Barça gegen Sevilla: Fragezeichen in der Offensive und Personalsorgen in der Abwehr

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Vor der anstehenden Länderspielpause empfängt der FC Barcelona am Sonntagabend den runderneuerten FC Sevilla. Während die auf dem Papier so großartige Offensive der Katalanen weiterhin Startschwierigkeiten hat, ist die Personaldecke in der Abwehr mehr als ausgereizt. Der Gast kommt hingegen mit einer Vielzahl an neuen Spielern und einer Menge Selbstvertrauen ins Camp Nou.

Die Stimmung beim FC Barcelona wird besser – zumindest teilweise. Läuft die Blaugrana den eigenen spielerischen Ansprüchen weiterhin hinterher, so stimmten zuletzt immerhin die Ergebisse. Nach drei Pflichtspielsiegen in Folge ist der Anschluss an die Tabellenspitze wieder hergestellt. Nun empfängt das Team von Ernesto Valverde den FC Sevilla zum Topspiel im Camp Nou (Sonntag, 21 Uhr).

Die Tabelle als halbe Wahrheit

Wirft man einmal einen Blick auf die Tabelle, so sieht die Situation für den FC Barcelona gar nicht mal so schlecht aus. Nach sieben Spieltagen finden sich die Katalanen mit 13 Punkten auf dem vierten Rang wieder, und mit einer Torausbeute von 16 Treffern stellen sie zeitgleich die zweitbeste Offensive der Liga.

Die Tabelle spricht in diesem Fall aber auch nur die halbe Wahrheit. Den 13 errungenen Punkten stehen nämlich auch schon drei Punktverluste gegenüber (darunter zwei Niederlagen). Dass man dennoch Teil der Spitzengruppe ist liegt vor allem daran, dass auch die Kontrahenten nur behäbig aus den Startlöchern kamen.

Und auch trotz der 16 Tore drückt offensiv weiterhin ein wenig der Schuh. Lionel Messi kommt gerade von seiner bereits zweiten Verletzungspause der Saison zurück, Luis Suárez spielt im Sturmzentrum ‘Hit and Miss’ und liefert entweder Traumtore ab oder taucht für 90 Minuten komplett ab und fällt dann wenn überhaupt durch technische Ungenauigkeiten und Abspielfehler auf, und dass Antoine Griezmann tatsächlich ein Spieler des FC Barcelona ist, ist mehr Barcelonas Social-Media-Posts und den Trikots im Fanshop, die seinen Namen auf dem Rücken tragen, zu entnehmen als seinen Leistungen auf dem Rasen.

Antoine Griezmann und das Problem seiner Positionierung

Die Zeit alleine wird die Angriffsprobleme nicht beseitigen (mit Außnahme von Messis Genesungsprozess). Gerade die Diskussion um Griezmanns ideale Rolle – auf dem Flügel oder im Zentrum, rechts oder links, etwas zurückgezogen oder an vorderster Front – lässt so machen Culé mittlerweile ermüden.

Seit der Franzose seinen Abschied von Atlético Madrid im Mai bekannt gegeben hat wird darüber gerätselt, wo sein Platz bei der Blaugrana sein könnte. Genauso lange (oder möglicherweise sogar noch etwas länger) hatte Ernesto Valverde Zeit, sich zu überlegen, wie er den Weltmeister einsetzen kann. Dabei hat er sich einen Plan überlegt – aber einen, der offensichlich so nicht funktioniert. Einen Plan B scheint er (noch) nicht parat zu haben.

Somit bleibt abzuwarten, ob erneut Griezmann auf dem linken Flügel auflaufen wird oder ob sein Nationalmannschaftskollege Ousmane Dembélé, der nach seinen Einwechslungen zuletzt ein belebendes Element in des Offensive des FC Barcelona war, hier den Vorzug bekommt. Höchstwahrscheinlich kommt ein Start für den fragilen Flügelflitzer aber noch zu früh. Griezmann könnte ebenso gut ins Sturmzentrum rücken, doch hier dürfte Suárez nach seinem Doppelpack gegen Inter Mailand den Vorzug erhalten.

Kadertiefe in der Defensive? Fehlanzeige!

