Brennpunkte | Bayerns Pressingmaschine walzt Barça nieder

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Der FC Barcelona blamierte sich im Kollektiv gegen den FC Bayern München und flog sang- und klanglos aus der Champions League raus. Dabei stachen besonders die Leistung Nelson Semedos, die fehlende Kontrolle im Spiel mit und gegen den Ball sowie das resolute Pressingverhalten des FC Bayern München hervor. Die Brennpunkte.

Überforderter Semedo

Was am Anfang vielversprechend aussah, endete in einem Defensiv-Debakel. Nelson Semedo schaffte es zu Beginn der Partie, durch offensive Läufe auf der rechten Außenbahn Lionel Messi zu unterstützen und Tempo in Barças Spiel zu bringen. Der Plan Setiéns mit tiefen Läufen der Außenverteidiger schien in der Anfangsphase aufzugehen.

So konnte Jordi Alba mit einem schnell ausgeführten Offensivvorstoß für die Hereingabe, welche von David Alaba zum zwischenzeitlichen 1:1 ins eigene Tor befördert wurde, für eine schnelle Antwort auf Bayerns frühe Führung sorgen. Folglich konnte jedoch keiner der beiden mehr Akzente im Angriff setzen (mit Ausnahme von Albas Vorarbeit zum zwischenzeitlichen 2:4), sondern fanden sich in der Defensivarbeit überfordert wieder.

Vor dem 1:2 in der 21. Minute entschied sich Semedo dazu, einen überflüssigen Drei-Meter-Pass auf Sergi Roberto zu spielen, welcher, bevor der Ball überhaupt den Weg zu ihm finden konnte, von vier Bayern-Spielern aggressiv angelaufen wurde. Ballverlust und Gegentor sind die logische Folge. Vor dem 1:4 erlaubte sich der Portugiese einen Ballverlust an der eigenen Grundlinie. Auch hier führte Bayerns Gegenangriff zum direkten Gegentor.

Stellvertretend für das Auftreten des 26-Jährigen an diesem Abend sollte die 63. Spielminute sein. An der Seitenlinie wird er von Bayerns Alphonso Davies nach allen Regeln der Fußballkunst ausgespielt, um auch im anschließenden Laufduell das Nachsehen zu haben. Und auch hier sollte die Folge ein Gegentor – jenes zum 5:2 und damit der endgültigen Vorentscheidung – sein.

Vor dem 2:6 kam der gebürtige Lissabonner im eigenen Strafraum nicht in den Zweikampf mit Coutinho und auch beim Treffer zum 2:8-Endstand irrte er im eigenen Strafraum ohne Zuordnung zu einem Gegenspieler herum. Zwar war der Außenverteidiger nicht der einzige Totalausfall im Team Quique Setiéns, dennoch ist es auffällig, an wie vielen Gegentoren er direkt beteiligt war. 

Fehlender Zugriff im Spiel Barças 

Obwohl Setién auf vier gelernte zentrale Mittelfeldspieler in der Startaufstellung setzte, hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Katalanen auch nur ansatzweise dieses Spiel kontrollieren könnten – so wie es eigentlich der Setiénsche Plan war. Lediglich de Jong brachte ein paar Mal Ruhe ins Spiel (oder versuchte es jedenfalls) oder sorgte mit Steilpässen in die Spitze für offensive Lebenszeichen.

Viel zu oft vertändelten ter Stegen, Busquets, Vidal und Roberto den Ball in gefährlichen Zonen und brachten somit Barças Verteidigungsreihe in Bedrängnis. Auch nach Robertos Auswechslung zur Halbzeit sollte sich daran nicht viel ändern. Doch auch die Innenverteidiger der Blaugrana kamen kaum im Spiel an. Gerard Piqué war zwar durch keinen groben individuellen Fehler an einem Gegentor beteiligt, konnte aber dennoch keine Strafraumpräsenz ausstrahlen – mit Ausnahme vielleicht der Anfangsphase.

Schon früh stimmten Zuordnungen nicht und es schien so, als ob der in Barcelona geborene Innenverteidiger Abstimmungsschwierigkeiten mit der eigentlich eingespielten Viererkette hatte. Außerdem ist festzuhalten, dass kaum ein Spieler Barcelonas mit voller Entschlossenheit in die Zweikämpfe ging, um den deutschen Rekordmeister auch nur annähernd unter Druck zu setzen.

Das beste Beispiel zeigt das 1:3 aus der 27. Spielminute: Ex-Barça-Spieler Thiago Alcantara wird um den Mittelkreis herum nicht angelaufen, Leon Goretzka bekommt den Ball zwischen den Ketten, um ihn von dort aus direkt, aber mit viel Zeit und ohne Bedrängnis über Clément Lenglets Kopf in Serge Gnabrys Lauf zu spielen. Bei den Toren zum 0:1, 1:4, 2:5, 2:6, 2:7 und 2:8 erzeugten die Akteure der Blaugrana zwar zahlenmäßig Überzahl im eigenen Strafraum, Bayerns Spieler wurden aber lediglich teilaktiv bis passiv begleitet und so war es für den deutschen Rekordmeister leichtes Spiel, eingelaufene Spieler vor dem Tor zu bedienen. 

 

Bayerns Pressing als Barças Kryptonit

Einer der Hauptgründe für Bayerns Kantersieg bestand zweifelsohne im aggressiven Anlaufen mit und gegen den Ball. Man suchte bei eigenem Ballbesitz nicht nur den direkten Weg zum Tor und verhinderte damit – unabhängig vom Spielstand – in den Verwaltungsmodus zu fallen, sondern war auch darauf bedacht, in jeder Zone des Spielfeldes das Spielgerät zu erobern.

So liefen die Münchener stets mit drei bis vier Akteuren die desorientierten Spieler Barcelonas an, um sie zu unsicheren kurzen Pässen zu zwingen. Vermehrt liefen vor allem Busquets, Semedo und Roberto in diese Falle, deren Spielaktionen auf engstem Raum zu Ballverlusten und Gegentoren führten. Doch auch der sonst so sichere Marc-André ter Stegen wirkte sichtlich überfordert mit dem hohen Anlaufen von Hansi Flicks Team und leistete sich Fehlpass um Fehlpass im so wichtigen Spielaufbau der Blaugrana.

Wunderlich ist zudem, dass Barça den Anschein machte, von Bayerns hohem Pressing und Gegenpressing überrascht gewesen zu sein; anders sind die vielen Ballverluste und die fehlende Kreativität, um sich aus diesen Situationen zu lösen, kaum zu erklären. Dabei hat der FC Bayern München unter Hansi Flick gerade in Spielen gegen spielerisch bessere Mannschaften wie zuletzt Chelsea im Champions-League-Achtelfinale auf dieses Mittel zurückgegriffen. Dass Trainer Setién (Barçawelt-Punkte: 1 von 10) von seinem deutschen Kollegen Flick ausgecoacht wurde, ist wohl genauso offensichtlich, wie dass die Zeit des 61-Jährigen auf der Bank des FC Barcelona durch die historische Schmach von Lissabon abgelaufen ist. 

 

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