, in Mittelstürmerposition staubte er ab.

Vor allem im Spiel ohne gelernte Neun im Zentrum sind seine Qualitäten besonders gefragt. Das Spiel findet dann außerhalb des Sechzehners statt und die Spieler müssen sich viel bewegen und anbieten – genau das, was Griezmann so gerne macht und ihn auszeichnet. Er ist ein arbeitender Angreifer, der viel für das Defensivspiel macht, in der Offensive dann aber seine Freiheiten braucht. Das scheint wohl auch Ronald Koeman begriffen zu haben, der ihm diese Freiheiten gewährleistet, und das ist nur zum Vorteil von Barcelona.

 

Luis Manzi
Freier Sportjournalist
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