Individuelle Fehler stehen Barças Matchplan gegen Manchester im Weg

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Bei der Niederlage des FC Barcelona gegen Manchester United in der Europa League machten individuelle Fehler Xavi einen Strich durch die Rechnung. Kessie und Roberto konnten Gavi und Pedri nicht adäquat ersetzen. Die Brennpunkte.

Roberto und Kessie zeigen ihre Stärken und Schwächen auf

Für das Rückspiel in der Europa-League-Zwischenrunde gegen Manchester United musste Xavi erfinderisch werden und die Ausfälle von Pedri (verletzt) und Gavi (gelbgesperrt) auffangen. Vor der Partie begann das große Rätselraten, wie Xavi seine Truppe auf das Feld schicken würde. Mit Anpfiff war dann klar: Der Übungsleiter der Katalanen ließ Franck Kessie in Pedris Rolle spielen, während Sergi Roberto den Hybrid aus Achter und linken Flügel gab, den Gavi zuletzt in Topspielen ausführte.

Diese Aufstellung erlaubte dem gesamten Team in der ersten Halbzeit, ein außergewöhnlich hohes Pressing aufzuziehen. Kessie schob immer wieder vor neben Lewandowski, um den ballführenden Spieler unter Druck zu setzen. Da auch Roberto und Raphinha bis zur Viererkette ManUniteds vorrückten, entstand situativ eine Vier-gegen-Vier-Situation. Kam ein Mittelfeldspieler der Red Devils entgegen, um sich anzubieten, war es häufig Roberto, der den Weg ins Zentrum zustellte. Alejandro Balde attackierte dann Rechtsverteidiger Aaron Wan-Bissaka und verwickelte ihn auch an Uniteds Grundlinie in Duelle.

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Um das Pressing effektiv zu gestalten, rückten zudem Ronald Araujo und Andreas Christensen bis in das letzte Drittel, um die Abstände zu den Vordermännern so gering wie möglich zu halten und Manchester jegliche Räume zu nehmen. In den Momenten, in denen die beiden Innenverteidiger nicht mit nach vorne rückten, machte sich die Berufung Robertos und Kessies in die Startelf bemerkbar. Die Zweikampfstärke der beiden Mittelfeldspieler sorgte dafür, dass, auch wenn die erste Pressinglinie schon überspielt war, sie dank ihrer Rückwärtsbewegung Kontersituationen unterbinden konnten. So hatte Barça in Hälfte eins “das Spiel unter Kontrolle”, wie Xavi auf der Pressekonferenz nach dem Spiel schlussfolgerte.

Xavi spricht von “großer Enttäuschung” nach Europa-League-Aus gegen Manchester United

Mit der Einwechslung Antonys zur Halbzeit und den anschließend gefährlichen hohen Bällen hinter Barças Abwehrkette zog sich die Blaugrana als Kollektiv zurück, wodurch die Stärken von Kessie und Roberto beim Spiel gegen den Ball kaum mehr zum Tragen kamen. Auch Barças Kapitän Sergio Busquets merkte an: “Nach der Pause kam United besser aus der Kabine.”

Bei eigenem Ballbesitz machte sich das Fehlen Pedris und Gavis jedoch sichtlich bemerkbar. Zwar fungierte Kessie häufig als Bindeglied zwischen den beiden Mannschaftsteilen, doch die Genialität Pedris im letzten Drittel fehlte. Auch deswegen hatte Robert Lewandowski im Old Trafford einen schweren Stand. Kessie konnte ihn einfach kaum in Szene setzen. Roberto entwickelte ebenfalls wenig nach vorne (Barçawelt-Note: 4).

Baldes Offensivdrang wird von Manchester United eingedämmt

Sowohl Alejandro Balde als auch Jules Koundé stellten als ballentfernte Außenverteidiger mit ihren Läufen zum langen Pfosten Gefahr für das United-Tor dar. So resultierte aus Bällen von der jeweils anderen Seite auf die beiden zum einen die Szene, in der Balde den Elfmeter zog, und auf der anderen Seite Koundés Großchance in der 64. Spielminute.

Beim Spielaufbau operierte Barça mit der asymmetrischen Viererkette, wodurch Balde stets höher als Koundé, Araujo und Christensen stand, um von diesen angespielt zu werden und anschließend in die Tiefe zu starten. Dadurch kam der 19-jährige Linksverteidiger immer wieder mit Tempo auf die Abwehrkette der Gastgeber zu und stand gleichzeitig bei Ballverlust der Katalanen bereits zum Gegenpressing parat. Gleichzeitig versuchten die Akteure Manchester Uniteds aber die defensiven Defizite des Youngsters auszunutzen. Bereits nach drei Minuten kam Bruno Fernandes im Rücken Baldes lauernd zum Abschluss, in der 23. Spielminute war dasselbe Muster zu erkennen.

