Ein Profil von André Gomes, und: Wie Barças Mittelfeld aus allen Nähten platzt…

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Die Fußballwelt war in großen Teilen etwas verwundert, als Barça am zurückliegenden Donnerstagabend die Überraschungsbombe hochgehen ließ: Wie bereits von offizieller Seite bestätigt, wird André Gomes zum amtierenden spanischen Meister wechseln, um die Mannschaft rund um Messi und Co. qualitativ und quantitativ zu verstärken. Wie diese Unterstützung aber im Detail aussehen soll, angesichts eines Überangebots im Mittefeld, haben wir euch nachfolgend erörtert. Klar ist, dass Gomes eine neue spielerische Note in die Mannschaft von Luis Enrique bringen soll. Die Kombination aus Technik, Physis und Spielintelligenz könnten den Portugiesen zu einer elementaren Waffe des variablen Offensivspiels der Blauroten machen. Überdies schlussfolgern wir, welche Konsequenzen der Wechsel von Gomes für die taktischen und personellen Entscheidungen auf den bisherigen Kader bzw. die etablierte Startelf-Formation haben könnte.

Der FC Barcelona und der FC Valencia haben eine Übereinkunft über den Transfer von André Gomes getroffen. Der Vertrag von Barças Neuverpflichtung läuft bis zum 30.06.2021. Daher wird Gomes in der kommenden Woche offiziell als neuer Barça-Spieler präsentiert werden. 35 Millionen Euro und zuzüglich bis zu 20 Millionen möglicher Bonuszahlungen ist Barça bereit, für Gomes hinzublättern. Der 22-jährige Mittelfeldspieler wird der vierte Einkauf Barças vor Anbeginn der Saison 2016/17 sein. Somit gesellt sich der portugiesische Europameister zu den Neuankömmlingen Samuel Umtiti, Lucas Digne und La-Masia-Eigengewächs Denis Suárez und sorgt ebenso wie seine Kollegen für eine weitere Verjüngung des Durchschnittsalters im Barça-Kader.

Die Fakten zur Personalie Gomes

In Grijo geboren (Portugal), gilt André Gomes seit ein paar Jahren als ein äußerst talentierter Allrounder. Diese Behauptung bestätigte sich vor allem während seiner letzten zwei Saisons beim FC Valencia. Letztere war zwar nicht mit Angst einflößenden Leistungen gespickt, jedoch wurden Tag für Tag mehr Interessenten auf den groß gewachsenen Fußballer aufmerksam. Mittlerweile beträgt sein Marktwert bereits 30 Millionen Euro und wird – vorausgesetzt, er erhält regelmäßige Einsatzzeiten und zeigt überzeugende Auftritte beim FC Barcelona – aller Voraussicht nach weiterhin in neue Höhen emporklettern. 

Nachdem Gomes die Jugendakademien in Porto und Benfica durchlief, absolvierte er am 28. Juli 2012 sein Debüt für das erste Team von Benfica. Dort spielte er 41 Mal unter der Federführung von Trainer Jorge Jesus und erzielte vier Tore. Zur Saison 2014/15 wurde er dann zu den Fledermäusen nach Spanien transferiert. Dort schaffte er es auf eine ordentliche Spielzeit, in welcher er acht Treffer erzielte. Trotz seines jungen Alters hat Gomes also bereits zwei Jahre in der spanischen Liga verbracht. Für Valencia lief der Mittelfeldspieler insgesamt 78 Mal auf. So bestritt er für die ‚Ches‘ 68 Ligaspiele, acht Matches in der Copa del Rey und vier Champions-League- sowie drei Europa-League-Partien.

Sein Trophäenschrank behütet bislang den portugiesischen Meistertitel und Pokal-Triumph. Dazu gesellt sich nun der diesjährige EM-Gewinn, nachdem Gomes gemeinsam mit Cristiano Ronaldo und Co. Gastgeberland Frankreich im Finalspiel die Leviten lesen konnte. 13 Mal stand Gomes bislang für seine Nationalmannschaft auf dem Feld. Sein Debüt für die Seleção gab er 2014 gegen Albanien. Gegen Barça hat Gomes bereits fünf Mal gespielt. Seinen besten Tag gegen die Katalanen erwischte er am 18. April 2015, als er als einer der Hauptfaktoren für Valencias 2:0-Sieg strahlte.

Für seine Spielfeldposition ist der Portugiese mit 1,88m ungewöhnlich groß gewachsen. Somit darf er sich vorerst mit dem Titel des viertgrößten Spielers bei den Katalanen schmücken. Größer als Gomes sind nur Gerard Piqué (1,93m), Jérémy Mathieu (1,89m) und Sergio Busquets (1,89m).

Spielstil eines Barça-Hybriden

Laufstil, Körperlichkeit und Präsenz erinnern rein optisch also ein wenig an Mats Hummels oder den Ex-Barça-Spieler Marc Bartra. Doch der Hüne bewegt sich leichtfüßiger über den Platz, als man es zunächst erahnen mag. Gomes ist mit einer Beidfüßigkeit gesegnet und rund um die Mittellinie vielfältig einsetzbar: Transfermarkt.de deutet es bereits an – zu seiner Hauptposition zählt das zentrale Mittelfeld. Hin und wieder kann er aber auch im angriffsorientierten Bereich oder als Flügelstürmer aufgeboten werden. Denn so plötzlich, wie Gomes vor dem Tor auftaucht, ist er in der Regel auch wieder in der Rückwärtsbewegung aufzufinden.

