Deportivo La Coruña gegen FC Barcelona: Mannschaftsanalyse

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CescMessiRiazor

Bildquelle: fcbarcelona.com

Der FC Barcelona hat ein verrücktes Auswärtsspiel hinter sich. Neun Tore fielen im Riazor-Stadion zu La Coruña, fünf davon für die Gäste aus Katalonien. Nach 17 Minuten und dem Stand von 3-0 aus Sicht von Barcelona schien es so, als wäre das Spiel gelaufen, doch die Gastgeber gaben sich nicht auf und kämpften vorbildlich bis zur letzten Minute. Zu einem Punkt hat es nicht gereicht, dennoch kann der Traditionsverein sehr stolz auf seine Leistung sein. Ob das auch für den FC Barcelona gilt, wird sich in den nachfolgenden Ausführungen zeigen, in denen die einzelnen Mannschaftsteile analysiert werden.

Eine steigerungsbedürftige Defensivleistung

Richten wir unser Augenmerk zuerst einmal auf die Defensivabteilung von Barcelona. Martin Montoya vertrat erwartungsgemäß den verletzten Dani Alves als Rechtsverteidiger. Sein Pendant auf der linken Seite war Jordi Alba, welcher den Vorzug vor Adriano erhielt. Die Innenverteidigung wurde von Javier Mascherano und Alex Song gebildet. Zudem sicherte wie gewohnt Sergio Busquets das Spiel der Katalanen als Sechser ab. In der Anfangsphase wirkte das gesamte Abwehrverhalten von Barcelona noch sehr sicher und engagiert. Man konnte den Ball nach wenigen Sekunden zurückerobern und so die Konterversuche der Gastgeber schon im Keim ersticken. Etwa ab der 20. Minute verlor das Team aber die Spielkontrolle, was auch zu mehr Beschäftigung der Defensivakteure führte, welche ihren Ansprüchen aber nur teilweise gerecht werden konnten. Nach Ballverlust schaffte man es nicht mehr sich den Ball schnell wieder zu holen und ließ den Gegner relativ schnell das Mittelfeld überbrücken, weshalb sich die Abwehrspieler von Barcelona mehr und mehr direkten Duellen gegenübersahen. Diese nahmen sie jedoch erst in Strafraumnähe wirklich an und wirkten auch dabei nicht immer vollkommen sicher. Oft begleiteten sie den Gegner auch einfach nur, ohne ihn wirklich unter Druck zu setzen, was gerade für die beiden Außenverteidiger Montoya und Alba galt, die ihre Gegenspieler zu oft flanken ließen, weil sie sie nicht genug unter Druck setzten.

Aber auch die Innenverteidiger hatten speziell in der ersten Halbzeit so ihre Probleme, seien es Abspielfehler bei Song oder ein verfehltes Timing bei einer Grätsche von Mascherano. Die Spieler schienen nicht die kompletten 90 Minuten voll auf der Höhe gewesen zu sein, wodurch man einen eigentlich schon geschlagenen Gegner wieder ins Spiel finden brachte. Nach der fragwürdigen Hinausstellung von Mascherano kam Adriano als zweiter Innenverteidiger in die Partie und konnte insgesamt einen guten Job verrichten. Jedoch merkte man der Innenverteidigung immer wieder Abstimmungsprobleme an, beispielsweise dann, wenn einer der beiden herausrückte, den Ball aber nicht gewinnen konnte. So ergab sich ein freier Raum für einen Gegenspieler, welchen die Gastgeber aber nie nutzen konnten. Bei einem offensiv stärkeren Gegner hätte sich dies durchaus rächen können.