Stimmen | Koundé nach Europa-League-Aus: “Haben die Kontrolle verloren”

Nach dem Seitenwechsel schaffte es das Team Erik ten Hags weitesgehend, Balde vom Gehäuse de Geas fernzuhalten. Als Antony zur zweiten Halbzeit den blassen Wout Weghorst ersetzte, schickten die Red Devils den Brasilianer in der 48. Minute steil; Frenkie de Jong schaffte es noch, den Flügelflitzer zu stellen doch von da an war Barça gewarnt und Balde defensiver ausgerichtet.

Individuelle Fehler machen den Matchplan von Barça zunichte

Die Defensivabteilung der Blaugrana präsentierte sich ansonsten recht sattelfest gegen die formstarken Gastgeber. Vor allem Marcus Rashford sah gegen die Abwehrreihe Barças kein Land. Koundés defensives Stellungsspiel erlaubte ihm, Rashford zu stellen, wenn dieser an den Ball kam. Zog der Engländer dann kurz vor dem Strafraum nach innen, waren sofort Ronald Araujo oder Sergio Busquets zur Stelle, die den in Manchester geborenen Rashford dann aggressiv angingen. Für diesen ergaben sich keine Lücken, da sowohl Busquets als auch de Jong hervorragend mit nach hinten arbeiteten, um die Abwehrkette zu unterstützen.

Doch das half bei den beiden Gegentoren, die zum Ausscheiden des FC Barcelona führten, nicht mehr. Beim 1:1 schaffte es Frenkie de Jong noch rechtzeitig, auf die Höhe der Verteidiger zu kommen, doch Freds erster Kontakt aus der vollen Bewegung erwischte den Niederländer kalt und auch vor Antonys Treffer zum 2:1 blockte de Jong noch einen vorausgegangenen Abschluss, während Busquets zuvor an der Grundlinie störte.

Dass die beiden zentralen Mittelfeldspieler überhaupt erst in diese Situationen kamen, lag an der fehlenden Konsequenz ihrer Mitstreiter. Vor dem Ausgleichstreffer schien Kessie bei der Ballannahme nicht mit voller Entschlossenheit an den Ball zu gehen, wodurch der Ivorer das Spielgerät nicht mehr unter Kontrolle bringen konnte und ihn an Jadon Sancho verlor. In der 73. Spielminute stellte Raphinha Gegenspieler Fernandes an sich clever zu, doch ließ sich im Zweikampf viel zu leicht abkochen in einer Situation, in der es danach aussah, dass der Ballbesitz jetzt zum FC Barcelona überschwappen würde.

Wirklich Kontrolle über das Spiel erlangte Barça nie mehr.Es dauerte bis in die Nachspielzeit, ehe das Momentum wieder zu Barça überschwappte. Doch dann war es schon zu spät. Individuelle Fehler und Unachtsamkeiten machten Xavi einen Strich durch die Rechnung und sorgten einmal mehr für das frühe Europa-League-Aus des FC Barcelona.

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Benjamin König
Benjamin König
Fútbol, Calcio, Fotball - in Spanien, Italien, Skandinavien. Redakteur bei Barçawelt, Podcaster bei Polarlichtspiel - dem skandinavischen Fußballpodcast
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4 Kommentare

  1. Ich finde wir sind nach Hin- und Rückspiel verdient raus, denn ich fand in beiden Spielen ManU dann doch schon ein ganzes Stück besser.

    ManU hat das Spiel fulminant begonnen aber schienen dann ziemlich gebrochen zu sein nach dem 1:0 für uns. Wir waren nach dem 1:0 dann die dominantere Mannschsft aber auch nicht wirklich gut. Ich fand wir haben uns viel zu sehr auf das Mauern Hintern konzentriert. Wir haben da wirklich tief geparkt, stattdessen hätte man das Momentum nutzen sollen und versuchen das nächste Tor zu machen.

    Wie schon im Hinspiel hat ten Hag mit taktischen und personellen Änderungen dann ganze Spiel gekippt. In HZ2 war ManU klar überlegen.

    Alles in allem kann man aber sagen, dass es 2 wirklich spannende und gute Duelle waren. Ich denke für jeden neutralen Fan war das eine coole Sache.

    Meine persönliche Enttäuschung hält sich in Grenzen, da mit dem Gruppenphasen aus in der CL für mich schon der Tiefpunkt erreicht worden ist.