Hier mal ein kleiner Haken, da mal ein kurzer Übersteiger und dann wieder dem Gegner den Ball klauen, ablaufen, weggrätschen. Auf dem Feld will Gomes jedenfalls immer den Ball haben. Er reguliert die Spielgeschwindigkeit und bietet sich minutiös als Passstation an. In der letzten Spielzeit hat Gomes mit einer Passquote von 81,5 % insgesamt 1293 Pässe an den Mann gebracht. Ein stattlicher Wert, für den es aus der Barça-Perspektive aber sicher noch Luft nach oben gibt. Durch seine körperliche Präsenz dominiert Gomes außerdem Raum und Gegner, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. So gesellen sich zu seiner Physis kluge Pässe, die er in die Schnittstellen und engen Gassen spielen kann. Dadurch schaltet sich Gomes auch immer wieder mit in die Aktionen der Offensivabteilung ein.

Vielleicht verkörpert Gomes eine Mixtur aus Iniesta, Busquets und Rakitić. Oder anders gesagt, vielleicht ist er ja ein Xavi – nur in Hochformat? Wie dem auch sei, der Portugiese überzeugt eindeutig mit einem technisch hohen Niveau, er versteht es, seinen Körper für ein gnadenloses Stellungsspiel einzusetzen und geht läuferisch Wege, für die sich andere zu schade sind. Was ihm eventuell fehlt, ist der Top-Speed. Aber diesen besitzen die eben genannten illustren Protagonisten ebenfalls nur in Maßen. Denn Iniesta und Busquets verstehen es, mit geschickten Körpertäuschungen und Balanceverlagerungen immer wieder sich selbst zwischen Gegner und Spielgerät zu bringen, während Rakitić ähnlich wie Arda Turan sich durch seine physische Wucht in den Zweikämpfen behauptet, ohne den Ball zu verlieren. Für die Geschwindigkeit sind bei Barça eben andere zuständig. Im Mittelfeld allenfalls Rafinha und Denis Suárez und im letzten Drittel Lionel Messi und seine zwei teuflischen Helfer.

Die klugen Eigenschaften des Spielverstehens und die darauf aufbauende Antizipation bringt Gomes also in Ansätzen bereits mit sich. Formal gesehen kann ihm die Zusammenarbeit mit den etablierten Stars also nur helfen und dazu inspirieren, seine bereits fortgeschrittenen Fähigkeiten auf ein Weltklasse-Niveau zu hieven.

Dass Gomes den modernen Barça-Style durchaus beherrscht, zeigt folgendes Video:

 https://www.youtube.com/watch?v=J2hr-q6G1qw

Die taktische und personelle Zukunft des Mittelfelds

So sehr der Transfer von Gomes aus spielerischer Sicht logisch erscheint, so undurchsichtig bleibt es, wo auf dem Feld der junge Akteur eigentlich genau zum Einsatz kommen soll und welche Personalien für ihn aus einer Startformation weichen könnten.

Bislang (der Transfermarkt hat noch ein paar Wochen geöffnet) lautet die potenzielle Konkurrenz auf dem Platz für Gomes wie folgt: Rakitić, Iniesta, Busquets, Turan, Roberto, D.Suárez, Samper und Neymar. Sollte Umtiti auf der Position von Javier Mascherano überzeugend einschlagen, könnte es auch noch den argentinischen Routinier als Wechseloption ins Mittelfeld ziehen. Somit bieten sich rein äußerlich betrachtet, inklusive der Flügelposition von Neymar, neun Mitspieler für den Konkurrenzkampf mit Gomes um vier Feldpositionen an. Darf sich der Neuzugang aber trotz der Ansammlung von sehr guten Mittelfeldmännern Hoffnungen auf einen Startplatz machen?

Ja und Nein. Allen Spekulationen werden wohl erst die Vorbereitungsspiele und ersten Liga-Partien auf die Sprünge helfen, um zu erkennen, wo die Reise für Gomes hingeht. Blickt man aktuell aber der Realität ins Auge, so deutet sich bereits an, welche Akteure – abgesehen von MSN – mit dem Weggang von Dani Alves in der Regel gesetzt sein werden. Luis Enrique wird vermutlich auf Abwehrbollwerk Piqué setzen, aufgrund von dessen Erfahrungen, seinen Leader-Fähigkeiten und Qualitäten. Des Weiteren wird Sergio Busquets natürlich – bis sein eigener Nachwuchs, Sohnemann Enzo Busquets, den Sprung in die erste Mannschaft von Barça geschafft hat – die unangefochtene Nummer Eins sein. Zur Information: Busquets Jr. wurde Anbeginn 2016 geboren und ist noch kein ganzes Jahr alt. Sollte sich Gomes mit einer längerfristigen defensiveren Backup-Rolle für ‚Mr.Cool‘ begnügen, würde das Sergi Samper wohl ins Abseits bzw. auf die Bank setzen.