Apropos Offensivstärke: Wenn wir einen Blick auf die Gegentore werfen merken wir, dass sie keine Folge von wirklich guten Angriffen seitens Deportivo waren, sondern ausschließlich aus Standards und einem Eigentor herrührten. Natürlich sah man bei dem Konter, welcher zu dem Elfmeter führte, nicht gut aus; gerade die schlecht getimten Grätschen von Busquets (auf ihn wird später noch eingegangen) und Mascherano muss man hier nennen, im Endeffekt fiel das Tor aber nach einem Elfmeter. Auch das zweite Gegentor war eigentlich relativ leicht zu vermeiden, insbesondere weil es eine ähnliche Situation kurz zuvor schon einmal gab, die Defensivakteure von Barça aus jener Szene aber scheinbar nichts gelernt haben. Wie auch beim Treffer zum 2-3 ging eine Szene voraus, in der ein Ball nicht ausreichend geklärt wurde und kein Barcelona-Spieler an der Strafraumgrenze bereitstand um einen möglichen zweiten Ball aufzunehmen. Während dieses Verhalten beim ersten Mal noch gut ging, endete es beim zweiten Mal mit einem Gegentor, bei welchem auch Victor Valdés mitschuldig war. Ansonsten zeigte er jedoch eine gute Leistung.

Sergio Busquets’ schlechtes Timing bei einem Grätschversuch vor dem Elfmeter haben wir schon angesprochen, aber er sah noch ein weiteres Mal schlecht aus. Nämlich in der 45. Minute, als er kurz vor dem eigenen Strafraum ein unnötiges Foul begang, welches zu dem Freistoß führte, das Deportivo zum 4-3 nutzen konnte. Seine sonst sehr gelobte taktische Cleverness ließ er in dieser Szene komplett vermissen und das wurde direkt bestraft. Ansonsten war er der mitunter sicherste Defensivakteur von Barcelona und stabilisierte das gesamte Spiel der Katalanen, nicht nur die Abwehr. Durch kluge Laufwege und seine starke Antizipation gelang es ihm viele Bälle zurückzuerobern und das eigene Team wieder in Ballbesitz zu bringen, was gerade nach der Pause sehr wichtig war, musste man doch versuchen das Ergebnis in Unterzahl zumindest zu halten.

Wir können also festhalten, dass die Defensivarbeit von Barcelona zu Beginn wirklich gut war, mit der Zeit aber an Intensität und Genauigkeit verlor. So entstanden definitiv vermeidbare Gegentore, welche der Mannschaft das Leben sehr schwer machten. Trotz einiger Abstimmungsprobleme und Stellungsfehler, gerade gegen Ende des Spiels, als die Gastgeber alles nach vorne schmissen, muss man aber auch anerkennen, dass die Abwehr von Barcelona aus dem Spiel heraus keine wirklich gefährliche Chance zuließ. Neben den Toren waren die gefährlichsten Aktionen der Gastgeber ungefährliche Distanzschüsse, mit welchen Victor Valdés keinerlei Probleme hatte. Trotzdem muss man natürlich sagen, dass die Leistung der Defensive der Mannschaft von Tito Vilanova bei weitem nicht so war, wie man sich das erhofft hatte. Dies lag natürlich auch an den vielen Verletzungen, aber ebenso an unnötigen Fehlern und Unkonzentriertheiten. In den nächsten Spielen muss die Defensive sich auf jeden Fall stabiler zeigen, denn nicht immer können die Offensivspieler die Probleme im hinteren Bereich kaschieren.

Das Mittelfeld der Schlüssel zum Sieg

Kommen wir nun zum Herzstück im System des FC Barcelona, dem Mittelfeld. Ebenso wie die Defensive glänzte auch das Mittelfeld in den ersten 20 Minuten und ließ Deportivo kaum Luft zum Atmen. Busquets spielte wie schon beschrieben in seiner gewohnten Rolle als Sechser, während vor ihm Fàbregas und Iniesta aufliefen. Dieses Trio wurde durch den sich immer wieder fallen lassenden Lionel Messi verstärkt. Im Spiel sah es dann zunächst so aus, dass sich entweder Fàbregas oder Iniesta fast auf die Höhe von Busquets fallen ließ, während der jeweils andere sich eher in Richtung des gegnerischen Strafraums orientierte. In der Anfangsphase standen bei dem Gastgeber die Abwehr- und die Mittelfeldkette viel zu weit auseinander, wodurch das Mittelfeld von Barcelona sehr viel Platz hatte, welchen man auch sehr gut nutzen konnte. War man in den freien Raum zwischen den Ketten eingedrungen, musste sich meistens einer der Abwehrspieler um den jeweiligen Barça-Spieler kümmern, wodurch sich mehr Platz für die Außenstürmer, aber auch die anderen nachrückenden Spieler der Katalanen auftat, welche dann nicht nur einmal mit einem Lochpass gesucht und auch gefunden wurden. Gerade Cesc Fàbregas konnte hierbei mit drei Assists glänzen, während Iniesta zwar gut, aber auch teils unauffällig und fehlerhaft spielte.

