FC Barcelona gegen Celtic Glasgow: Taktikrückblick

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Man mag nur hoffen, dass die demographische Entwicklung hierzulande keine repräsentative Bedeutung für die Altersstruktur der Fangemeinde in der Fußballwelt für sich vereinnahmt. So viel Anspannung und nachträgliche Freude hält kein gesundes Herz aus. Wieder haben die Spieler des FC Barcelona ihre Fans bis zur letzten Minute warten und zappeln lassen, bevor sie zum finalen Schlag gegen einen defensiv sehr disziplinierten Gegner ausgeholt haben. Nach dem aus Celtic-Sicht völlig unverhofften und unerwarteten Führungstor parkte die Mannschaft von der Insel ihre „Busse“ vor das Tor und ließ die Katalanen sehr lange vergeblich anrennen.

4-5-1 und der Bus vor dem Tor

Es war ein völlig verdienter Sieg, daran kann auch der etwas glückliche Siegtreffer kurz vor Abpfiff der Partie nicht hinwegtrüben. Aber es war wieder einmal ein hart erarbeiteter Sieg, der viele Ressourcen gekostet haben dürfte. Doch der Reihe nach. Tito Vilanova hat seine Mannschaft im Vergleich zum Spiel gegen Deportivo auf einigen Positionen verändert, insbesondere in der Defensive. Diesmal bildete Marc Bartra das Pendant zu Javier Mascherano und durfte zum ersten Mal in dieser Saison ein Pflichtspiel von Beginn an bestreiten. Und um es vorweg zu nehmen, machte Bartra seine Sache einwandfrei. Ebenso überraschend wie das Aufgebot von Marc Bartra war die Festlegung der Position des Rechtsverteidigers, die diesmal nicht von Montoya, sondern von Adriano bekleidet worden ist. Verzichtet hat Vilanova im Mittelfeld auf den starken Fàbregas, für den in den taktischen Plänen von Vilanova diesmal kein Raum war. Song vertrat den rotgesperrten Sergio Busquets und Xavi und Iniesta komplettierten das Mittelfeld der Blaugrana. Im Sturm flankierten Sánchez auf links sowie Pedro auf rechts Lionel Messi im Zentrum.

Die Entscheidung von Vilanova, in diesem Spiel auf den glänzend aufgelegten Fàbregas zu verzichten, entpuppte sich relativ früh in der Partie als absolut richtig. Celtic ließ sich weit zurückdrängen und verteidigte in einer 4-4-1-1 respektive 4-5-1-Formation das eigene Tor. Die hängende „Spitze“ hat sich immer wieder zwischen den Mittelfeldverbund seiner Mannschaft fallen lassen und half seiner Mannschaft dabei, die entstehenden Lücken dynamisch zu schließen. Die Abstände zwischen der Mittelfeld- und der Abwehrkette wurden durch die Spieler von Celtic minimiert, phasenweise verschmolzen die Ketten ineinander. Eine Fünferabwehrkette war damit schnell hergestellt, um die gesamte Spielfeldbreite abzudecken und das von den Katalanen antizipierte Flügelspiel zu hemmen. Damit waren Überzahlsituationen auf dem Flügel für den FC Barcelona, zumindest in Halbzeit eins, eher die Ausnahme. Das sollte zum Problem werden.

Unterzahlsituationen auf dem Flügel

Vilanovas Ansinnen in diesem Spiel war es, über die Breite im Spiel zum Erfolg zu kommen. Insbesondere gegen tiefstehende Gegner, die den „Bus“ vor dem Tor parken, ist das der Schlüssel zum Erfolg für das katalanische Spiel. Flanken aus dem Halbfeld und allgemein Flanken behagen dem Spiel des FC Barcelona eher weniger, sie sind nicht zielführend. Als aussichtstreich stellt sich allerdings das Überlaufen der gegnerischen Verteidigungsreihe dar mit anschließenden Pässen in den Rücken der Abwehr. Über die linke Angriffsflanke konnte Jordi Alba zwei Mal im Ansatz für Gefahr sorgen, indem er Sánchez mit Tempo überlief, doch im Zentrum war der Gegner deutlich in der Überzahl und die Hineingabe blieb wirkungslos. Gerade diese Situationen müssen die Spieler des FC Barcelona aber besser erkennen und sich im Zentrum versammeln – gegen tiefstehende Mannschaften sind das die besten Möglichkeiten, die dem FC Barcelona zur Verfügung stehen. Ansonsten konnte Alba nur wenig ausrichten, weil er mit Sánchez regelmäßig in der Unterzahl war. Durch Iniestas natürlichen Drang ins Zentrum konnten nicht immer Dreiecke gebildet werden. Aber auch im Dreieck war es für die Spieler nicht gerade einfach, bekamen sie doch stets Besuch vom Außenverteidiger, einem äußeren Mittelfeldspieler und einer weiteren Aushilfsperson, die sich zwischen die Ketten geschoben hat.

