Mingueza souverän, Lenglet holprig, Offensiv-Trio blass: Barças Noten gegen Getafe

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Beim 0:0 in Getafe bekleckerte sich der FC Barcelona nicht gerade mit Ruhm. Die Leistungen der Barça-Akteure waren dürftig, immerhin ließ die Abwehr wenig zu, vor allem Mingueza wirkte sicher. Die Noten und Spielerkritik.

FC Getafe 0:0 FC Barcelona: Die Spielerkritik der Barça-Akteure

 Marc-André ter Stegen

Ter Stegen bekam in Halbzeit eins etwas mehr zu tun als nach der Pause. Der erste Schuss auf das Tor des Deutschen war ein Fernschuss aus knapp 50 Metern, den er mit der Brust stoppte, danach hatte er mit zwei Flachschüssen keine Mühe. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit unterlief ihm allerdings ein krasser Fehler, als er Alves‘ Bogenlampe nicht fangen konnte und das Spiel unnötig scharf machte – sein Glück, dass die Pfeife des Schiris bei Ünals Faller stumm blieb. Dies sollte die letzte Szene ter Stegens sein, da von Getafe nache vorn mit zunehmendem Spielverlauf nichts mehr kam. Am Ende hat Barcelonas Nummer Eins einmal mehr zu Null gespielt. Barçawelt-Punkte: 5

 Dani Alves

Dani Alves war in dieser zusammengewürfelten Abwehrkette mit Abstand der erfahrenste Mann, demnach wirkte er sehr emsig in der Defensive. So bügelte er nach knapp 20 Minuten einen Fehler von Lenglet aus. In Halbzeit eins war er nicht so sehr ins Offensivspiel eingebunden, wie man es sonst von ihm gewohnt ist, da er bei seinen defensiven Mitspielern auffällig oft aushelfen musste. Dies änderte sich jedoch mit dem Wiederanpfiff, ab da wusste Alves sich auch im Spiel nach vorne einzubringen und sorgte situativ für Überzahl im Mittelfeld wie auch für einige hohe Hereingaben. Daraus sprang ein sehenswerter Angriff in Kombination mit Aubameyang und Ferran Torres heraus, wovon es gern mehr hätte geben können. In den darauffolgenden Minuten ging viel über Alves, der im Vergleich zu seinem Pendant Alex Baldé logischerweise deutlich mehr Erfahrung und Selbstvertrauen besaß. Doch diesmal konnte sich Alves nicht im Spielberichtsbogen verewigen, obwohl er bei den Blaugrana einer der besten Spieler auf dem Platz war. Barçawelt-Punkte: 6

 Clément Lenglet

Aufgrund der verletzungsbedingten Ausfälle von Gerard Piqué und Ronald Araújo gab Lenglet den Abwehrchef. Leider konnte er diese Rolle vor allem in der ersten Halbzeit nicht ausfüllen. In den direkten Duellen war er hauptsächlich für Getafes Enes Ünal zuständig, ließ diesen aber immer wieder gewähren. Nach acht Minuten folgte der erste individuelle Fehler, der zum Glück ohne Konsequenzen blieb: ohne Bedrängnis köpfte er tief in der eigenen Hälfte einen hohen Ball ins Niemandsland und achtete nicht auf den heranstürmenden Ünal. Nur etwa eine Viertelstunde später unterlief ihm der nächste Lapsus, der einen Getafe-Konter einleitete. Nach 34 Minuten sah er Gelb für ein eigentlich nicht überhartes Foul. Halbzeit zwei lief für den Franzosen glücklicherweise deutlich ruhiger, was aber auch daran lag, dass die Azulones sich ebenfalls mit diesem Unentschieden abgefunden hatten. Dennoch zeigte Lenglet hier wieder, dass er als Ersatzmann alles andere als sattelfest ist und dadurch auch schnell seine Mitspieler verunsichern kann. Barçawelt-Punkte: 3

 Óscar Mingueza

Ebenso wie Lenglet profitierte auch Mingueza von den zahlreichen Verletzungen und startete von Beginn an. Die fehlende Spielpraxis – Mingueza spielt unter Xavi deutlich seltener als noch unter Ronald Koeman – war ihm zu Beginn anzumerken. In den wenigen Fällen, in denen Getafe Angriffe fuhr, konnte Mingueza sein nicht optimales Stellungsspiel durch seine Geschwindigkeit wettmachen, so lief er beispielsweise Enes Ünal in Minute 59 den Ball ab und vereitelte so eine Großchance. Nur eine Minute später trennte er Real Madrids Leihgabe Borja Mayoral im eigenen Sechzehner stark vom Ball. Der Katalane, der unter Xavi noch nicht so recht zum Zuge kommt, zeigte an seinem 24. Geburtstag alles in allem einen souveränen, zunehmend sichereren Auftritt. Barçawelt-Punkte: 6, MOTM

 Alex Balde (bis 91.)

