Angeschlagenes Barça empfängt formstarkes Atlético

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Die Stimmung beim FC Barcelona ist wieder einmal gedrückt, die Form auch nicht besonders gut. Barça ist ausgerechnet vor dem möglicherweise Meisterschafts-entscheidenden Topspiel gegen Atletico Madrid angeschlagen – während Atleti in starker Form, aber ohne zwei wichtige Stammspieler ins Camp Nou kommt.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – wohl noch nie hat diese alte Sportweisheit in der Fußballwelt so sehr gegolten wie momentan. Nach zwei Tagen der Regeneration empfängt der FC Barcelona am Dienstagabend (22 Uhr) den aktuell Drittplatzierten Atlético Madrid zum Topspiel in La Liga. Dabei stehen die Hausherren deutlich mehr unter Zugzwang als die Gäste.

Es brodelt innerhalb der Mannschaft

Trotz Barças guter Leistung gegen Abstiegskandidat Celta Vigo überwogen am Ende doch die negativen Aspekte: Die Blaugrana schaffte es nicht, den Sieg über die Zeit zu bringen und findet sich nach Real Madrids Erfolg bei Espanyol Barcelona nun zwei Punkte hinter dem Erzrivalen wieder. Darüber hinaus hob Arthur noch am Abend nach dem Spiel in Richtung Turin ab, um dort seinen Medizincheck zu absolvieren und so den höchst umstrittenen Wechsel zur Alten Dame unter Dach und Fach zu bringen.

Und zu allem Überfluss scheint es nun auch innerhalb der Mannschaft zu Problemen zu kommen. So berichteten unter anderem ESPN und Cadena SER von internen Zerwürfnissen zwischen dem Trainerteam und der Mannschaft. Quique Setién maß dem auf der Pressekonferenz am Montag jedoch wenig Bedeutung bei. Über sein Verhältnis zur Mannschaft sagte er: “Es ist nicht schwieriger geworden. Es gibt immer kleinere Kontroversen. Wenn man nicht gewinnt, sind alle erst einmal sauer. Da sehe ich kein Problem.”

 

Roberto und Busquets wieder einsatzbereit

Immerhin kann Setién personell beinahe wieder aus dem Vollen schöpfen, einzig der an der Wade verletzte Frenkie de Jong fällt nach wie vor aus. Dafür kehrt Sergi Roberto ins Mannschaftsaufgebot zurück. Der 28-Jährige laborierte die vergangenen anderthalb Wochen an einer Rippenverletzung, ist nun aber wieder einsatzbereit.

Ebenso könnte auch Arthur am Dienstag zum Einsatz kommen. Nachdem er am Sonntag seinen Vertrag in Turin unterzeichnet hatte, landete er am darauffolgenden Tag wieder in der katalanischen Hauptstadt. Sorgen, dass der Brasilianer mit dem Kopf nun nicht mehr ganz bei der Sache ist, macht sich Quique Setién nicht. “Ich erwarte bis zum Ende der Saison seinen vollen Einsatz. Er hat gesagt, dass er zur Stelle und in bester Verfassung sein wird. Er wird sich noch einmal voll und ganz für das Erreichen unserer Ziele einsetzen. Er hat es gesagt, und ich habe daran keinen Zweifel.” Zu sehen war, wie Arthur am Montag im Training zur Mannschaft sprach, als diese sich im Kreis um ihn versammelte.

Darüber hinaus kehrt auch Sergio Busquets in den Kader zurück, nachdem er gegen Celta Vigo eine Gelbsperre absitzen musste. Wenngleich er von Ivan Rakitic sehr ordentlich vertreten wurde, wird Busquets wieder auf die Sechs zurückkehren. Vielmehr stellt sich die Frage, wem Setién im zentralen Mittelfeld das Vertrauen schenkt? Riqui Puig zeigte zweimal eine engagierte Leistung, Rakitic eine verbesserte Form – wohingegen Vidal zuletzt eher zahn- und wirkungslos agierte. Und wie sehr ist Arthur derzeit bei der Sache? 

 

 

 

Darf Griezmann gegen Ex-Klub spielen?

Spannend wird auch zu sehen sein, wen Setién dieses Mal auf dem linken Flügel aufstellen wird. Ansu Fati konnte gegen Celta kaum Akzente setzen, doch auch Martin Braithwaite und Antoine Griezmann konnten zuletzt nicht überzeugen. Ein klassischer Flügelspieler wie Fati, der das Spiel breit macht, wäre von Vorteil, denn die Mannen von Diego Simeone verstehen es sehr gut, das Zentrum dicht zu machen. Mit Griezmann oder Braithwaite auf den Außen, die sich regelmäßig in die Mitte orientieren, dürfte Barça geringere Erfolgsaussichten haben.

Angesprochen darauf, wer denn wahrscheinlich spielen wird, reagierte Setién etwas genervt: “Die Realität sieht so aus, dass nur elf Akteure spielen können. Je nachdem, was ich in den Spielen und im Training sehe, spielt der eine oder der andere. Aber dennoch sind alle wichtig.”

Atleti seit zwölf Pflichtspielen unbesiegt

Ob Griezmann also gegen seinen Ex-Verein zum Einsatz kommen wird, bleibt abzuwarten. Wenngleich er bei Barça noch nicht wirklich angekommen ist, so war seine Absenz bei den Colchoneros von Anfang an bemerkbar. Acht Unentschieden nach 16 Spieltagen, der Abrutsch auf Platz 6 und im Januar dann auch noch das Pokal-Aus in der 3. Runde gegen den Drittligisten Cultural Leonesa – ohne Superstar Griezmann hat sich Atlético beim Start in die Saison äußerst schwer.

