Türchen Nr. 19 – Die Wiederauferstehung und das Barça der fünf Pokale

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Viele Türchen sind nicht mehr übrig, die ihr öffnen könnt. Heute wollen wir den letzten Teil unseres kleinen geschichtlichen Exkurses mit euch teilen. Es ist gleichzeitig der schönste Teil, weil er von dem „Barça der fünf Pokale“ handelt. Diese Bezeichnung kommt nicht von ungefähr, angeführt von dem herausragenden László Kubala räumten die Katalanen früher alles ab, was es zu gewinnen gab. Es gab also auch schon vor Pep Guardiola große Erfolge, aber seht selbst …

Die Wiederauferstehung und das Barça der fünf Pokale

Nach den unglücklichen Ereignissen in der Zeit des Bürgerkriegs von 1936-1939 und den Jahren danach konnte sich der FC Barcelona relativ schnell wieder zurück an die Spitze des spanischen Fußballs kämpfen. Durch die Hilfe der neu entstandenen Fanklubs gelang es Barça, sich auch finanziell wieder zu stabilisieren. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg traten einige Fans des FC Barcelona zusammen und gründeten den ersten Fanklub namens „Penya Solera“. Sie beteiligten sich auch finanziell am späteren Bau des neuen Vereinsstadions Camp Nou. Dieses Vorhaben war unter anderem dank der wieder dazugekommenen Mitglieder realisierbar, deren Zahl sich wieder auf über 20.000 steigerte. Unter dem Trainer Josep Samitier, der von 1919 bis 1932 selbst für den FC Barcelona spielte und beim Gewinn der zum ersten Mal ausgetragenen spanischen Meisterschaft im Jahr 1929 als Spieler dabei war, konnte die Mannschaft in der Saison 1944/45 die zweite Meisterschaft der Geschichte gewinnen. Auch die Jahre danach unter dem uruguayischen Trainer Enrique Fernández verliefen mit dem Gewinn der spanischen Meisterschaft in den Spielzeiten 1947/48 und 1948/49 durchaus erfolgreich. Barça schaffte die Wiederauferstehung und war auf einem guten Weg, sich einen großen Namen in der Fußballwelt zu machen. Der Gewinn des Coupe Latine 1949 war nur der Anfang eines erneut geschichtsträchtigen Jahrzehnts. Barça setzte sich im Finale gegen Sporting Lissabon mit 2:1 durch und gilt seitdem als der erste Gewinner des Vorläufers vom Europapokal der Landesmeister.

1950 verpflichtete FC Barcelona mit László Kubala einen der größten Fußballer der Vereinsgeschichte. Da Kubala im Jahr 1949 aus Ungarn flüchtete, weil er nicht im neuen, kommunistischen Ungarn leben wollte, reichte sein Klub Vasas Budapest Beschwerde beim Weltverband FIFA ein. Diese Beschwerde führte zu einer einjährigen Spielsperre mit der Begründung, Kubala habe seinen gültigen Vertrag nicht eingehalten und zudem sei er ein Deserteur. Diese Sperre erlaubte Kubala nicht mehr an Pflichtspielen teilzunehmen. In einem Flüchtlingslager in Italien stellte Kubala eine Fußballmannschaft aus anderen Flüchtlingen zusammen und nannte sie „Hungaria“. Mit dieser Mannschaft unternahm er Fahrten durch Europa und verdiente sich so Geld mit Freundschaftsspielen. Nachdem die Mannschaft und vor allem Kubala mit guten Leistungen wie zum Beispiel dem 4-2-Sieg gegen Real Madrid die Aufmerksamkeit der großen Vereine auf sich zog, bestritt die spanische Nationalmannschaft ein Testspiel gegen Hungaria als Vorbereitung für die WM 1950 in Spanien. In der Zuschauermenge saß auch ein gewisser Josep Samitier, der jetzt als Manager und Scout für den FC Barcelona agierte.