Spätestens nach dem Tor zum 1-3 war diese Dominanz im Mittelfeld aber dahin und es häuften sich die Fehler im Spiel von Barcelona. Selbst so passsichere Spieler wie Messi oder Iniesta schenkten den eigenen Ballbesitz mit unnötigen Fehlpässen wieder her, was zu viel Unordnung im katalanischen Spiel führte. Nach der Pause kam Xavi Hernández für den sehr starken Cesc Fàbregas, um zusammen mit Iniesta und Busquets wieder Ruhe in das Spiel zu bringen. Dass Fàbregas anstelle von Iniesta weichen musste lag vermutlich daran, dass er ein Spieler mit einer direkteren Art ist, welche zu mehr Ballverlusten führt als die ballbesitzorientierte Spielart von Iniesta, welcher sich in dieser Hinsicht besser mit Xavi und Busquets ergänzt. Der Plan von Tito Vilanova sollte auch aufgehen: Xavi unterstützte Busquets bei gegnerischem Ballbesitz als zweiter Sechser und konnte auch einige Ballgewinne verbuchen. Bei eigenem Ballbesitz versuchte er jederzeit anspielbar zu sein und den Ball mit einfachen Pässen in den eigenen Reihen zu halten, was ihm sehr gut gelang, ebenso aber auch Busquets und Iniesta, der sich in der zweiten Halbzeit deutlich steigerte.

Man war nach der Pause, dem Anschlusstreffer und dem Platzverweis von Mascherano nicht mehr unbedingt darauf aus nach vorne zu spielen, sondern versuchte den Ball mit einfachen Pässen in den eigenen Reihen zu halten. Dadurch war der Gegner nicht in der Lage Gefahr auszustrahlen und musste zunächst versuchen überhaupt an den Ball zu kommen, was mit der Zeit enorm viel Kraft kosten kann, gerade bei einer physischen Spielweise wie Deportivo sie pflegt.

Unterstützt wurden die Mittelfeldspieler bei diesem Plan auch von den aufgerückten Außenverteidigern Montoya und Alba, welche sich sehr ball- und passsicher zeigten und somit sicherstellten, dass Barcelona immer wieder über mehrere Minuten in Ballbesitz blieb. Auch Pedro half hierbei mit, indem er sich immer wieder fallen ließ. Erkannten die Gäste eine kleine Lücke, so wurde in den meisten Fällen kein direkter Pass dorthin gespielt, sondern das ganze Spiel wurde immer mehr in Richtung gegnerischer Strafraum verlagert, ohne aber von der soeben beschriebene Marschroute abzurücken. So blieb man also nicht nur lange in Ballbesitz, man schaffte es auch das Spiel vom eigenen Tor fernzuhalten.

Alles in allem kann man festhalten, dass das Mittelfeld unterstützt von einigen anderen Spielern der Schlüssel zum Sieg war, wenn auch auf eine andere Art und Weise als in den meisten anderen Fällen. Es ging diesmal in der zweiten Halbzeit nicht mehr darum, durch viel Ballbesitz zu Torchancen zu kommen, sondern einfach darum den Ball in den eigenen, dezimierten Reihen zu halten, um so dem Gegner die Zähne zu ziehen und sich selbst vor möglicher Gefahr durch Deportivo zu schützen.