Nun wurden am Wochenende auch erste Stimmen laut, dass Ivan Rakitić mit der Ankunft von Gomes einen Wechsel vor Augen hätte. Diese Gerüchte wurden im Handumdrehen von Rakitić selbst in Luft aufgelöst, nachdem sich dieser über seine Social-Media-Kanäle zum FC Barcelona und der neuen Saison bekannte. Nach der Pressekonferenz von Luis Enrique ist auch klar, dass der Asturier weiterhin auf die Leistungen von Arda Turan setzt, nachdem dieser keine gute erste Saison und eine noch enttäuschendere Europameisterschaft gespielt hat. Ganz im Gegensatz zu Gomes.

Auch der wiedergenesene Rafinha und Denis Suárez dürfen nicht aus den Augen verloren werden. Beide bringen auf den ersten Blick etwas mehr Spritzigkeit als Gomes mit sich. Andrés Iniesta dürfte im Alter von 32 Jahren hingegen sowieso die eine oder andere Ruhepause gegönnt werden. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass Gomes als ernsthafte Alternative für Ivan Rakitić vorgesehen ist und vor allem dort um einen Stammplatz kämpfen wird. Ungeachtet dessen ist auch nicht gänzlich auszuschließen, dass Enrique das System in der Absicht, mehr körperliche Präsenz im Mittelfeld zu schaffen, umstellt und aus drei Mittelfeldspielern im Einzelfall vier werden. Varianten scheinen in Hülle und Fülle vorhanden.

Gomes und Barça: Segen oder Fluch?

Grundsätzlich kann jeder Trainer in Europa nur davon träumen, einen möglichst breiten Kader aufweisen zu können. Die Saison ist lang, fast jeder Top-Akteur hat auch mal eine Schwächeperiode und Verletzungsausfälle müssen immer einkalkuliert werden. Noch vorteilhafter wird die ganze Geschichte dann, wenn ein Verein über Spielertypen verfügt, die gleichzeitig auch noch mehrere Feldpositionen bekleiden können. Luis Enrique verstand es bereits in den vergangenen beiden Spielzeiten, meisterhaft zu rotieren. Zwar blieben am Ende Spieler wie Sandro oder Douglas auf der Strecke, allerdings gab es aufgrund diverser Fehlzeiten von Vermaelen, Bartra, Rafinha, Turan, Vidal oder Roberto genügend Chancen, sich als ernst zu nehmende Alternativen für die Startformation zu empfehlen.

Auch wenn der geneigte Fan immer eine Topelf im Kopf hatte, beschlich den Zuschauer hin und wieder das Gefühl, dass Luis Enrique zwar einige Alternativen von der Bank bringen könnte, diese jedoch nicht immer so munter mitkickten wie die gesetzten Kandidaten. Dass beispielsweise Turan beim Stande von 5:0 gegen Getafe einen lehrbuchhaften Fallrückzieher aus seinem spielerischen Repertoire zog, glich dann irgendwann einer Seltenheit. Mit Gomes wird jetzt in erster Linie der Leistungsdruck für die restlichen Akteure höher. Abgesehen von Sergio Busquets wird sich wohl niemand mehr darauf verlassen können, in der Startformation zu stehen oder ab der 70. Minute eingewechselt zu werden. Durch die entstehende Kaderbreite können die Verantwortlichen jetzt mehr rotieren und neue Taktik-Formationen austesten. Ein wichtiger Fortschritt, um mit Vereinen wie Bayern, Real, Altético oder Juve mithalten zu können.

Gomes wird uns sehr helfen

Luis Suárez in seiner jüngsten Pressekonferenz

Die feine englische Art sieht vielleicht anders aus, aber Fakt ist auch, dass Barça seinem El-Clásico-Rivalen ein verheißungsvolles Talent vor der Nase weggeschnappt hat. Denn, dass Real kurz vor seiner Verpflichtung stand, ging über mehrere Wochen auf und ab durch die Medien. Schade wäre der Transfer nur dann, wenn den La-Masia-Absolventen wie Samper oder Rafinha künftig der Weg versperrt werden würde, regelmäßige Einsatzzeiten zu erhalten.

Summa summarum ist Gomes eine klare Investition in die Zukunft. Iniesta und Turan sind nicht mehr die Jüngsten und Rakitić und Busquets befinden sich wohl auf ihrem formellen Leistungshöhepunkt. Woher das Geld nun aber für einen Einkauf des von Luis Enrique angekündigten Stürmer-Backups für Luis Suárez kommen soll, steht in den Sternen. Aber bekanntlich hat sich Barça zuletzt die finanziellen Dienste von einem der erfolgreichsten arabischen Großunternehmen gesichert.

Derzeit verlost Barça ein handsigniertes André Gomes Trikot. Die Verlosung läuft noch bis 29. Juli und wird am 2. August in Anwesenheit eines Notars ausgewertet.

Zur Verlosung

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