Jugendspieler Alex Balde ersetzte den gelbgesperrten Jordi Alba und machte so sein erstes Spiel unter Xavi. In diesem wirkte der 18-Jährige von Beginn an spritzig und hochmotiviert. Doch auch ihm unterliefen einige individuelle Fehler, so schenkte er beispielsweise in Minute 37 an der Außenbahn den Ball zu leicht her und schenkte Getafe damit eine Ecke. Es dauerte knapp eine Stunde, bis er sich mehr traute und seine Schnelligkeit voll ausspielen sollte. So fasste er sich in der 73. Minute ein Herz und holte nach einem Sprint Richtung Getafe-Strafraum einen Freistoß aus aussichtsreicher Position heraus. Nur kurze Zeit danach schloss er beherzt aus der zweiten Reihe ab, der Schuss ging aber knapp am Tor vorbei. Balde konnte auf jeden Fall in einer größtenteils ungefährlichen Partie wichtige Spielpraxis sammeln. Barçawelt-Punkte: 5

 Sergio Busquets

Busquets kehrte nach seiner Gelbsperre zurück in die Startelf und bildete in einer halben B-Elf eine wichtige Säule zwischen Abwehr und Mittelfeld. So sorgte er von Beginn an für die nötige Stabilität und wurde der Kapitänsbinde gerecht. Leider war Busquets‘ Spielaufbau in einer zähen Partie nicht so markant, wie man es vom katalanischen Altmeister gewohnt ist. Das lag nicht selten an der fehlenden Bewegung seiner Mitspieler. Defensiv war Busquets kaum gefordert, so musste und konnte er aber kurz nach Wiederanpfiff einen gefährlichen Flankenball auf Getafes Mayoral entscheidend stören. Nach knapp einer Stunde war er allerdings zu spät in einem Zweikampf und sah Gelb. Unterm Strich keine schlechte, aber auch keine glanzvolle Partie von Barcelonas Urgestein. Barçawelt-Punkte: 5

 Riqui Puig

Blieb es am letzten Spieltag gegen Celta noch bloß bei einer Einwechslung, bekam Riqui Puig gegen Getafe wieder einmal einen Startelfeinsatz – seinen zweiten der Saison in La Liga. Quasi mit Ansage wollte sich das einstige Toptalent, das auch unter Xavi einen schweren Stand hat, beweisen. Schon früh fiel Puig durch schnelle Tiefenläufe durch die gegnerische Abwehrkette auf. Kurz vor der Halbzeitpause leitete er sehenswert per Körpertäuschung und schnellem vertikalen Spiel einen Angriff über links ein, den er nach einem Zuspiel von Memphis auch beendete – leider aber ohne Tor. Im Mittelfeld zeigte Puig sich quirlig, wollte das Spiel nach vorn immer schnell machen. Dies gelang jedoch, ähnlich wie bei Busquets, aufgrund der wenigen Bewegung generell im Barcelona-Spiel kaum. In Halbzeit zwei war etwas weniger von Barcelonas Nummer 6 zu sehen, da das Spiel noch statischer wurde. Rundum eine solide Partie von Puig, dem man den Elan ob der vollen Einsatzzeit von Beginn an vor allem anfangs der Partie ansehen konnte. Barçawelt-Punkte: 5

 Gavi

Gavi sollte mit Riqui Puig die Kreativabteilung der Blaugrana bilden. Gegen eine blaue Fünferkette mit sehr wenig Bewegung sollte Gavi die Lücke im Getafe-Block suchen. Hierbei zeigte er sich schon bei den Balleroberungen gewohnt energisch und beim Umschaltspiel dynamisch sowie kreativ. Oft ließ Gavi über weite Strecken der Partie seine gute Übersicht aufblitzen, als er mit langen Diagonalbällen auf die Flügel nach einem wunden Punkt bei Getafe suchte. Leider sprang aus diesen Aktionen nichts Verwertbares bei raus. In Halbzeit zwei probierte er dies nicht mehr so sehr, wohl auch in dem Wissen, dass man nicht zwingend hätte gewinnen müssen. Alles in allem eine Partie ohne Glanz, aber an sich passabel vom 17-Jährigen. Barçawelt-Punkte: 6

 Pierre-Emerick Aubameyang (bis 61.)