Der Angriff: Tello und Villa sorgen für Breite, Messi räumt ab

Blicken wir zum Schluss noch auf die Offensivabteilung Barcelonas. In der Startelf fanden sich neben Lionel Messi, David Villa und Cristian Tello, welche sich fast ausschließlich auf den Außenbahnen aufhielten. Villa orientierte sich auf die linke Seite, während Tello die rechte Seite bearbeitete. Die beiden Außenstürmer gaben dem Spiel permanent Breite und wurden dabei auch von den Außenverteidigern, teilweise auch von Fàbregas und Iniesta unterstützt. Durch das eben beschriebene Problem des zu großen Abstandes zwischen den Ketten bei der Deportivo kamen in den ersten 20 Minuten einige gefährliche Angriffe von Barcelona zustande. Dies lag auch daran, dass Spieler wie Iniesta oder Alba auch den Weg zum Strafraum suchten und die ohnehin schon unsortierte Defensive von Deportivo vor unlösbare Probleme stellte.

Wirklich gefährlich wurden die beiden Außenstürmer Villa und Tello jeweils nur einmal, Tello bei seinem Tor nach einer klasse Vorarbeit von Lionel Messi und Villa nachdem er im Strafraum freigespielt wurde und Iniesta suchte, ihn aber nicht fand. Ansonsten waren sie wie schon erwähnt vor allem darauf bestrebt dem Spiel die nötige Breite zu verleihen. Es war auch gar nicht nötig sich irgendwie zwanghaft noch mehr Richtung Tor zu orientieren, da das schon durch Messi sowie die nachrückenden Spieler gewährleistet war. Dadurch konnte man sich darauf konzentrieren die gegnerische Abwehr auseinanderzuziehen und den Mitspielern somit den nötigen Platz zu verschaffen.

In der zweiten Halbzeit wurden sowohl Villa als auch Tello ausgewechselt, was auch zu einer taktischen Änderung bei Barcelona führte. Während für Villa der Verteidiger Adriano kam, wurde Tello durch Pedro ersetzt. Da man nun vor Messi nur noch einen Offensivspieler mit Pedro hatte, ergab sich eine gewisse Asymmetrie im Spiel der Katalanen. Dies wurde durch den Offensivdrang von Jordi Alba, aber auch das Ausweichen von Iniesta auf den linken Flügel kompensiert. Pedro war zumeist der am höchsten postierte Barcelona-Akteur und diente vorrangig als sichere Anspielstation, da er den Ball gut halten und weiterleiten kann. Er war auch sehr viel unterwegs und versuchte Löcher in die Abwehr der Heimmannschaft zu reißen, was ihm zweimal außerordentlich gut gelang. Einmal kurz nach seiner Einwechslung, als er nach klasse Pass von Fabregas alleine vor Aranzubia am Außennetz scheiterte und das zweite Mal, als er vor Messis Tor zum 5-3 die gegnerische Abwehr vor große Probleme stellte, da die Abwehrspieler zunächst nicht wussten wie sie sich positionieren sollten.

Tello machte zwar auch ein Tor, aber insgesamt war die Offensive in diesem Spiel nicht auf Tore fokussiert, Messi ausgenommen. Die Spieler hatten vorrangig andere Aufgaben, welche sie größtenteils gut erfüllten. So sollten Villa und Tello dem Spiel die nötige Breite geben und die gegnerische Abwehr auseinanderziehen, während Pedro vornehmlich als Ballhalter und -verteiler auftrat.

Fazit

Das Spiel war ein weiterer Beweis dafür, dass Barcelona sehr gut in der Lage ist ein Spiel durch ihr überragendes Mittelfeld zu kontrollieren, was vor allem in den ersten 20 Minuten der Fall war. Danach verlor man den Faden, konnte sich aber durch die Einwechslung von Xavi wieder fangen und das Ergebnis ins Ziel retten. Auch offensiv war es insgesamt eine gute Leistung, auch wenn in der zweiten Halbzeit der Zug zum Tor fehlte, was aber auch an den geänderten Prioritäten lag, gerade nach dem Ausschluss von Javier Mascherano und dem Anschlusstreffer zum 4-3. Defensiv offenbarten die Katalanen wieder einige Schwächen, wenngleich die Defensive aus dem Spiel nicht allzu viel zuließ, dafür aber nach Standards zu unkonzentriert agierte bzw. Standards wegen Unkonzentriertheiten verursachte. Hier gibt es noch am meisten Steigerungspotential.

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