Brennpunkte | Barças Flanken-Fokus gegen Kiews unkoordinierte Viererkette

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Der FC Barcelona fährt dank Flanken-Fokus im ersten Durchgang und einem disziplinierten Pressing den ersten Sieg in der Champions League ein. Gegen Dynamo Kiew gelingt jedoch sehr wenig im Spiel durch das Zentrum. Die Brennpunkte.

Albas Flanken auf den zweiten Pfosten

Dass der FC Barcelona nach zwei krachenden Niederlagen aus den ersten beiden Partien in der diesjährigen Champions-League-Saison an Spieltag 3 der Gruppenphase das erste Erfolgserlebnis einfahren wollte, ließ die Mannschaft von Ronald Koeman die 45.968 anwesenden Zuschauer im Camp Nou sofort wissen. Bereits in der zweiten Minute tauchte Sergiño Dest vor dem gegnerischen Gehäuse auf, brachte die Flanke Jordi Albas jedoch nicht im Tor unter.

Dennoch sollte diese Aktion das Muster einiger Angriffe im ersten Durchgang aufzeigen. Hohe Flanken auf den langen Pfosten schien das Mittel gewesen zu sein, das Ronald Koeman ausgewählt hatte, um die ukrainische Abwehrkette in Bedrängnis zu bringen – daher auch die Startaufstellung von Luuk de Jong als Turm im Angriffszentrum.

Aus diesem Grund fixierten die Akteure der Blaugrana das Spiel früh auf die Außenbahnen, von wo aus stets Gefahr ausging, wenn vor allem Jordi Alba zu Flankenläufen ansetzte. Dadurch, dass Memphis Depay ein ums andere Mal ohne Ball am Fuß in das Zentrum zog und so den Rechtsverteidiger Kiews, Tomasz Kedziora, von dessen Position lockte, erhielt Alba jenen Platz, den er für Zuspiele in den Strafraum brauchte.

Dabei fiel auf, dass der 32-jährige Linksverteidiger kaum die von ihm sonst gewohnten flachen Hereingaben in die Gefahrenzone schob, sondern die Mitspieler mit ausschließlich hohen Flanken auf den zweiten Pfosten bediente. Zunächst schien einer Vorarbeit Albas lediglich die Abschlussschwäche Dests im Weg zu stehen, so verpasste es der holländische US-Amerikaner nach Alba-Flanken am stets völlig verwaisten langen Pfosten, den Führungstreffer zu erzielen. In der 37. Minute fand Barças Linksverteidiger im Anschluss an einen Eckball mit seiner Hereingabe Gerard Piqué, der dann völlig frei hinter der langgezogenen Abwehrkette der Gäste den Führungstreffer für die Katalanen besorgte.

Am Mittwochabend agierte die komplette Viererkette Kiews im eigenen Strafraum bei Alba-Flanken sowie Memphis-Hereingaben bei ruhenden Bällen extrem desorientiert.

Im zweiten Spielabschnitt stellten die Katalanen das Flanken dann aber trotzdem nahezu komplett ein, nahmen Luuk de Jong heraus, ändert so die Herangehensweise und fokussierten sich auf das bewährte Kurzpassspiel. Der Ertrag sollte aber ausbleiben.

Dynamo Kiew stellt das Zentrum zu

Während sich die Gäste aus der Ukraine mit Barças hohen Bällen in den Strafraum schwertaten, verhinderten sie, dass die Blaugrana durch das Zentrum gefährlich wurde. Indem mit Vitaliy Buyalskyi und Vladyslav Supriaha die beiden zentralen Offensivkräfte Dynamo Kiews in der Regel auf derselben Höhe die Passwege zu den zentralen Mittelfeldspielern Barças zustellten, blieben Clément Lenglet und Gerard Piqué eben häufig nur halbhohe Bälle auf die Außenbahnspieler, um überhaupt Raumgewinne erzielen zu können.

Wenn diese die Mittelfeldspieler mit Pässen versorgen wollten, kam häufig Busquets Alba und Co. entgegen, um kurze kontrollierte Anspiele entgegenzunehmen und in zentralere Regionen des Feldes weiterzuleiten. Hier verteidigte die Truppe Mircea Lucescus häufig gestaffelt mit zwei Viererketten die Räume, um dann zu zweit mit voller Intensität einen Barça-Akteur anzulaufen, sobald dieser Tempo aufnahm.

