Brennpunkte | Barças Defensive verbessert – Angriff bleibt weiter Baustelle

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Der FC Barcelona legte gegen den FC Cádiz einen uninspirierten Auftritt an den Tag. Beim torlosen Remis schien Ronald Koeman zwar sinnvoll gewechselt zu haben, die Schwachstellen von Cádiz konnten dennoch nicht ausgenutzt werden. Zudem überschatten die technischen Fehler im Spielaufbau eine gut organisierte Defensivarbeit.

Ideenloser erster Spielabschnitt

Flanken statt „Tiki Taka“ – das war die stark kritisierte Spielweise der Blaugrana im Rahmen des so enttäuschenden 1:1 gegen den FC Granada. Drei Tage später hätte sich vermutlich der ein oder andere Barça-Anhänger ein paar Flanken mehr gewünscht. Schließlich wirkte der Auftritt des FC Barcelona in der kompletten ersten Halbzeit zahnlos; ein Offensivdrang war zu kaum einem Zeitpunkt von Hälfte eins erkennbar. Obwohl diesmal mit Luuk de Jong ein potenzieller Zielspieler für Flanken in der Startelf stand, konnte er kaum in Szene gesetzt werden. Das lag vor allem daran, dass bis auf Memphis Depay kaum ein Offensivspieler Barças in Bewegung war. Memphis kam in der Anfangsphase immer wieder auf die Mittelfeldspieler der Blaugrana zu, um sich Bälle abzuholen, diese Läufe stellte der 27-Jährige jedoch wieder schnell ein.

Dennoch blieb Memphis umtriebig und versuchte, mit seinen Positionswechseln (tauchte auf der Außenbahn auf, bildete eine Doppelspitze oder agierte hängend hinter Luuk de Jong) für Schwierigkeiten bei der Hintermannschaft der Andalusier zu sorgen, doch diese zeigten sich von der Variabilität des Holländers nicht beeindruckt und schlossen die Räume vor dem Strafraum hervorragend.

Bis auf Memphis forderte jedoch auch niemand in den ersten 45 Minuten diese koordinierte Verteidigungsreihe. Über die rechte Seite lief bei Barça kaum ein Angriff, was darauf zurückzuführen ist, dass Yusuf Demir stets in die zentralen Halbräume lief, während Außenverteidiger Oscar Mingueza Offensivläufe nahezu verweigerte.

Doch nicht nur diese beiden Akteure der Blaugrana zeigten sich an diesem Abend uninspiriert. Die Mittelfeldspieler rund um Frenkie de Jong und Debütant Gavi lösten sich mit schnellem Kurzpassspiel zwar durch die erste Pressinglinie der Gastgeber, danach schienen sie mit dem vielen Platz im Mittelfeld jedoch nicht viel anfangen zu können, schließlich landeten die Zuspiele meist nur bei dem Mitspieler, der am nächsten zum Ball steht.

Die kurzen Pässe ohne Ertrag zogen sich dabei wie ein roter Faden durch die erste Hälfte. Mit diesen Bällen erleichterten sie dem Cádiz-Bollwerk die Arbeit, da die angespielten Stürmer Barças in der Regel mit dem Rücken zum Tor standen, gleich attackiert wurden und so das Spielgerät oft haben prallen lassen.

An sich kann diese Herangehensweise funktionieren, wenn ein schneller Doppelpass folgt, doch auch in diesem Punkt zeigten sich Luuk de Jong und Co. nicht vorausschauend genug. Explosive Läufe oder Tempowechsel um den Strafraum herum suchte man ebenfalls bei sämtlichen Spielern Barças vergeblich.

Roberto und Coutinho sorgen für mehr Variabilität

Nachdem der FC Cádiz sich kurz nach dem Seitenwechsel um ein aktiveres Spiel bemühte, widmete sich auch der FC Barcelona zu Beginn der zweiten Hälfte einem durchdachten Offensivspiel. Vor allem durch die Einwechslung Sergi Robertos änderte sich die Struktur im System, so zog es ihn im Gegensatz zu Linksfuß Yusuf Demir nicht in die Mitte, sondern nach außen. Dadurch, dass er das Spiel breit machte und nahezu jede nach vorne gerichtete Aktion Frenkie de Jongs über die linke Seite lief, stand Roberto stets als zusätzliche Anspielstation bei einem möglichen Diagonalball frei.