Aubameyang begann wieder im Sturmzentrum und hatte schon nach etwas mehr als zehn Minuten die erste Möglichkeit, als eine Flanke von Balde durchrutschte, doch der Gabuner war so überrascht davon, dass ihm der Ball versprang. Ein undankbares Spiel für einen Mittelstürmer, Aubameyang sah gegen drei Innenverteidiger kein Land. So standen am Ende der ersten Halbzeit magere sieben Ballkontakte zu Buche. Auch die Versuche, mit Ferran und Memphis die Positionen zu tauschen, brachten keinen Erfolg. Insgesamt war Aubameyangs Spiel statisch und unglücklich. Nach einer Stunde war Schluss und er wich für Ansu Fati. Barçawelt-Punkte: 4

 Memphis Depay (bis 71.)

Memphis fand sich zu Beginn auf dem linken Flügel wieder, seiner liebsten Position. Er wirkte auch dort gewohnt auffällig und bemüht, aber ihm gelang dafür zu wenig. Seine wenigen Offensivszenen ließ er immer wieder durch zu viel Schnörkel verpuffen: wenn er am Ball in gefährlichem Raum war, hätte er gern ein paar mal mehr direkt aufs Tor schießen können, statt noch einmal abzuspielen oder weiter zu dribbeln. In Halbzeit zwei agierte Memphis dann situativ auf dem rechten Flügel, wo ihm allerdings auch nicht mehr gelang. Er wirkte bemüht, doch blieb ohne Biss und letztlich ohne Ertrag. Zuletzt trat er in Erscheinung, als er sich kurz vor einem Eckball verletzte und dann gar nicht mehr weiterlaufen konnte. Für ihn kam sein niederländischer Kollege Luuk de Jong in die Partie. Barçawelt-Punkte: 4

 Ferran Torres (bis 74.)

Ferran Torres begann die Partie zunächst auf dem rechten Flügel. Da Ousmane Dembélé auf der Bank saß, sollte Ferran für die Hereingaben ins Zentrum sorgen und probierte dies direkt in der Anfangsphase. Zusehends sollte er mit Aubameyang und Memphis rotieren in der Hoffnung, bei den drei Innenverteidigern für Verwirrung sorgen zu können. Doch dies gelang auch Ferran nicht, der direkte Weg zum Tor war oft zu weit, da man sich nicht in gefährliche Situationen spielen konnte. So sprang erst kurz vor der Halbzeitpause die erste Torgelegenheit heraus, als er eine Flanke jedoch weit und ungefährlich über das Tor köpfte. Kurz nach Wiederanpfiff sorgte Ferran nach einer schönen Kombination mit Pierre-Emerick Aubameyang und Dani Alves mit einem Schuss direkt aufs Tor, doch der Heber von der Strafraumgrenze war schlussendlich viel zu optimistisch. Wieder tauschte er mit Memphis die Position und rückte auf seinen linken Flügel in der Hoffnung, dort für mehr Akzente sorgen zu können. Insgesamt jedoch war Barcelonas Offensive auch in Person von Ferran Torres zu statisch, so erkannte er beispielsweise mehrere Gelegenheiten zum Hinterlaufen und Unterstützen seiner Mitspieler nicht. Somit hält Torres‘ Torflaute weiter an. Barçawelt-Punkte: 4

 Ansu Fati (ab 61.)