Nicht besser erging es Pedro und Adriano auf der anderen Flanke. Sie hatten sogar einen noch schwereren Stand, da sie noch seltener unterstützt wurden. Sehr sporadisch wanderte Messi auf rechts, was aber nicht von erhöhter Dauer war. Somit blieb Pedro und Adriano häufig nur der Rückpass oder der Pass zur Mitte. Adriano zog mit dem Ball zwei oder drei Mal ins Zentrum und versuchte einen Abschluss auf Höhe der Strafraumbegrenzung, scheiterte jedoch bei jedem seiner Versuche. Häufig konnte man beobachten, wie die nominellen Flügelstürmer sich ins Zentrum begaben, um den Raum für die nachrückenden und sehr offensiv agierenden Außenverteidiger zu öffnen. Damit erhöhte man zwar die Präsenz im Zentrum und beschäftigte die Innenverteidiger, die Außenverteidiger vermochten gleichwohl wenig auszurichten, da sie sich in diesen Fällen regelmäßig zwei Gegenspielern gegenübersahen.

Was in Halbzeit eins dem Spiel des FC Barcelona somit etwas abhanden ging, war ein etwas ausgeklügelteres Spiel über die Flügel. Auch das Umschaltmoment hätte in der ein oder anderen Situation durchaus höher sein können. Aber es lässt sich als neutraler Beobachter leicht reden; einen „Block“ zu überwinden ist nicht leicht, insbesondere vor dem Hintergrund der Spielart des FC Barcelona, das einen gänzlichen Verzicht auf wenig erfolgversprechende halbhohe Bälle und Flanken pflegt. Spiele gegen tiefstehende Gegner sind für den FC Barcelona immer die schwersten, und wenn der Gegner dazu noch gut verschiebt und kompakt steht, stellt sich das Spiel als eine große Herausforderung für die Katalanen dar. Und trotzdem waren die Mannen von Vilanova in der Lage, noch vor der Pause auszugleichen. In dieser konkreten Situation haben sie ihre individuelle Klasse, ihre Präzision im Zusammenspiel aufblitzen lassen und den wichtigen Ausgleich noch vor der Pause markiert.

Zweite Halbzeit: Höheres Umschaltmoment, aber immer noch das Problem mit dem „Bus“

In der zweiten Halbzeit änderte sich der Spielverlauf geringfügig. Celtic schien etwas mehr den Weg in Richtung Tor suchen zu wollen, verlagerte sich aber relativ zeitig wieder auf das Konterspiel, das in der ersten Halbzeit so gut wie gar nicht vorhanden war. Im Gegenzug intensivierten die Katalanen ihre Offensivbemühungen und gingen ein nicht unerhebliches Risiko. Eine umso größere Bedeutung kam damit dem Gegenpressing zu, das aufgrund einer fehlerhaften Antizipation zwei Mal ins Leere ging. Song hatte sich einmal verschätzt und konnte vom Gegner passiert werden. Darüber hinaus konnte man auch Kombinationen(nach katalanischem Gegenpressing) seitens Celtics über die rechte Seite beobachten, auf der der Spieler Forest stark nach vorne schob und auf Zuspiele in den Rücken von Jordi Alba lauerte. Meistens hat Mascherano jedoch aufgepasst und die Lage durch entschärft, dass er nach außen rückte. Auffällig war, dass die Spieler des FC Barcelona um ein schnelleres Umschalten bemüht waren, jedoch nur wenige ansprechenden Lücken vorfanden. Die Außenverteidiger Celtics haben sich zu keinem Zeitpunkt an dem Offensivspiel ihrer Mannschaft beteiligt, sondern waren auf die Aufrechterhaltung der Grundordnung bedacht. Aus diesem Grund waren Konter nur wenig erfolgversprechend.

Bei Messis Kopfballchance im Verlauf der zweiten Halbzeit kam der Nachteil dieser restriktiven Spielweise von Celtic zum Vorschein. Durch das dichte Gedränge aufgrund der Nähe der Ketten zueinander sind verdeckte Pässe und die Abgrenzung der Zuständigkeiten ein Problem. Bei dem Lupfer auf Messi fühlte sich kein Spieler von Celtic zuständig, jeder vertraute auf das Eingreifen des anderen. Auch in Halbzeit eins fühlte sich einmal kein Spieler der Gastmannschaft für einen Pass aus der Tiefe verantwortlich. Mit einer solchen passiven Spielweise kann man unter normalen Umständen daher kaum gegen FC Barcelona standhalten, es sei denn, es wird einem viel Glück zuteil, wie Chelsea seinerzeit im Halbfinale der Champions League. Später wechselte Vilanova Cristian Tello und David Villa für Pedro und Alexis Sánchez ein. David Villa begab sich sofort ins Zentrum, um mehr Durchschlagskraft herzustellen. Die entstandenen Lücken auf den Außen wurden alternativ von Jordi Alba oder Adriano aufgefangen, abhängig davon, auf welcher Seite Tello anzutreffen war. Letzterer trug einen maßgeblichen Anteil am Siegtreffern, als er mit seinem vertikalen Lauf an die Grundlinie gleich zwei Spieler, einschließlich des Außenverteidigers, an sich band und damit dem flankenden Spieler den nötigen Freiraum verschaffte.

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