Begeistert von Kubalas Auftreten und der Leichtigkeit, wie er die gegnerischen Spieler mit den einfachsten Bewegungen stehen ließ, wollte ihn Samitier unbedingt nach Barcelona holen. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte Kubala ein Versprechen mit dem damaligen Real-Präsidenten Santiago Bernabéu, der ihm bereits einen lukrativen Vertrag anbot, den Kubala nur zu unterschreiben brauchte, wenn er alle seine vereinbarten Freundschaftspiele bestritten hatte. Er hatte die Möglichkeit, den Vertrag sofort zu unterschreiben, tat dies aber nicht, weil Kubala Bernabéu eine Bedingung stellte, die der Real-Präsident aber nicht sofort erfüllen wollte. Die Bedingung lautete, dass der Verein, der Kubala verpflichten wollte, gleichzeitig auch seinen Schwiegervater Ferdinand Daučík als Trainer anstellen musste. Er war ein langjähriger Weggefährte von Kubala, der auch die Auswahl „Hungaria“ erfolgreich trainierte und den Kubala bei seinem zukünftigen Verein sehen wollte. Aufgrund der finanziellen Überlegenheit von Real Madrid sah sich Josep Samitier gezwungen, Kubala einen mindestens gleichwertigen Vertrag anzubieten. Im Juni 1950 war es dann soweit. Kubala entschied sich nach Madrid zu gehen und dort bei Real zu unterschreiben. Im betrunkenen Zustand stieg Kubala in einen Zug und glaubte auf dem Weg nach Madrid zu sein. Josep Samitier befand sich im gleichen Zug und versuchte sich die Gelegenheit zunutze zu machen und Kubala davon abzubringen, bei Real Madrid zu unterschreiben und stattdessen nach Barcelona zu wechseln. Der ehemalige Klub-Präsident Enrique Llaudet soll das kuriose Ereignis im Zug mit folgenden Worten beschrieben haben: „Kubala kam nach Spanien und dachte, dass er auf dem Weg zu Real Madrid ist, um dort zu unterschreiben, aber weil er betrunken war, wusste er nicht, was geschieht. Es gab ein großes Durcheinander im Zug und Kubala drehte sich plötzlich zu Samitier um und fragte ‚Wir fahren doch nach Madrid, oder? ‘ ‚Natürlich tun wir das‘, antwortete Samitier, woraufhin Kubala sich weiter verwundert zeigte: ‚Aber das Schild sagt Barcelona.‘ Danach sagte Samitier: ‚Mach dir keine Sorgen. Wir sind auf dem Weg zum Klub‘, und so brachte er uns Kubala.“ In Barcelona angekommen fingen auch die Verhandlungen an, die sich wie erwartet als eine große Herausforderung erwiesen. Der wieder nüchterne Kubala zückte dabei seine Kopie des Angebots von Real Madrid und verlangte, dass Barça ihm das gleiche Gehalt bezahlt wie Real Madrid es zu tun beabsichtigte. Mit einem Jahresgehalt von 647850 Peseten machte ihn der Vertrag zum bestbezahlten Spieler in der Vereinsgeschichte. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt für die Einigung war auch die Bereitschaft von Barça, seinen Schwiegervater Ferdinand Daučík als Trainer mit an Bord zu holen. Auch gelang es Samitier, die von der FIFA verhängte einjährige Spielsperre aufheben zu lassen.

Damit begann die gemeinsame Reise von Kubala und Barça an die Spitze des Weltfußballs. Die Mannschaft holte in den folgenden Jahren beinahe jeden Titel, um den man gespielt hat. Besonders in der Saison 1951/52 wurde der Einfluss von Kubala bemerkbar. Der Mannschaft gelang etwas, was bis dahin noch keiner Mannschaft gelungen war. Kubala gewann mit dem FC Barcelona neben der spanischen Meisterschaft auch noch den spanischen Pokal, den Coupe Latine, Copa Eva Duarte (Vorgänger der Supercopa de España) und die Copa Martini Rossi. In dieser Saison war die Geburtsstunde des legendären Barça der fünf Pokale. Es war die glorreiche Mannschaft rund um die Offensivakteure Basora, César, Kubala, Moreno und Manchón, die jeden Gegner mit ihrem zermalmenden Offensivfußball zum Verzweifeln brachte und die die nächsten drei Jahre jeden möglichen Titel gewann.

Der Fall di Stéfano und der Bau des neuen Stadions

Im Jahre 1953 wechselte der Argentinier Alfredo di Stéfano für vier Millionen Peseten von River Plate zum FC Barcelona. Di Stéfano war ein weiterer Spieler in den Fünfzigern, der das Potenzial hatte, sich in die Liga der besten Spieler aller Zeiten zu spielen. Er war ein disziplinierter Spieler, der vor allem durch seinen Einsatz und die Willensstärke hart zu arbeiten und sich zu verbessern herausragte. Beide Spieler waren die besten ihrer Kunst. Im direkten Vergleich war Kubala jedoch für die Mehrheit der begabtere Spieler. Dieses Manko machte di Stéfano aber mit starker Laufbereitschaft am Platz und harter Arbeit wett. Auf der anderen Seite wurde Kubala als ein sehr fauler Spieler beschrieben, der sich im Training kaum vom Ball trennte und am Fußballplatz nicht durch seine Laufbereitschaft auffiel.

