Mitgliederversammlung: Referendum über Espai Barça-Darlehen – Mitgliedschaft erleichtert

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Bei der fortgeführten Mitgliederversammlung des FC Barcelona stimmten die anwesenden Socios sowohl für die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von anderthalb Milliarden Euro für den Umbau des Camp Nou sowie für Änderungen in den Klubstatuten – darunter eine nicht unumstrittene Aufhebung von Artikel 67. Zudem gab es hervorragende Nachrichten für alle Barça-Fans weltweit.

Ursprünglicherweise sollte die ‚Asamblea de Socios Compromisarios‘, die Mitgliederversammlung des FC Barcelona am vergangenen Wochenende abgehalten werden. Zwar fand diese auch statt, doch da sie am Ende länger dauerte als zunächst geplant, musste sie abgebrochen werden – das Heimspiel gegen Valencia (3:1) stand am Abend an.

Zeit-Panne: Barça muss Mitgliederversammlung abbrechen

Nun, am Samstag vor dem Clásico gegen Real Madrid, kamen die über 4.000 wahlberechtigte Socios erneut im Palau Blaugrana zusammen. Diese ‚Wahlmänner‘ repräsentierten die über 140.000 Mitglieder Barças und stimmten in deren Namen über die wichtigen Tagesordnungspunkte ab, die am vergangenen Sonntag nicht mehr diskutiert werden konnten.

1,5 Milliarden statt 600 Millionen – neues Darlehen für Espai Barça

Zunächst stimmten die Wahlmänner der Aufnahme eines Kredits in Höhe von 1,5 Milliarden Euro von der Investmentbank Goldman Sachs für Espai Barça zu – der erste von zwei Schritten zur Genehmigung des Mammutprojekts ist damit getan. Vor einigen Jahren hatten die Socios bezüglich Espai Barça Kosten in Höhe 600 Millionen Euro zugestimmt – diese sind nun explodiert.

„Die Modernisierung der Sportanlagen ist eine unumgängliche Notwendigkeit für die Zukunft von Barça und seine institutionelle Überlebensfähigkeit“, erklärte Joan Laporta am Samstag gegenüber den versammelten Mitgliedern und fügte hinzu, man benötige den Stadionumbau „um den Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Konkurrenten nicht zu verlieren und um auf gleicher Augenhöhe konkurrieren zu können.“

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Referendum über Espai Barça und Finanzierungsplan

Die „Socios Compromisarios‘ genehmigten mit 405 Ja- zu 21 Nein-Stimmen den Finanzierungsvorschlag für Espai Barça – nun müssen alle Mitglieder des FC Barcelona in einem Referendum über den Kredit und die Neumodellierung des Camp Nou und Vereinsgeländes abstimmen.

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Laporta will Mitgliedern vor Abstimmung für Espai Barça „größtmögliche Transparenz“ bieten

„Wir sind uns darüber einig, dass Espai Barça notwendig ist, aber sie [der Vorstand] müssen dieses 1,5-Milliarden-Darlehen sehr gut erklären“, hatte ein Mitglied und Finanzexperte im Vorfeld der Versammlung gegenüber dem Nachrichtenportal The Athletic gesagt.

Offenbar hat sich Laporta diese Kritik zu Herzen genommen, denn am Samstag versprach der Barça-Präsident die größtmögliche Transparenz. Man werde „jeden einzelnen Euro und jeden Posten erklären. Sie werden informiert, und Sie werden sehen, wofür das Geld verwendet wird, wie die Arbeit ausgeführt wird und welcher Prozentsatz ausgegeben wird, alles in voller Transparenz. Wir denken, dass dies notwendig ist und getan werden muss. Wir müssen die Finanzen wieder in den Griff bekommen, und vor allem müssen die Mitglieder rechtzeitig über jeden Euro, der in jede Arbeit investiert wird, informiert werden“, so Laporta.

Ein Datum für das Espai Barça-Referendum steht noch nicht fest.