Das Wort Krise war allgegenwärtig, und auch die Kritik an Simeone wurde lauter. Offensiv ging bei den Colchoneros einfach zu wenig zusammen. Doch dann folgte das Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals beim FC Liverpool, in dem die Rojiblancos zwar nicht überzeugten, welches sie am Ende aber dennoch durch viel Leidenschaft und noch mehr Kampf für sich entscheiden konnten.

Nun könnte man meinen, dass die Corona-Pause, die just nach der Partie an der Anfield Road folgte, den Rojiblancos den Wind aus den Segeln nahm. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall. Von den fünf Partien seit dem Restart konnten vier gewonnen werden, nur das erste endete Unentschieden. Und wenngleich drei der Erfolge lediglich mit einem Tor Unterschied eingefahren wurden – ganz im typischen Atletico-Stil – so konnte Atleti bei den meisten Auftritten doch überzeugen – und sinnbildlich dafür ist vor allem ein Spieler, der von manchen schon als Fehleinkauf abgestempelt wurde.

Atletis neuer Held: Marcos Llorente

Eigentlich war Marcos Llorente vor der Saison als defensiver Mittelfeldspieler vom Stadtrivalen Real Madrid gekommen. Zwar kam er bei Atlético auf dieser Position in der Hinrunde auch als Teil der Rotation zum Einsatz, überzeugen konnte er aber nur selten. Der große Durchbruch erfolgte dann beim Gastspiel in Liverpool, bei dem er als Joker an allen drei Treffern beteiligt war. Und genau so wie bei seinem Verein, ging die Formkurve auch bei Llorente nach der Corona-Unterbrechung weiter nach oben.

Ein nicht unerheblicher Grund dafür ist, dass Simeone ihn nun deutlich offensiver einsetzt, entweder auf dem halbrechten Flügel oder als hängende Spitze. Hier kommt seine hohe Laufbereitschaft besonders gut zum Tragen. “Seine Arbeitsbereitschaft gibt uns mehr Möglichkeiten”, bestätigt Cholo Simeone. “Das Wichtigste ist, dass, wenn er 20 Minuten spielt, er so spielt, als ginge es um sein Leben.”

Und Llorentes Einfluss zeigt sich nicht nur auf dem Feld, sondern auch auf dem Papier: Drei Tore und vier Vorlagen stehen für den 25-Jährigen in den letzten sechs Partien zu Buche. Dazu hat er beim Sieg über Deportivo Alavés am Samstag nach seiner Einwechslung nicht nur den Freistoß zum Führungstreffer herausgeholt, sondern auch den – zugegeben sehr fragwürdigen – Elfmeter, mit dem Diego Costa kurz darauf erhöhte.

Koke und Savic gesperrt

Und ebenso wie Llorente hat auch Diego Costa ein momentanes Formhoch. Zwei Tore und zwei Vorlagen steuerte der Stürmer seit dem Restart bei. Dabei profitiert er von einem ebenfalls gut aufgelegten João Félix. Der Rekordeinkauf brauchte seine Anlaufzeit, doch mittlerweile ist er im Offensivspiel der Colchoneros sehr gut eingebunden und entwickelt sich mehr und mehr zum Fixpunkt. Dabei gelingt ihm zwar bei weitem noch nicht alles, doch seine Fortschritte sind unverkennbar.

So kommt Atletis Offensive immer besser in Fahrt, doch auch die Defensive, das eigentliche Prunkstück, findet so langsam zurück zu alter Stärke, nachdem Simeone hier beinahe die gesamte Abwehrkette vor der Saison austauschen musste. Vor allem wegen des gewohnt sicheren Rückhalts Jan Oblak stellen die Rojiblancos mit 23 Gegentreffern die zweitbeste Abwehr der Liga.

Hier, genauer gesagt in der Innenverteidigung, plagen Cholo jedoch leichte Personalsorgen. Neben dem zuletzt verletzten Mario Hermoso, der am Montag jedoch wieder am Mannschaftstraining teilnehmen konnte, muss er nämlich auf den gelbgesperrten Stefan Savic verzichten. Dadurch dürfte der vor der Corona-Pause glänzend aufgelegte Felipe an die Seite von Abwehrchef José María Giménez zurückkehren.

Weitaus schmerzhafter ist jedoch der Ausfall von Kapitän Koke, der sich gegen Alavés in der Nachspielzeit seine fünfte Gelbe abholte. “Er leistet einen immensen Beitrag bei uns”, äußerte sich Simeone über seinen gesperrten Star. “Aber wir haben Spieler mit unterschiedlichen Profilen, und wir hoffen, dass sie der Mannschaft helfen und seinen Platz einnehmen können.”

Simeones Horrorbilanz gegen Barça

Und auch wenn der Trend momentan für Atlético spricht, sollten die Colchoneros doch gewarnt sein. Denn wenngleich Barcelona das Halbfinale im Supercup im Januar gegen die Rojiblancos verlor, so konnte Simeone den FC Barcelona in der Liga bis dato noch nicht bezwingen. Seine erstaunliche Negativ-Bilanz: 0 Siege, 12 Niederlagen und 5 Unentschieden.

Davon, dass die momentan gegenläufige Dynamik der beiden Klubs – Atlético mit seiner Siegesserie, Barça mit zwei Punktverlusten aus den letzten drei Spielen – die perfekte Gelegenheit für einen Sieg Atletis böte, will Simeone indes nichts wissen: “Ich klammere mich nicht an die Dynamik, sondern an das morgige Spiel gegen die beste Mannschaft der Welt, mit außergewöhnlichen Spielern, die in den vergangenen Jahren regelmäßg die Liga gewonnen haben und die bis zum Schluss nicht aufgeben werden, weil sie gewinnen wollen – weil sie es gewohnt sind, zu gewinnen.”

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