Neben dem FC Barcelona war auch Real Madrid daran interessiert, den Argentinier in die spanische Hauptstadt zu holen. Nicht einmal die bereits erfolgte Vertragsunterzeichnung bei Barça konnte den Real-Präsidenten Santiago Bernabéu aufhalten, alle Mittel einzusetzen, um di Stéfano zu verpflichten, auch wenn diese nicht als fair und regelkonform galten. Kubala hatte einen hohen Stand in der Mannschaft und mit dieser Tatsache soll di Stéfano unzufrieden gewesen sein, weshalb er absichtlich schwache Leistungen zeigte und mit Real in Kontakt trat und Bernabéu über seine Wechselabsichten informierte. Nach einem langen Streit um di Stéfano unterbreitete der spanische Fußballverband beiden Mannschaften einen Vorschlag. Der Spieler solle für beide Mannschaften spielen, indem er jedes Jahr wechselte. Überrascht von diesem fragwürdigen Vorschlag, lehnte ihn der FC Barcelona ab und entschied sich dafür, di Stéfano an Real Madrid zu verkaufen. Die Madrilenen überwiesen daraufhin die von Barça an River Plate bezahlten vier Millionen Peseten und di Stéfano war von diesem Augenblick an Spieler von Real Madrid. Die Erfolge von Real Madrid seit dem Eintreffen von di Stéfano lassen nur Vermutungen zu, wie stark der FC Barcelona gewesen wäre, wenn di Stéfano an der Seite von Kubala und später Luis Suárez gespielt hätte. Es wäre womöglich die beste und erfolgreichste Offensive in der Geschichte des Fußballs.

Nach einem großen Hype um den FC Barcelona, der größtenteils von Kubala ausgelöst wurde, wuchs die Fangemeinde von Barça weiter an. Repräsentativ für die Größe des FC Barcelona und seine Ansprüche musste ein neues Stadion her, das von der Kapazität die bisherige Heimstätte „Les Corts“ übertraf. Am 24. September 1957 war also die Geburtsstunde vom Estadi del Futbol Club Barcelona – später in L`Estadi Camp Nou umbenannt (Neues Spielfeld). Das Stadion fasste zur Zeit der Eröffnung 93.053 Plätze und ist jetzt mit 98.772 Plätzen das größte Stadion Europas. Das Einweihungsspiel gegen Legia Warschau gewann Barça mit 4-2. Ursprünglich sollte das Stadion den Namen des Klub-Gründers Joan Gamper tragen. Die Umsetzung wurde aber auf Befehl von Francisco Franco verhindert, da Franco nicht zulassen wollte, dass eines der größten Stadien Spaniens den Namen eines protestantischen Einwanderers trug, welcher fast sein gesamtes Leben dem Katalanismus widmete.

In den 60ern gelang es Barça nicht mehr, sich an der Spitze des europäischen Fußballs zu halten. Durch den Bau des neuen Stadions und jahrelanger Misswirtschaft machte der Verein mehr und mehr Schulden. In der Saison 1960/61 gelang es Barça, in das Finale des Europapokals der Landesmeister einzuziehen. Nach einer 1-0-Führung gegen Benfica Lissabon verlor die Mannschaft jedoch mit 2-3. Diese Niederlage gilt bis heute als eine der bittersten Niederlagen in der Vereinsgeschichte. Barça galt aufgrund der gefürchteten Offensive mit Kubala, Czibor, Kocsis, Evaristo und Suárez als Favorit. Nach der 1-0-Führung bemühte sich Barça nicht, ein weiteres Tor zu erzielen, was Benfica schlussendlich ausnutzte, um die Katalanen mit zwei schnellen Toren zu überraschen und am Ende den Pokal zu holen.

Nach den Präsidentschaftswahlen 1968 erwähnte der neue Barça-Präsident Narcís de Carreras in seiner Antrittsrede zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das legendäre Motto des FC Barcelona „més que un club“. Der Verein sollte wieder zurück zu den Wurzeln geführt werden und mehr als nur einen normalen Fußballklub darstellen. Gleich ein Jahr nach Carreras Amtszeit übernahm Agustí Montal Costa das Amt des Präsidenten. Costa setzte sich dafür ein, alle katalanischen Symbole des FC Barcelona wieder einzuführen und dass der Verein 1973 den Namen CF Barcelona in die ursprüngliche Version FC Barcelona umändern konnte. 1973 wurde gleichzeitig mit dem Niederländer Johann Cruyff einer der besten Fußballer aller Zeiten verpflichtet, der dem Verein eine neue Richtung zeigte und seine Identität prägte wie kein anderer Spieler davor.

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