„Missbrauch“, „Veruntreuung“, „Betrug“: Barça setzt Staatsanwaltschaft auf Bartomeu-Riege an

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Der FC Barcelona hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Rede ist von Betrug, Veruntreuung und Fälschung von Dokumenten unter Ex-Präsident Bartomeu. Neben überhöhten wurden bei einer Untersuchung auch unrechtmäßige Zahlungen festgestellt. Präsident Joan Laporta erklärte Einzelheiten dazu nun auf einer Pressekonferenz.

FC Barcelona: Laporta und Co. schalten Staatsanwaltschaft ein

Der neue Vorstand des FC Barcelona rund um Präsident Joan Laporta arbeitet nach wie vor daran, Licht in die Aktivitäten des alten Vorstands und Ex-Präsidenten Josep Maria Bartomeu zu bringen. Aus diesem Grund wurde bereits 2021 eine Finanzprüfung (Due-Diligence-Prüfung) in Auftrag gegeben, die „besorgniserregende Dinge“ zutage gefördert hatte. 

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Bereits bei der Veröffentlichung dieser Ergebnisse kündigte der Klub an, „zusätzlich zur Due-Diligence-Prüfung eine forensische Untersuchung in Auftrag“ zu geben, „die mögliche Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung des Klubs aufdecken soll.“

Nachdem die Ergebnisse dieser ‚forensischen Wirtschaftsprüfung‘ dem Vorstand vorlagen, hat der Verein am Mittwoch, 26. Januar bei der Staatsanwaltschaft der Provinz Barcelona bereits Anzeige wegen möglicher Vergehen in der vergangenen Amtszeit erstattet. An diesem Dienstag teilte Joan Laporta auf einer Pressekonferenz nun die Gründe für diesen Schritt mit.

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„Illoyales Verhalten“ – „Handlungen, die den Klub in den Ruin geführt haben“

„Wir haben eine Due-Diligence-Prüfung in Auftrag gegeben, bei der Operationen von zweifelhafter wirtschaftlicher Rentabilität festgestellt wurden, die eine weitere Analyse verdienen“, erklärte Laporta. „Wir haben Zahlungen ohne Grund oder Zahlungen mit falschem Grund oder unverhältnismäßige Zahlungen festgestellt, die ein illoyales Verhalten belegen und eine ungerechtfertigte Bereicherung der für diese Zahlungen Verantwortlichen nicht ausschließen.“

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Laporta weiter: „Wir haben festgestellt, dass es überhöhte Zahlungen gab. Sie waren ein Beweis für illoyales Verhalten mit dem Vereinsvermögen und schlossen nicht aus, dass sich jemand bereichert hatte. Wir haben sie dem Vorstand zur Prüfung vorgelegt und die Staatsanwaltschaft auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht. Wir haben dies getan, weil die Mitglieder des Klubs das Recht haben, die Handlungen zu kennen, die den Klub in den Ruin geführt haben, und weil wir nicht an diesen Handlungen, die den Klub in diese heikle Lage gebracht haben, mitschuldig sein wollen.“

Laporta: „Verfolgung möglicher Straftaten“ nicht Barças Aufgabe

Anschließend erklärte der Präsident, weshalb man den Schritt getätigt habe, nun mit den Behörden zusammenzuarbeiten: „Den Sachverhalt anzuzeigen und der Staatsanwaltschaft zu übergeben war richtig, weil wir weder Richter noch die Polizei sind. Wir glauben, dass die Staatsanwaltschaft alle diese Fakten besser untersuchen wird. Unsere Aufgabe ist es, einen Klub zu leiten und unseren Mitgliedern Freude zu bereiten, daher war es nicht unsere Aufgabe, uns auf die Verfolgung möglicher Straftaten zu konzentrieren. Wir glauben, dass dies im besten Interesse des Klubs ist.“

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„Heute überbringen wir eine traurige Nachricht, und wir tun dies aus Verantwortung und weil wir deutlich machen wollen, dass wir uns an dieser Art von Verhalten nicht beteiligen“, schloss Laporta seine Eröffnungsrede ab. „Wir können nicht auf Lügen bauen, sondern auf Fakten, die eine dunkle Periode in unserer Geschichte markiert haben, die wir schließen wollen, damit Licht und Erfolg zurückkehren können.“

FC Barcelona verlor 600 Millionen Euro in zwei Jahren

Anschließend übernahm Eduard Romeu, Vizepräsident im Bereich Wirtschaft beim FC Barcelona, das Wort. „Als wir ankamen, wurden die langfristigen Schulden bei uns eingefordert. Dann war kein Geld mehr da, um die Gehälter der Spieler zu bezahlen. Wir baten wir um das [vollständige] Bild [von Barças Finanzsituation und gaben daher] die Due Diligence [in Auftrag]. Wir mussten einen glaubwürdigen und soliden Plan erstellen, der von den Geldgebern akzeptiert werden würde. Es musste ein nachhaltiger Plan mit einer vorbildlichen Organisation sein.“

