Rayo Vallecano gegen FC Barcelona: Mannschaftsanalyse

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Bildquelle: fcbarcelona.com

5-0 Auswärtssieg – hört sich erst einmal sehr gut an. Es muss jedoch auch gesagt werden, dass das Ergebnis dem Spiel nicht gerecht wird, da die Mannschaft von Rayo Vallecano sich sehr teuer verkauft hat und Barcelona gerade in der ersten Halbzeit vor ein relativ großes Problem stellte. Welches das war und wie Barcelona jenes Problem im Endeffekt für sich nutzen konnte werden wir im Folgenden betrachten.

Defensivleistung

Barcelona blieb gegen Rayo Vallecano zum erst vierten Mal im 14. Pflichtspiel dieser Saison ohne Gegentor (zum Vergleich: letzte Saison blieb man in 32 von 64 Spielen ohne Gegentor), was an einem insgesamt sehr ordentlichen Auftreten der Mannschaft von Tito Vilanova lag. In der Innenverteidigung durften überraschend Sergio Busquets und Adriano von Beginn an spielen, welche von Montoya (rechts) und Alba (links) flankiert wurden. Im Mittelfeld sicherte Alex Song wie schon gegen Celtic Glasgow in der Champions League als Sechser ab, während Xavi und Fàbregas eher offensivdenkend auftraten. Die offensive Dreierreihe wurde von Lionel Messi, Pedro Rodríguez und David Villa gebildet.

Insgesamt stand Barcelona defensiv sehr gut und ließ aus dem Spiel heraus eigentlich keine einzige gefährliche Chance zu. Auf den Außenbahnen wurden Alba und Montoya immer wieder von Pedro und Villa unterstützt, weshalb sich die Spieler von Rayo Vallecano kaum einmal Überzahlsituationen auf den Außen erarbeiten konnten. Auch im Zentrum konnten sie kaum Durchschlagskraft entwickeln, was an der guten Zweikampfführung und Antizipation der beiden Innenverteidiger, aber auch an einem stark spielenden Song lag. Die Flanken, die Vallecano trotz der gut gesicherten Flügel in den Strafraum spielen konnte, waren entweder zu ungenau oder wurden von der gut stehenden Innenverteidigung geklärt.

In der zweiten Halbzeit wurden die Gastgeber gefährlicher, vor allem weil sie nach dem 0-2 mehr riskieren mussten. Aus dem Spiel heraus konnten sie zwar weiterhin keine allzu große Gefahr ausstrahlen, dafür aber nach Standards. Hierbei ist erwähnenswert, dass die besagte Gefahr bis auf eine Ausnahme bei einer Ecke nur nach zweiten Bällen entstand, also nicht aus einer grundlegend falschen Ordnung von Barcelona herrührte. Aber wie schon im Riazor gewann der Gegner zu oft den zweiten Ball, was sich hätte rächen können. Zu einem Tor führten aber auch diese Versuche nicht, was zum einen an einem sehr starken Valdés lag und zum anderen an der mangelnden Präzision der Hauptstädter.

Busquets in der IV – Taktische Meisterleistung?

Für viele sehr überraschend spielte Sergio Busquets neben Adriano in der Innenverteidigung anstelle von Alex Song, welcher seinerseits im Mittelfeld agierte. Warum entschied sich Tito Vilanova für jene Aufstellung und brachte nicht Song neben Adriano, schließlich haben die beiden schon im Riazor fast eine ganze Halbzeit gemeinsam in der Innenverteidigung gespielt.

Es lag wohl an der Ausrichtung von Vallecano, welche Barcelona sehr früh störten und ein sehr intensives Pressing betrieben. Man wollte die in den letzten Wochen unsicher wirkende Defensive der Katalanen früh unter Druck setzen um einen frühen Ballgewinn zu provozieren und Barcelona nicht ins Spiel kommen lassen. Zu Beginn klappte zumindest der letzte Teil ganz gut. Barcelona agierte mit vielen hohen Bällen um kein Risiko einzugehen, weshalb das Mittelfeld größtenteils übergangen wurde und man keine Struktur ins Spiel bekam. Mit der Zeit aber fing Barcelona sich, was auch an der Innenverteidigung und an Busquets lag. Busquets ist der vielleicht antizipationsstärkste Spieler von Barcelona und zudem noch sehr ball- und passsicher, weshalb er geradezu prädestiniert ist dem hohen Stören von Vallecano entgegenzuwirken. So ließ er sich von den anstürmenden Gegenspielern nicht aus der Ruhe bringen und schaffte es im Laufe des Spiels immer besser, das Spiel von hinten heraus aufzubauen und ihm Ruhe und Sicherheit zu verleihen.