In einem Punkt spricht die Tabelle jeodch auch eine ganz klare Sprache: Mit zehn Gegentoren ist die Defensive des FC Barcelona in dieser Saison noch nicht auf dem Niveau, das von ihr erwartet wird. Dies wurde unter der Woche beim Auftritt gegen Inter noch einmal deutlich, als sich hier vor allem bei schnellen Gegenangriffen immer wieder große Löcher auftaten.

Ob sich das gegen den FC Sevilla verbessern wird ist fraglich, denn die Abwehrkette stellt sich aufgrund der Verletzungen von Samuel Umtiti, Jordi Alba und Júnior Firpo sowie der Sperre von Clément Lenglet nahezu von alleine auf. 

Neben Gerard Piqué dürfte der 19-jährige Jean-Clair Todibo in die Innenverteidigung rücken. Für den Mann aus Französisch-Guayana wäre es der vierte Einsatz im Dress der Blaugrana, nachdem er im Januar 2019 vom FC Toulouse nach Katalonien kam. Aus Mangel an Alternativen wird Nelson Semedo aller Voraussicht nach wieder auf die linke Seite rücken, damit Sergi Roberto einmal mehr die Rolle des Rechtsverteidigers bekleiden kann. Dabei wird gerade diesen beiden eine wichtige Rolle zukommen, denn die Stärke des FC Sevilla ist vor allem das Spiel über die Flügel.

Monchis runderneuerter FC Sevilla

Wenn in den vergangenen Monaten über Ümbrüche in der spanischen Liga gesprochen wurde, ging es so gut wie immer um Real oder Atlético Madrid. Dabei hat keiner dieser Vereine seine Mannschaft dermaßen stark überholt wie die Sevillistas. Hauptverantwortlich dafür war die Rückkehr von Sportdirektor Ramón Rodríguez Verdejo, genannt Monchi. Er war der Architekt der fünf Europapokalsiege Sevillas in diesem Jahrtausend, und unter seiner Regentschaft wurden Spieler wie Sergio Ramos, Dani Alves, José Antonio Reyes und viele andere entdeckt.

Kaum kehrte Monchi im Sommer von seinem zweijährigen Beschäftigungsverhältnis beim AS Rom in die andalusische Hauptstadt zurück, krempelte er das Team dort sogleich nach seinen Vorstellungen um. 16 neue Akteure wurden verpflichtet und quasi die Hälfte der Stammelf ausgetauscht.

Überraschenderweise verlief der Start in die Liga trotz der großen personellen Veränderungen mit zehn Punkten nach vier Spielen durchaus erfolgreich. Danach setzte es jedoch sowohl eine Niederlagen gegen Real Madrid als auch gegen die SD Eibar, wo die Mannen von Neu-Trainer Julen Lopetegui einen 2:0-Vorsprung aufgrund von individuellen Fehlern verspielten.

Lopetegui setzt auf Rotation und Unberechenbarkeit

Gegen das momentane Überflieger-Team aus San Sebastián gab dann dann widerum einen überzeugenen 3:2-Heimerfolg. Der FC Barcelona sollte also gewarnt sein, vor allem über die bereits angesprochene Qualität auf Außen, wo Kapitän Jesús Navas und Sergio Reguilón regelmäßig einen Kilometer nach dem anderen sammeln. Aus dem Mittelfeld stoßen Éver Banega, Óliver Torres und Joan Jordán immer wieder nach vorne und sorgen für zusätzliche Gefahr, während die Ex-Barça-Akteure Munir und Nolito sowie Neuzugang Lucas Ocampos von den Flügeln aus Richtung Zentrum ziehen. Generell rotiert Lopetegui seine Mannschaft gerne und oft durch, eine feste Stamm-Elf hat sich noch nicht herauskristallisiert.

Noch nicht so richtig angekommen ist derweil Luuk de Jong. Die Erwartungen nach seinen 32 Pflichtspieltoren für die PSV Eindhoven in der abgelaufenen Saison konnte der Niederländer noch nicht erfüllen, und so wartet der 29-Jährige weiterhin auf sein erstes Erfolgserlebnis im weißen Dress. Bleibt abzuwarten, ob dies auch nach der morgigen Partie gegen die von Ausfällen geplagte Barça-Defensive noch Bestand hat.

 

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