Barça-Erfolgscode: Das System Luis Enrique einfach erklärt

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Seit ungefähr eineinhalb Jahren ist Luis Enrique nun Trainer des FC Barcelona. In dieser Zeit hat er fünf von möglichen sechs Titeln gewonnen, darunter das Triple. Er blieb dabei der Philosophie des Vereins treu, brachte aber auch eigene Ideen und somit Veränderungen ein. Nicht alles funktionierte auf Anhieb und bedurfte einiger Korrekturen, doch „Lucho“ fand schließlich die jeweils optimale Lösung und schaffte es so eine unfassbar gut funktionierende Mannschaft auf Europa loszulassen. Belohnt wurde dies mit einem unglaublich guten Lauf von Januar bis Mai, was letztlich mit dem Triple endete. Und auch in dieser Saison zeigt sich Barça bisher sehr stark und das trotz vieler personeller Probleme. Was genau Luis Enrique veränderte und wie sein System funktioniert, betrachten wir in folgendem Artikel.

Spielaufbauende Außenverteidiger

Die Gegner der Blaugranas stellen fast immer das Zentrum zu, weil sie wissen, wie gerne die Katalanen durch jenes kombinieren. Mit der Zeit wurde es so für Barça immer schwerer sich Räume und Chancen zu erspielen, weshalb Luis Enrique nach einem Weg suchte, das Mittelfeld beim Spielaufbau zu unterstützen. Dabei half es ihm enorm, dass er mit Dani Alves einen Rechtsverteidiger hat, der im Spielaufbau sehr stark ist und schon vor seiner Amtsübernahme eine Art Hybrid-Spieler war, der gleichzeitig als Außenverteidiger und als Mittelfeldspieler agierte. Unter Tata Martino fiel das spielaufbauende Element mehr und mehr weg, sodass Alves vermehrt die Außenlinie entlangrannte und ziellos in den Strafraum flankte. Luis Enrique lässt ihn zwar auch noch oft nach vorne rennen, um dem Spiel Breite zu geben, aber er lässt Alves auch wieder seine Stärken in einer zentraleren Role zur Geltung kommen. Oft rückt Alves recht zentral ein und agiert wie ein Mittelfeldspieler. So schafft Barça Überzahl im Zentrum, was es dem Gegner schwer macht, alle Mittelfeldspieler zu decken. Dies ist eine sehr gute Möglichkeit, um die vermehrt vorkommende Mannorientierung im Mittelfeld zu kontern, da der Gegner einfach nicht genug Spieler hat, um neben den drei nominellen Mittelfeldspielern auch noch die Außenverteidiger zu decken. Dazu kommen auch noch Neymar und Messi, die sich auch sehr gerne am Spielaufbau tief im Zentrum beteiligen.

Neben Dani Alves hat auch Jordi Alba Stärken im Spielaufbau. Er ist dort zwar nicht so stark wie sein Gegenpart auf der rechten Seite, doch auch er versteht es, das Spiel mit guten Pässen aufzubauen. Ist das Mittelfeld gedeckt, spielen die Innenverteidiger sehr oft den Ball raus zu den Außenverteidigern, die dann mit dem Spielaufbau beginnen. Entweder versucht man über außen durchzukommen und so die gegnerische Defensive aufzureißen, oder man spielt direkt ins Zentrum. Spielen die Außenverteidiger direkt ins Zentrum, rücken sie oft auch selbst dorthin, um wie schon beschrieben, für Überzahl zu sorgen und den Gegner zahlenmäßig zu überfordern.

Zu Beginn seiner Zeit hatte Luis Enrique bei der Ausrichtung seiner Außenverteidiger noch einige Probleme. Er ließ zunächst seine drei Stürmer sehr zentral spielen, um so eine Überzahl im Zentrum zu haben und näher am gegnerischen Tor zu stehen. Dadurch mussten die Außenverteidiger für die nötge Breite im Spiel der Katalanen sorgen. Das führte wiederum dazu, dass die beiden Achter die Außenbahnen absichern mussten, wodurch sie selbst in ihrem Spiel behindert wurden. Sie machten das zwar recht ordentlich, gerade Ivan Rakitić, aber man beraubte sie eben ihren großen Stärken. Gleichzeitig war das Zentrum bei Ballverlusten relativ offen, weil sich die Mittelfeldspieler weit außen befanden und die zentral positionierten Spieler dann meistens vor dem Ball befanden. Sergio Busquets musste somit also praktisch die gesamte Breite des Spielfeldes abdecken, was einfach nicht möglich ist.