Sogar Barças neu gefundene Waffe (ein Doppelpass zwischen dem auf die Kette stürmenden Angreifer und jenem, der mit dem Rücken zum Tor steht), wurde von den Gästen gekonnt außer Gefecht gesetzt, indem jeder Offensivspieler Barcelonas entscheidend gestört wurde, noch bevor der erste Ballkontakt überhaupt zustande kam.

Mit der Einwechslung von Philippe Coutinho versuchte Koeman wohl, einen Spieler auf das Feld zu schicken, der sich auch auf diesen engen Räumen behaupten kann – wirkliche Probleme bekam Dynamo Kiew mit dem Brasilianer jedoch keine. Immerhin sorgte die Umstellung auf ein Spiel mit einem Zehner, der aus der Tiefe kam, für etwas Verwirrung bei den Gästen. Für mehr aber auch nicht.

Barças Pressing schnürt Kiew ein

Was Kiews Trainer Lucescu dafür wohl Kopfschmerzen bereitet haben dürfte, war das aggressive Gegenpressing der Blaugrana. Denn wenn die Ukrainer den Ball eroberten und in den eigenen Reihen behielten, versuchten sie es eher selten mit sofortigen Kontervorstößen. Stattdessen peilten sie an, das ein oder andere Mal das Spielgerät in den eigenen Reihen laufen zu lassen. Ein Mittel, gegen das die Katalanen nach 20 Minuten ein Gegenmittel fanden: Pressing. In der 21. Spielminute resultierte daraus auch die Chance von Luuk de Jong.

Doch Kiew schien seine Lehren nach dieser Möglichkeit, der ein Fehlpass des Torhüters Bushchan vorausging, nicht gezogen zu haben. Das unbesorgt wirkende Aufbauspiel, das auch noch im eigenen Strafraum unaufgeregt aufgezogen wurde, blieb ein fester Bestandteil des Matchplans Kiews.

Mit Ansu Fati betrat zum Seitenwechsel ein Akteur den Rasen, der auf unsaubere Zuspiele in diesen Bereichen des Platzes lauerte und dadurch die Gäste aus der ukrainischen Hauptstadt sichtlich stresste. In der 53. Minute eroberte Fati per Grätsche den Ball im gegnerischen Fünfer gegen Bushchan. Hätte das La-Masia-Talent anschließend für die in den Strafraum gestürmten Coutinho oder Busquets angespielt, statt es selbst mit dem Rücken zum Tor zu versuchen, hätten sich die Culés vermutlich über einen zweiten Treffer ihrer Mannschaft und so einen wesentlich ruhigeren Abend freuen können.

Offiziell: Ansu Fati verlängert bei Barça bis 2027

Ausschlaggebend dafür, dass das katalonische Pressing auch griff, waren die Abstände der absichernden Akteure zu den Mitspielern. Vor allem Busquets und Mingueza sind hier hervorzuheben. Die beiden rückten in jene Räume, in denen sie zweite Bälle gewinnen konnten, ohne dabei in große Bedrängnis zu geraten; schließlich hielten sie genug Abstand zu potenziell zum Gegenangriff ansetzenden Ukrainern, sodass frühzeitige mögliche Eins-gegen-Eins-Duelle verhindert wurden.

Auch Ronald Koeman zeigte sich nach dem Spiel erfreut über Barças Pressing: „Wir müssen auch die Arbeit ohne Ball hervorheben, wo wir uns verbessert haben“, so der niederländische Übungsleiter.

Dass die Partie nach einer Stunde etwas abebbte, lag auch daran, dass die Katalanen kaum mehr zum Pressing kamen, auch weil die bis dahin äußerst tief und kompakt stehenden Gäste ihre Grundordnung um einige Meter nach vorne schoben. Am Ende steht für die Blaugrana so ein ungefährdeter und doch glanzloser Pflichtsieg auf dem Papier. Im Clásico gegen Real Madrid würden sich wohl einige Zuschauer auf eine deutlich packendere Partie freuen.

Benjamin König
Fútbol, Calcio, Fotball - in Spanien, Italien, Skandinavien. Redakteur bei Barçawelt, Podcaster bei Polarlichtspiel - dem skandinavischen Fußballpodcast
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