FC Barcelona – BATE Borisov 06.12.2011

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Wer möchte es nicht, einen Blick in die Zukunft werfen. Mit einer Zeitmaschine in die Zukunft reisen und beobachten, wie sich die eigene Person in diesem Paralleluniversum zurecht findet, ob sie ihre Wünsche erfüllt.

Das ist der Wunschtraum vieler Individuen, die Zweifel hegen, ob der von ihnen beschrittene Weg in eine paradiesische Idylle oder in ein unzulängliches, von Verbitterung begleitetes Leben führt. Wenn man nur wüsste, wo die Reise hingeht. Sofern die falsche Abzweigung gewählt wurde, wäre es sodann ein Leichtes, die Fehler der Zukunft zu verhüten und ein standesgemäßes Dasein zu erleben. Es kann aber auch sein, dass sich einem ein Panorama offenbart, das Glückseligkeit vermittelt und radikalen Veränderungen eine Absage erteilt. Der Auftritt der katalanischen Rookies am Vorabend dürfte den Funktionären und allen Fans ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben. Sie konnten das Unmögliche möglich machen, eine Zeitreise des Camp Nou. Die Zukunft des FC Barcelona war im Stadion versammelt und hat eine Kostprobe ihres erstaunlichen Könnens dargeboten.  Es war die Bestätigung der neuerlichen Investition in die Jugendakademie „La Masia“ – das Geld ist sehr gut angelegt. Eine hohe Rendite bei einem zu vernachlässigenden (Verletzungs-)Risiko ist garantiert. Die jungen Spieler der zweiten Mannschaften verfügen bereits über gemessen an ihrem Alter herausragende Fertigkeiten und wären zweifellos in der Lage, in der Primera Division für Furore zu sorgen. Das dem nicht so ist, liegt allein in formellen Zwängen begründet. Eine Jugendmannschaft, die dem FC Barcelona zuzuordnen ist und die gleiche Namensbezeichnung trägt, kann nicht in der Primera Division vertreten sein. Das ist schade, denn der von ihnen zelebrierte Fußball wäre eine Bereicherung und würde mit Gewissheit die Liga aufmischen.

So konnten die Helden von morgen nur BATE Borisov schwindelig spielen und sie von ihrer spielerischen Stärke überzeugen. Während sich die Spieler in der ersten Halbzeit noch etwas zugeknüpft präsentierten, entfachten sie in der zweiten Halbzeit ein fußballerisches Feuer und deklassierten ihre hoffnungslos verlorenen Gegner nach allen Regeln der Kunst. Der Preis ihres unermüdlichen Offensivdrangs waren drei wunderschön herausgespielte Tore, die von viel Fußballsachverstand und Spielwitz zeugten. Besonders das Tor von Pedro ließ die Fußballherzen dahinschmelzen. Nach der Hereingabe von Cuenca ließ Pedro den Ball an der Innenseite seiner Beine vorbeilaufen, um anschließend mit der rechten Hacke doch noch zu vollenden. Ein herrlicher Moment im Spiel. Nicht weniger erfreulich war die Leistung von dem Vorlagegeber, dem Spieler des Abends. Immer wieder sorgte er für gefährliche Situationen und drückte dem Spiel mit zwei blitzsauberen Assists seinen Stempel auf. Auch der Elfmeter war seinem leidenschaftlichen Einsatz geschuldet. Dieser Spieler blüht immer mehr auf und rechtfertigt das Vertrauen seitens Guardiola immer wieder aufs Neue. Es bereitet Freude, ihm bei seinen temporeichen Flügelläufen zuzuschauen und seine steile Entwicklung zu beobachten. Man könnte auf die Idee kommen, dass der FC Barcelona unfair spielt. Wie sonst soll man sich den Umstand erklären, dass sie immer wieder mit Assen aufwarten und die Gegner damit an den Rand der Verzweiflung treiben. Jedenfalls hat sich Cuenca mit seinem Auftritt gestern auch für das kommende Clasico empfohlen. Mit seiner Schnelligkeit könnte er die Flügel beleben, sofern Villa oder Sanchez an diesem Tag die Mittel fehlen, um die gegnerische Defensive unter Druck zu setzen. Auch die anderen Akteure haben ein sehr gutes Spiel abgeliefert. Besonders das Spiel im Kollektiv hat sehr imponiert. Das Einmaleins des Tiki Taka beherrschen die Spieler wie die Großen und zwar in einer Art und Weise, die in ungläubiges Erstaunen versetzt. Noch beeindruckender ist der Umstand, dass sie über diesen kollektiven Aspekt hinaus noch klasse Individualisten sind, Alleskönner am Ball. Wie Thiago und Rafinha mit dem Ball umgehen, das ist ansatzlos. Wenn sie am Ball sind, hat man keine Vorahnung. Ihr Vorhaben realisiert man erst, wenn die Spielsituation vorbei ist. Solch ein ansatzloses Spiel in dieser Ausprägung hat die Welt noch nicht erlebt. Jedenfalls ist diese Art zu spielen sehr erfrischend für die Bewunderer ihrer Kunst. Der Überraschungseffekt ist groß und macht schlichtweg Spaß. Abschließend bleibt festzuhalten, dass der FC Barcelona den kommenden zehn Jahren mit einem ruhigen Gewissen entgegenblicken kann. Der Verein ist gerüstet für alle kommenden Herausforderungen. Erfolg ist anscheinend doch planbar, und das ohne den Verein herunterzuwirtschaften. Visca el Barça!

 

Raphael L.

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