Verschiedene Klubstatuten des FC Barcelona geändert

Zudem würde über diverse Änderungen der Klubstatuten votiert. Die insgesamt sechs Satzungsänderungen umfassen unter anderem die Aufnahme der UN-Menschenrechtserklärung in die Klubstatuten, eine maximale Anzahl von 25 Vorstandsmitgliedern (bisher 21), die Beschränkung der Amtszeit eines Vorstands von sechs auf fünf Jahre sowie die Einführung einer Kommission für Ethik und Transparenz.

Barça-Fans weltweit können Vereinsmitglied werden – per Online-Antrag

Während diese Abstimmungspunkte eher wenig interessanter Bürokratie entsprachen, gab es eine äußert wichtige Änderung für alle Fans des FC Barcelona – besonders für diejenigen, die nicht aus Spanien stammen.

Schon im Sommer hatte Laporta allen Anhängern eine erleichteren Beitritt zur Vereinsmitgliedschaft beim FC Barcelona versprochen, dies ist künftig möglich.

257 Ja-Stimmen gab es für die Änderung von Artikel 12, die besagt, dass „neue Mitgliedschaften nicht nur wie bisher persönlich [vor Ort beim Verein] beantragt werden müssen, sondern dass nun auch die Möglichkeit der elektronischen Antragstellung besteht“.

Heißt: Wer künftig Vereinsmitglied beim FC Barcelona werden möchte, kann seinen Antrag darauf ganz einfach online auf der Vereinswebsite ausfüllen – eine enorme Erleichterung für alle Barça-Fans weltweit, die Socio werden wollen.

Artikel 67 außer Kraft gesetzt – Barça-Vorstand darf mehr Schulden machen

Neben diesen Statutenänderungen, die alle die geforderte Zweidrittel-Mehrheit erreichten und somit angenommen wurden, hat Laporta selbst auch einen wichtigen Sieg bei einer ihm betreffenden Satzungsänderung gelandet.

Und zwar durch die Änderung, Artikel 67 der Vereinssatzung außer Kraft zu setzen. Dieser Artikel besagt, dass der Vorstand zurücktreten muss, wenn das Verhältnis zwischen Schulden und EBITDA (Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) des Vereins mehr als zwei beträgt – also wenn die Schulden doppelt so hoch sind wie der Gesamtgewinn vor sämtlichen Abzügen.

Bedeutet: Laporta und sein Vorstand müssen nun nicht zurücktreten, sollte der Klub unter ihrer Führung in zwei nacheinander folgenden Saisons Verluste machen. Genau darauf steuert der FC Barcelona nämlich zu, prognostiziert wird, dass Barça auch in dieser Spielzeit finanzielle Verluste machen wird. Obwohl Ex-Präsident Josep Maria Bartomeu die letzte Saison 2020/21 verantwortet hat, hat das Geschäftsjahr offiziell Joan Laporta abgeschlossen – mit am Ende einem Verlust in Höhe von 468 Millionen Euro.

Aufgenommen in die Satzung wurde dieser Artikel 67 ursprünglich unter Präsident Sandro Rosell im Jahre 2013, als Folge der hohen Ausgaben seines Vorgängers – dieser war just Joan Laporta. Zwar macht eine vorläufige Änderung dieses Artikels Sinn, damit der Vorstand in diesen finanziell schwierigen Zeiten bei einem erneuten Verlust nicht direkt zurücktreten muss. Ein dauerhaftes Außerkraftsetzen von Artikel 67 könnte jedoch zur Aufnahme von zu hohen Schulden in der Zukunft führen.

Für Laporta selbst war die Außerkraftsetzung dieses Statuts also der größte persönliche Erfolg auf der Mitgliederversammlung an diesem Abend.

Finanzprüfungs-Ergebnisse veröffentlicht: Barça war bankrott!

Bastian Quednau/Alex Truica


Bastian Quednau
Redakteur und Autor bei Barçawelt sowie bei Film-Rezensionen.de
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