Bleibt die Frage ob das mit Song nicht auch gegangen wäre, schließlich ist doch auch er relativ passsicher. Das mag zwar sein, aber er spielte auch schon einige Fehlpässe und gerade wenn er sehr früh unter Druck gesetzt wird, auf einer Position, die eigentlich noch nicht wirklich seine ist, ist es doch sehr gut möglich, dass sich die Fehlpässe bei ihm häufen könnten. Von daher hat Vilanova mit der Aufstellung von Busquets in der Innenverteidigung alles richtig gemacht, da er so dem hohen Pressing der Gastgeber effektiv entgegenwirkte und es im Endeffekt schon fast wirkungslos verpuffen ließ (überspitzt formuliert).

In den ersten 20 Minuten, sprich vor Barcelonas Führungstreffer, gelang es Barça kaum einmal sich dem frühen Pressing von Rayo Vallecano zu entziehen, weshalb die Gastgeber zu Beginn auch mehr Ballbesitz hatten und öfter in Richtung Barcelona-Sechzehner liefen, als man es erwarten konnte. Dass hieraus kaum etwas Gefährliches entstand, lag wie schon gesagt an einer sehr guten Abwehr von Barcelona und einem sehr gut antizipierenden und zweikampfstarkem Song, aber auch an einem hohen defensiven Aufwand von Villa und Pedro. Auch Xavi und Fàbregas konnten den ein oder anderen Ballgewinn für sich verbuchen, Messi hingegen betrieb relativ wenig Pressing, war aber dennoch engagiert, wie man auch in der 89. Minute sehen konnte, als er beim Stande von 5-0 bei einer gegnerischen Ecke mit nach hinten kam, um diese zu verteidigen.

Offensivleistung

Wie schon erwähnt brauchte Barcelona ca. 20 Minuten um wirklich ins Spiel zu finden, gerade was die Offensive angeht. Vorher verstand man es noch nicht das hohe Pressing der Gastgeber zu umgehen, was mit der Zeit aber besser wurde. So gelang es Barcelona im Laufe des Spiels immer besser, dass Mittelfeld zu überbrücken. Gelang dies, wurde die Schwachstelle von Vallecanos hohem Pressing deutlich, nämlich ihre entblößte Abwehr. An Vallecanos frühem Pressing beteiligten sich viele ihrer Spieler, wodurch diese logischerweise hinten fehlten, wenn Barcelona es schaffte das Pressing auszuhebeln. Diesen Umstand nutzte Barcelona dahingehend, dass sie in solchen Situationen überfallartig nach vorne maschierten und so ein ums andere Mal Überzahlsituation am Strafraum des Gegners herbeibeschworen. In diesen Situationen rückte immer mindestens ein Außenverteidiger mit auf, dazu Xavi und Fàbregas sowie natürlich die drei Offensiven Messi, Villa und Pedro. Solche Situationen fanden die Katalanen nach der Führung noch einige Male vor, nutzen konnten sie sie jedoch nicht, da am Ende immer die Präzision fehlte.

Im zweiten Durchgang versuchte sich Vallecano darin etwas konservativer zu spielen und nicht mehr ganz so extrem zu pressen, auch um die Abwehr zu verstärken. Es stand ja auch erst 0-1 und es war noch nicht zwingend nötig sich sich hinten weiter zu entblößen. Dieses Vorhaben wurde aber durch das frühe 2-0 von Barcelona durchkreuzt. Auch bei diesem Tor sah man Schwächen in der gastgebenden Defensive. Pedro rennt mit einem Gegenspieler auf einen weiteren zu, um auch dessen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als dies geschehen ist, spielt er einen Pass auf den aufgerückten Montoya, welcher Außen ganz alleine steht und dank der Aktion von Pedro auch weiterhin ungestört ist. Dieser hat durch den gerade beschriebenen Fall genug Zeit und Raum um zu schauen wo ein Mitspieler in der Mitte steht und dann den Pass genau dorthin zu spielen. Der Abnehmer seines Passes ist Lionel Messi, welcher an der Strafraumgrenze komplett unbewacht den Ball annehmen darf und dann eiskalt vollstreckt. Bei diesem Tor sah man sehr gut, dass die Gastgeber zu ballfixiert spielten und sich zu wenig an ihren Gegenspielern orientierten, weshalb diese immer wieder freie Räume vorfanden und diese dann auch irgendwann zu nutzen wussten.