    Man muss aber ganz klar festhalten, dass wir einfach nicht gut genug spielen für Europa. Auch wenn es manche nicht hören wollen aber die Qualität in La Liga ist einfach sehr schwach geworden und da kann man halt auch mal so durchspazieren, auch wenn wir oft sehr viel spielglück auf unserer Seite hatten. Das beste Beispiel dafür ist dass wir in der Liga gerade einmal 7 Gegentore kassiert haben und laut expected Goals über 18 hätten kassieren müssen. Diese Diskrepanz ist schon extrem hoch.

    Kompliment an ten Hag, er stellt da was richtig großes auf die Beine. ManU ist sogar noch ein viel größerer Chaosklub als wir sind sind und das muss schon was bedeuten. Er ist auch ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man nicht 3 Jahre warten muss, bis der Trainer abliefert. Das muss man einfach anerkennen und ich finde es schade, dass wir wieder versuchen ausreden zu suchen. Sei es beim Schiedsrichter oder wegen Verletzungen. Im Hinspiel haben bei ManU zb mit Anthony, Eriksen, Martial, Martinez, Sabitzer, McTominay und ich glaube noch 1, 2 weitere gleich so viele Spieler gefehlt die zum Stammpersonal oder erweiterten Stammpersonaö zählen gefehlt.

    Am Schiedsrichter lag es auch nicht. Wir hätten im Hinspiel einen Elfmeter bekommen müssen aber vorher hätte Kounde vom Platz fliegen können, was er auch selbst mehr oder weniger zugegeben hat und im Rückspiel wurde uns ein Elfer quasi geschenkt. Das alles ist aber nebensächlich, wir müssen uns hinterfragen, warum wir in Europa nicht besser spielen.

    Ich finde es auch immer schade, wenn wir versuchen den Kader schlecht zu reden. Der Kader gehört ohne Zweifel zu den aller besten in Europa. Man muss sich eher fragen, warum so viele ihr Können nicht abrufen können.

    Möchte nicht wissen, was für eine Diskussion wieder losgetreten worden wäre, wenn wir mit Weghourst, Bissaka oder Fred spielen würden. ManU hat natürlich auch einen Top Kader.

    • Wobei man auch sagen muss das ManU brutal in Form ist und im Moment in der Champions League warhscheinlich auch eine sehr gute Figur machen würde. Ich finde es war im großen und ganzen ein knappes rennen zwischen den beiden Teams. Wenn der Kopfball von Kounde reingeht schaut das Spiel wieder ganz anders aus.
      Wir hatten schon Pech mit der Championsleague weil wir die Heftigste Gruppe hatten und enormes Verletzungspech sowie jetzt eben auch wieder. Aber so negativ wie du hab ich den Auftritt gg. ManU wirklich nicht gesehen.

  2. Das Weiterkommen in EL, glaube ich, war nicht die Priorität von Barca, bin nicht besonders traurig. Was traurig macht ist das Halten am Ballgeschiebe im Mittelfeld mit einer Ballverliebtheit, die schon manisch wirkt. Dadurch hat man wenig Chancen gegen Mannschaften, die ergebnisorientiert sind und hart, manchmal unfair auftreten. Dazu zähle ich auch Real. Es wird schwierig, wenn Mittelfeld das Spiel verlangsamt, spielt Unmenge an Querpässen mit Konsequenz der Ballverluste beim Aufbau in der gefährlichen Zone. In der Zeit “verhungern” die Stürmer, vor allem Lewandowski, der Ballkontakte braucht, dann ist er in Fluss und wird ballsicherer. Unzählige Chancen auf ein Pass in die Tiefe haben de Jong und Busquets einfach verdaddelt. Vom Ansu Fati will ich nicht reden, der läuft nur beleidigt und kopflos durch die Gegend. Halbes Jahr bei Barca 2 könnte ihn vielleicht heilen. Was zwischen Lewandowski und der Mannschaft läuft, ist schwer zu sagen, im Herbst war jedenfalls besser.

  3. Ich bin auch traurig, dass wir aus der EL raus sind. Ich finde aber, dass der Anspruch an Barca von vielen Leuten hier zu hoch ist. Ist es nicht normal Mal, gegen Man U zu verlieren. Ihr Team ist von der Qualität auf dem gleichen Level wie unseres, wenn dann noch Pedri und Gavi fehlen, ist es doch keine Schande zu verlieren. Bei Vielen hört es sich so an, als ob Barca den weltbesten Kader hat und trotzdem nichts auf die Reihe kriegt, dass stimmt doch aber nicht !
    Denk darüber Mal bitte nach !
    Visca Barca !!!

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