Ansu Fati bekam erneut eine halbe Stunde Einsatzzeit und sollte in einer zähen und ereignisarmen Partie für mehr Torgefahr sorgen. Zunächst rückte er positionsgetreu zwischen Memphis und Ferran ins Sturmzentrum. Auch Ansu brauchte ein bisschen Zeit, um sich bei dem Bollwerk der Azulones erstmal zurechtzufinden. Die von Xavi erhofften Akzente konnte Ansu leider nicht setzen, so schien er mit zunehmender Spielzeit, sicherlich auch mit viel Respekt vor einer erneuten Verletzung, zu sehr mitzulaufen. Doch auch Ansu wird gewusst haben: dieser eine Punkt beim 0:0 genügte den Katalanen. In der Nachspielzeit ließ er bei einem schnellen Antritt vorbei an zwei Verteidigern noch einmal kurz seine Klasse aufblitzen, doch auch daraus entstand letztlich kein Schuss aufs Tor. Barçawelt-Punkte: 5

 Luuk de Jong (ab 71.)

Barcelonas Edeljoker Luuk kam für Memphis, der sich verletzt hatte, und sollte wie Ansu Fati kurz vorher den Katalanen noch mal mehr Varianz bei den Angriffen bescheren. So lauerte de Jong vor allem zwischen den Innenverteidigern im Zentrum auf Flanken, doch musste er früh merken, dass seine Mitspieler das Führungstor gar nicht mehr richtig anstrebten. So blieb Luuk de Jong ähnlich unsichtbar wie Pierre-Emerick Aubameyang zuvor im Sturmzentrum. Eine undankbare Einwechslung des Niederländers. Barçawelt-Punkte: keine Bewertung

 Mika Marmol (ab 91.)

Mika Marmol durfte in der Nachspielzeit sein Debüt feiern, Xavi schenkte ihm vor dem Schlusspfiff noch ein paar Minuten. Der 20-jährige Innenverteidiger wurde defensiv kaum gefordert, da zu diesem Zeitpunkt auch seitens Getafe nichts mehr nach vorn ging. Doch nun darf er sich offiziell Vizemeister mit der Profimannschaft nennen. Glückwunsch! Barçawelt-Punkte: keine Bewertung

 Trainer Xavi Hernández

Der FC Barcelona reiste unter guten Vorzeichen in den Vorort von Madrid, denn man war seit 14 Auswärtsspielen ungeschlagen und gilt in dieser Saison als die beste Auswärtsmannschaft der Liga. Jedoch versprach diese Partie im Vorfeld nicht einfach zu werden, da Getafe traditionell ruppig spielt und Xavi obendrein so viele Ausfälle in der Defensive wie nie zu beklagen hatte. Die zusammengewürfelte Abwehrkette zeigte zu Beginn einige individuelle Unkonzentriertheiten wie auch Abstimmungsfehler und man war geneigt zu sagen: zum Glück hieß der Gegner nur Getafe, denn gegen eine spielerisch stärkere und offensivfreudigere Mannschaft hätten die Katalanen defensiv weitaus mehr Probleme gehabt. In der Anfangsphase versuchte Barcelona, das Mittelfeld schnell mit langen Bällen zu überbrücken, da Getafe sich hier sehr präsent zeigte. Dies gelang nur ansatzweise. Zusehends machte sich Ideenlosigkeit bei den Katalanen breit. Mit weiterem Voranschreiten der Partie schien man sich mit dem Unentschieden zufriedenzugeben, Barcelona brauchte ja nur noch einen Punkt zur Vizemeisterschaft. Auch Xavi wusste das und ging nicht volles Risiko, obwohl er beispielsweise noch Ousmane Dembélé oder Adama Traoré hätte einwechseln können. Insgesamt spielte die Xavi-Elf überwiegend ideenlos und statisch, trotzdem hat man sein Ziel mit dem zweiten Tabellenplatz nun sicher erreicht, kann mit wichtigen Einnahmen die nächste Saison planen und eine turbulente Saison noch versöhnlich abschließen. Barçawelt-Punkte: 4

 Erklärung zur Punktevergabe

10 Punkte: Weltklasse
9 Punkte: sehr gute Leistung
8 Punkte: gute Leistung
7 Punkte: ansprechende Leistung
6 Punkte: durchschnittliche Leistung
5 Punkte:
unterdurchschnittliche Leistung
4 Punkte: unbefriedigende Leistung
3 Punkte: schwache Leistung
2 Punkte:
ungenügende Leistung
1 Punkt: Totalausfall

Barças schwacher Auftritt in Getafe: Wer überzeugte? Wer enttäuschte?

Clemens Wustmann
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