Breite bekam Barcelonas Spiel in der ersten Halbzeit vor allem durch die Außenverteidger sowie durch Pedro auf der rechten Seite. Villa hingegen wechselte immer wieder zwischen der linken Außenbahn un der Nähe des Zentrums, wo er auf Zuspiele in die Tiefe wartete und dabei oft ins Abseits lief. Das lag im Übrigen an der Abseitsfalle, welche Vallecano verwendete, da sie sich sehr wohl bewusst waren, welche Risiken ihr hohes Pressing birgt. Das hohe Pressing in Kombination mit einer überwiegend sehr gut gespielten Abseitsfalle funktionierte bis zur 20. Minute relativ gut, aber dann tat sich zwischen zwei Innenverteidigern von Vallecano eine zu große Lücke auf, durch welche Villa laufen konnte um einen perfekten Lochpass von Fàbregas zu verwerten. Auch in der Folgezeit kam Barcelona wie bereits beschrieben zu mehreren guten Gelegenheiten, was zu einem Taktikwechsel der Gastgeber während der Pause führte, welcher aber nicht von Erfolg gekrönt war, wie wir anhand der Erläuterungen des Treffers zum 2-0 sehen konnten. Pedro hatte im Vergleich zu Villa eher wenig Zug zum Tor. Dafür hielt er die Bälle sehr gut und initiierte einige gefährliche Angriffe. Er war es dann auch, der das 4-0 durch Fàbregas mit einer sehr genauen Flanke von Außen stark vorbereitete.

Xavi und Fàbregas orientierten sich gegen Vallecano vorwiegend offensiv und marschierten immer wieder mit nach vorne. Dieses Spiel war wie gemacht für Fàbregas, der mit seiner direkten Art perfekt dazu geeignet war, das hohe Pressing der Gegner zu umspielen, wenn seine Pässe genau genug kamen und das taten sie überwiegend. Während er es immer wieder schaffte seine Mitspieler gut in Szene zu setzen oder auch selbst gefährlich zu werden, so sah das bei Xavi, trotz aller Gefahr, die er ebenfalls ausstrahlte, ein wenig anders aus. Wegen dem hohen Pressing von Vallecano hatte er einige Ballverluste im Mittelfeld, welche zu Kontergelegenheiten führten. Nichtsdestotrotz machte auch er ein ordentliches Spiel und schaffte es die vorhandenen Lücken in der Abwehr von Vallecano immer wieder mit guten Pässen effektiv zu nutzen.

Fazit

Barcelona brauchte einige Zeit um mit dem hohen Pressing der Gastgeber klarzukommen, aber angetrieben durch einen sehr sicher agierenden Busquets in der Innenverteidigung fand Barça mit der Zeit immer mehr Sicherheit und kam so zwangsläufig auch zu Torchancen. Dies wurde zudem von Vallecanos entblößter Abwehr gefördert, welche nach dem Umspielen der vorderen Pressingreihen deutlich wurden. Eigentlich schienen weitere Tore für Barcelona nur eine Frage der Zeit zu sein, doch es fehlte die Präzision beim letzten Pass bzw. beim Abschluss in der ersten Halbzeit. 

Im zweiten Durchgang änderten die Gastgeber ihre Spielweise um nicht mehr in so viele gefährliche Angriffe zu laufen. Mit dem frühen 2-0 durch Lionel Messi wurde dieser Plan aber durchkreuzt und Vallecano musste hinten weiter auf machen, da man jetzt etwas riskieren musste. Zu Chancen kamen sie nach einigen Standards, was weniger an der fehlenden Organisation Barcelonas bei den Standards an sich lag, sondern an dem fehlenden Zugriff auf die zweiten Bälle. Während Vallecano es aber nicht schaffte diese Chancen zu nutzen, machte Barcelona mit drei Toren in den letzten elf Minuten den Sack endgültig zu und kommt letztlich zu einem verdienten Sieg, welcher aber zu hoch ausfällt, da Rayo Vallecano sich tapfer geschlagen hat. Am Ende war vielleicht ihr hohes Pressing, welches Barcelona Probleme bereiten sollte ihr größtes Problem, da Barcelona es ab Mitte der ersten Halbzeit gut verstand sich bis in die gegnerische Hälfte durchzuspielen und dort immer wieder eine sehr entblößte Abwehr vorfand.

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