Spielanalyse | Villarreal CF – FC Barcelona: ‘Gelbes U-Boot’ testet Pressing-Varianten und ergattert einen Punkt

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Vor der Länderspielpause hatte der FC Barcelona beim Villarreal CF die Chance, den Vorsprung auf den Verfolger Atlético Madrid auf bis zu elf Punkte auszubauen. Dass ein Sieg beim Tabellenvierten nicht leicht werden würde, war der Blaugrana klar, weshalb man von Beginn an eine sehr konzentrierte Leistung der Gäste sehen konnte. Nachdem es mit einer 2:0-Führung für Barça in die Kabine ging, gelang es den Gastgebern nach der Pause, das Spiel auszugleichen und noch einen Punkt zu gewinnen. Es folgt die Analyse zum Spiel.

{spielstand h:FC Villarreal a:FC Barcelona e:2:2}

Villarreals wandelndes Pressing

Die Gastgeber agierten defensiv in einem 4-4-2 und fühlten sich in einer tiefen Stellung durchaus wohl. Man machte die Räume gut eng und hatte die meiste Zeit eigene Spieler nahe am Gegenspieler stehen. Obwohl man gut geordnet stand, war immer wieder erkennbar, dass der Plan darin bestand, weiter nach vorne zu schieben und Barça schon in der eigenen Hälfte zu pressen. Dabei verfiel man aber nicht in eine hektische Balljagd, sondern ging sehr diszipliniert und geschickt auf die ballnahen Gegenspieler, um die Blaugrana zu Fehlern oder zu langen Bällen zu zwingen. Dadurch verlangsamte man zwar oft den Spielaufbau der Gäste, doch Balleroberungen in Strafraumnähe kamen dadurch nur selten zustande.
Viel effizienter war das Pressing nach der Pause. Die Gastgeber mussten nach dem 0:2-Rückstand mehr tun und taten dies auch. Statt auf Ballverluste des Gegners zu warten, griff man nun deutlich höher und aggressiver an. Nun fiel es der Blaugrana immer schwerer, sich spielerisch zu befreien, wodurch Villarreal zu einigen guten Ballgewinnen kam und auch zu zwei Toren. Mitentscheidend dabei war sicherlich auch die Auswechslung von Gerard Piqué bei den Katalanen, da sich die Hintermannschaft nun neu sortieren musste und der Abwehrchef fehlte. Jéremy Mathieu, der für Piqué kam, brauchte zudem seine Zeit, um in die Partie zu finden und war zunächst ziemlich fehleranfällig.

Villarreal presst mit sechs Spielern in der gegnerischen Hälfte und ist vor allem darauf bedacht, Barças Mittelfeldspieler abzuschirmen. Die beiden Stürmer bearbeiten die gegnerischen Innenverteidiger sowie Claudio Bravo, sodass praktisch nur die Außenverteidiger anspielbar sind und ganz vorne die Stürmer (wobei hohe Bälle vergleichsweise gut zu verteidigen sind).
Der Nachteil dieses Pressings ist, dass Barça vorne sehr viel Platz hat, wenn es ihnen denn mal gelingt, das Pressing zu umspielen. Kurz vor dem 2:2 zeigten sich auch die Nachteile, als die Gäste zwei sehr gute Möglichkeiten hatten. Dass Villarreal dieses Wagnis einging, war aber dennoch verständlich, da man bei einem 0:2-Rückstand einfach mehr Risiko gehen musste.

In der ersten Halbzeit, als die Gastgeber noch deutlich verhaltener pressten, war sehr interessant, mit wie vielen Spielern sie nach Ballgewinnen angriffen. In der Regel waren vier oder fünf Spieler vorne an Barças Verteidigern dran, während dahinter weitere Spieler als Antreiber agierten. Dies war recht mutig und erklärt vielleicht auch, warum man zunächst nicht allzu aggressiv presste. Presst man zu energisch bei so vielen Spielern in der Offensive, fehlen zu viele Spieler hinten. Wenn allerdings eine Mannschaft wie Villarreal nur mit ein paar Spielern “sanft” presst, verlangsamt man den Spielaufbau des Gegners, und in dieser Zeit können sich die übrigen Spieler wieder zurückziehen und hinten ordnen.

Villarreal in der Offensive mit sehr vielen Spielern. Dieses Bild verdeutlicht, dass man nicht darauf aus war, den Ball hektisch zu jagen, sondern lediglich Barças Spielaufbau auszubremsen und auf Fehler zu spekulieren, um sich dann gegebenenfalls hinten wieder schnell ordnen zu können.

Barça mit sehr zentralen Außenstürmern

Gegen das gut geordnete Villarreal agierte Barça speziell in der ersten Halbzeit mit sehr zentralen Außenstürmern. Messi und Neymar zogen immer wieder, vor allem ohne Ball, ins Zentrum, um von dort aus Gefahr zu erzeugen. Aus dem Zentrum heraus hat man mehr Anspieloptionen im Vergleich zum Flügel und zudem waren die beiden Edeltechniker so näher beieinander. Dies ist wegen ihrer Fähigkeit, das Spiel mit kurzen Direktabspielen schnell zu machen, gegen solch einen gut stehenden Gegner natürlich sehr hilfreich.

Messi und Neymar in ihrer sehr zentralen Stellung, wo sie alleine gegen drei Mittelfeldspieler stehen. So konnte die Blaugrana einige Gegner im Zentrum binden, was wiederum mehr Platz für die restlichen Spieler, vor allem für die Mittelfeldspieler und für die Außenverteidiger, bedeutete. So gelang es den Katalanen sehr gut, das Spiel zu kontrollieren und den Ball gut laufen zu lassen. Man hatte insgesamt eine gute Balance im Spiel zwischen Phasen des Angriffs und Phasen der reinen Kontrolle.

Im zweiten Durchgang agierten Messi und Neymar wieder vermehrt auf ihren Außenpositionen, was selbstredend auch an Villarreals zentrum-orientiertem Pressing lag. Messi war derjenige, der die beiden guten Chancen vor dem 2:2 einleitete, da er von außen in den freien hinteren Mittelfeldbereich eindringen konnte, nachdem er den Ball relativ frei auf der Außenbahn erhalten hatte.
Nach dem 2:2 presste Villarreal zwar wieder etwas tiefer, doch dennoch blieben Messi und Neymar überwiegend auf den Außen, zogen aber, wie sonst auch, situativ ins Zentrum, um näher am Tor zu sein. Barça kam noch zu einigen guten Möglichkeiten, war aber nicht zwingend darauf aus, das Spiel zu gewinnen; weil die Spieler natürlich wussten, dass man auch mit einem Remis den Vorsprung auf Atlético ausbauen würde. Es war nicht nötig, einen zu hohen Aufwand zu betreiben und zu viel Risiko zu gehen, da Atlético zuvor bei Sporting Gijon verloren hatte. Diese Marschroute gab praktisch auch Luis Enrique vor, als er den gelb vorbelasteten Gerard Piqué schon früh in der zweiten Halbzeit auswechselte.

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