Viel wichtiger war jedoch, dass er so entweder die Abwehrkette des Gegners auseinander zog oder eben völlig blank am zweiten Pfosten lauerte. Mit diesen neu entstandenen Optionen hatte El Submarino Amarillo sichtlich zu kämpfen; mit der Einwechslung von Roberto machte auch Sergiño Dest das Spiel breiter, wovon die Katalanen zwischenzeitlich Gebrauch machten. Nicht selten ergaben sich Abschlussmöglichkeiten aus der zweiten Reihe, indem das Spielgerät mit scharfen Pässen um den Strafraum herum zirkulierte und die Pässe von außen nach innen kleine Löcher in die Hintermannschaft von Cádiz rissen.

Auch der zweite Wechsel Koemans veränderte die Dynamik des Spiels zum Positiven. Auf den Platzverweis von Frenkie de Jong reagierte er umgehend mit der Einwechslung von Philippe Coutinho, der (wie de Jong zuvor) Gegenspieler binden konnte und so wieder neue Räume eröffnete. Auch wenn sein Spiel mit dem Ball am Fuß eher unglücklich verlief, lockte er mehrmals einen Verteidiger aus dem Defensivbund der Gastgeber von dessen Position weg.

Koeman erkannte, dass die Abwehrspieler im Team von Álvaro Cervera die Grundformation aufgaben, um die Offensivakteure der Katalanen bei der Ballannahme unter Druck zu bringen. Immerhin half dieses Mittel, um die Angriffsversuche der Blaugrana im ersten Durchgang im Keim zu ersticken.

Diese vermeintliche Schwachstelle im System des gelben U-Boots versuchten zu Beginn des zweiten Durchgangs auch Gavi und Frenkie de Jong auszunutzen, indem die beiden sowohl als ballferne Spieler als auch mit dem Ball am Fuß des Öfteren auf die Abwehrlinie zuliefen, um Räume zu kreieren.

Wenn sich diese Situationen ergaben, machte aber zu häufig niemand anderes mit, wodurch schlussendlich aus gefährlich wirkenden Ansätzen kein Profit geschlagen werden konnte. Das Problem der Bewegung und der klugen Läufe in die Tiefe blieb schließlich auch über weite Teile der zweiten Halbzeit bestehen.

Barças gute Defensivarbeit nicht ohne individuelle Fehler

Die in Hälfte zwei offensiver orientierte Rolle von Frenkie de Jong und Gavi verstärkte zudem das ohnehin an diesem Abend starke Gegenpressing der Katalanen. Der FC Cádiz wusste sich kaum aus der eigenen Hälfte zu lösen, da Barças Spieler nach einem Ballverlust sofort mit mehreren Spielern alle möglichen Passwege aktiv zustellten. Entlastung gab es für die Hausherren somit nur über lange Bälle oder über Vorstöße auf den Außenbahnen. Doch auch hier wusste sich der FC Barcelona zu helfen. Bei langen Bällen in die zentralen Bereiche des Feldes setzten in der Regel Sergio Busquets sowie Gerard Piqué zum Kopfball an; hier waren die gegnerischen Stürmer stets unterlegen; bei Tempovorstößen über die Flügelspieler doppelte Barça den ballführenden Gegenspieler.

Dass der FC Cádiz trotzdem gefährlich wurde, lag vor allem an den zahlreichen Unkonzentriertheiten, die sich in das Spiel der Gäste aus Katalonien schlichen. Schon früh standen sich Piqúe und Mingueza unnötigerweise auf den Füßen, sodass das intensive Pressing Negredos fast griff; sogar ter Stegen wurde beinahe ein kleiner Stockfehler zum Verhängnis.

Der technische Fehler Riqui Puigs in der 80. Minute leitete eine Großchance der Andalusier ein, weitere unnötige Ballverluste von Busquets (vor allem der Versuch, den Ball in der Schlussphase per Hacke am Gegner vorbeizuschieben) blieben ohne Folgen.

Abgesehen von den wenigen kleinen Aussetzern zeigte sich Barcelona wie schon gegen Granada defensiv gegen den Ball stark verbessert, vor allem was das aktive Gegenpressing in des Gegners Hälfte und das Umschaltspiel nach Ballverlust anbelangte. Immerhin darauf kann Koeman aufbauen – nun gilt es, der Offensive zu mehr Inspiration zu verhelfen.

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