Daher änderte Luis Enrique im Laufe der Saison diesen Ansatz und ließ wieder die Stürmer für die Breite sorgen. Natürlich rücken die Außenverteidiger weiterhin oft mit nach vorne um dort zu helfen, aber sie sind nun nicht mehr die einzigen Spieler, die offensiv außen agieren, wodurch man eine bessere Balance gefunden hat, die das ganze Team stabilisiert hat, offensiv und defensiv.

Der Sturm als das neue Herzstück

Lange Zeit galt Barças Mittelfeld als das Herzstück der Mannschaft. Busquets, Xavi und Iniesta bildeten ein fantastisches Dreieck, um das herum die Mannschaft aufgebaut war, wenngleich natürlich trotzdem Lionel Messi der beste Spieler dieser Mannschaft war. Unter Luis Enrique änderte sich das, was an mehreren Gründen lag. Zum Einen war Xavi nicht mehr in der Lage, alle drei Tage zu spielen, weshalb er vermehrt Pausen bekam und auch nicht mehr zur Top-Elf der Blaugranas gehörte. Zum Anderen hatte man nun mit Lionel Messi, Neymar und Luis Suárez drei so unfassbar gute Stürmer, dass es logisch ist, sich an diesen drei Spielern auszurichten. Im Fussball geht es immer darum, seine besten Spieler bestmöglich zur Geltung kommen zu lassen. Ein Trident bestehend aus diesen drei Superstars kommt nunmal am besten zur Geltung, wenn du dein Spiel an ihnen ausrichtest.

Zunächst agierte Suárez meist auf außen und wechselte sich nur gelegentlich mit Messi im Zentrum ab. Nach einiger Zeit wurde dies aber geändert und der Uruguayer rückte auf seine angestammte Position im Sturmzentrum. Genau dieser Spielertyp fehlte Barça lange und er fehlte auch Messi und Neymar. Durch Suárez kann der Gegner sich jetzt nicht nur auf diese beiden konzentrieren, wodurch sie mehr Platz haben. Gleichzeitig schafft Suárez auch selbst sehr viel Platz für seine Mitspieler durch seine Laufwege und seine guten Pässe. Darüber hinaus haben die Katalanen nun endlich wieder einen Spieler vorne drin, den man mal in die Spitze schicken kann und der auch sehr torgefährlich ist.

Aber auch diese Umstellung funktionierte nicht direkt zu 100%. Messi musste sich erst wieder an seine alte Position auf dem Flügel gewöhnen, was zunächst nicht komplett funktionierte, weil er zu wenig Ballaktionen hatte. Zu viele Spielzüge liefen an ihm vorbei. Je öfter Messi den Ball hat, desto gefährlicher ist Barça. Und wenn der kleine Argentinier nur außen steht, ist er leichter aus dem Spiel zu nehmen als in einer zentralen Position. Das sah auch Luis Enrique, weshalb er Messi und auch Neymar mehr Freiheiten gab und beide nun öfter ins Zentrum rücken ließ. So konnten sie dem Spielaufbau helfen und auch kurz vor dem Strafraum dann mit Tempo und schnellen Spielzügen Richtung Tor marschieren.

Mit der Zeit wurde auch das entsprechende Wechselspiel mit den Mittelfeldspielern besser. Ging Messi ins Zentrum und war Alves gleichzeitig zentral positioniert, um dem Spielaufbau zu helfen, rückten Rafinha beziehungsweise Rakitić nach außen, um Messis Platz einzunehmen und dem Spiel Breite zu geben.

Luis Enrique hat es geschafft, da vorne ein Trio hinzustellen, das perfekt funktioniert. Man hat auf den Außen zwei Spieler, die jede Defensive mit ihren Dribblings und ihren Pässen aufbrechen kann und im Zentrum den womöglich besten Mittelstürmer der Welt. Diese drei ergänzen sich herrausragend und verstehen sich mittlerweile fast blind. Das Zusammenspiel funktioniert sehr gut, die Laufwege stimmen, die Abstimmung passt und sie spielen selbstlos zusammen. Jeder von ihnen hat einzeln sehr beachtliche Zahlen vorzuweisen, sowohl was Tore als auch was Vorlagen angeht.

Im Jahr 2015 erzielte Messi 47 Tore und gab 23 Vorlagen. Suárez traf 46 Mal und legte 22 Tore auf. Neymar war 41 Mal selbst erfolgreich und bereitete 14 Tore vor.
Es gibt gute Argumente dafür, dass diese drei 2015 die drei besten Spieler der Welt waren. Unter die Top fünf gehören sie zweifellos.

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