Die Ergebnisse dieser Finanzprüfung waren jedoch düster. „Die Bild zeigte, dass wir eine Verschuldung von 1,35 Milliarden Euro haben” führte Romeu weiter aus. „389 Millionen Euro entsprechen aufgeschobenen Gehältern von Spielern oder Variablen, die verschleiert sind. 160 Millionen Euro entfallen auf von der Liga anerkannten Überbewertung der Spieler. 80 Millionen an Rechtsstreitigkeiten, von denen wir überzeugt sind, dass sie nicht zu unseren Gunsten entschieden werden, 79 Millionen Euro an Vorschüssen für Fernsehrechte, die bereits ausgegeben worden waren. 56 Millionen Euro an Verpflichtungen gegenüber der Stadtverwaltung für ‚Espai Barça‘. Um es noch deutlicher zu sagen: In den letzten beiden Spielzeiten hat der Verein 600 Millionen verloren, und nur 135 Millionen davon entfallen auf die Folgen der Corona-Pandemie.”

Bei Barça wurden „Dinge schlecht oder gar nicht gemacht“

Das Problem in der Amtszeit des Vorstands unter der Leitung von Bartomeu, der im Herbst 2020 geschlossen zurückgetreten ist, war auch, dass anscheinend die Infrastruktur des Vereins vernachlässigt wurde. „In den letzten sieben Jahren wurden keine Investitionen in die veralteten Einrichtungen des Klubs getätigt. Es gibt Dinge, die sehr schlecht gemacht wurden, und auch solche, die gar nicht gemacht wurden.“

Romeu weiter: „Bei den Ausgaben lag die unsere Lohnsumme im Vergleich zu unseren Mitkonkurrenten bei über 40 Prozent. In diesen [vergangenen] 10 Monaten [unter dem neuen Vorstand] haben wir Lohneinsparungen in Höhe von 159 Millionen Euro erzielt. Es gab eine Zeit, da war die Lohnsumme höher als die Einnahmen des Vereins. Diese Last, die uns aufgebürdet wurde, ist sehr schwer, und jemand muss die Verantwortung übernehmen, aber niemand außer uns selbst wird sie lösen.“

„Man kann das Geld nicht verschenken oder missbrauchen“

Zu guter Letzte erklärte Jaume Campaner, Fachanwalt für Verfahrensrecht, noch einmal weshalb die Staatsanwaltschaft nun eingeschaltet wurde: „Die Staatsanwaltschaft vertritt das Recht und verfügt über Ressourcen, die der Verein nicht hat, sie hat spezialisierte Abteilungen. Ich möchte klarstellen, dass es [auf dieser Pressekonferenz] nicht darum geht, das Management des vorherigen Vorstands zu untersuchen oder als besser oder schlechter zu qualifizieren, sondern darum, die Öffentlichkeit auf ein sehr schwerwiegendes, ja sogar grobes Verhalten aufmerksam zu machen, das aus rechtlicher oder wirtschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar ist.“

„Der Anzeige werden Beweise beigefügt, die Untreue gegenüber einem Gut [gemeint ist der Klub, Anm. d. Red.], das nicht einem Gremium, sondern den Mitgliedern gehört, angeprangert“, führte Campaner weiter aus. „Und wenn man das Vermögen eines anderen verwaltet, kann man das Geld nicht verschenken oder missbrauchen, als ob es einem gehören würde. Sie können nicht tun, was sie wollen. Wir reden hier nicht über Nuancen, sondern über Millionenbeträge.“

Barça hat „Hinweise auf Fälschung von Dokumenten“

„Es gibt einen ersten Punkt [in der Strafanzeige] von Vergütungen für Vermittler für überhöhte Preise. Es wurden Provisionen von bis zu 33 Prozent und nicht die üblichen 5 Prozent festgestellt. Daraus ergab sich ein steuerliches Risiko. Vor einigen Tagen musste der Verein drei Millionen an die Steuerbehörden zahlen, um seine Interessen zu schützen. Und es wurden Verträge mit einem ausländischen Vermittler aufgedeckt, bei denen seine Luxusgüter vom Verein bezahlt wurden. Laut Vertrag ist er ein technischer Beobachter. In den Archiven des Klubs findet sich jedoch kein Bericht aus dieser Zeit.“

Campaner weiter: „Eine Anwaltskanzlei verlangte 2 Millionen für eine Compliance-Vereinbarung, eine weitere 1 Million und schließlich 7 Millionen für die angebliche Einmischung in die Unterzeichnung eines Spielervertrags. Unserer Meinung nach fällt dies unter den Begriff der Veruntreuung oder der unlauteren Verwaltung. All dies ist verbunden mit Hinweisen auf die Fälschung von Dokumenten.“

Konten bei Barcelona wurden versteckt – „Unrechtmäßige Zahlung von 15 Millionen Euro“

„Ein zweiter Punkt ist die Änderung der Konten, um sie vor Mitgliedern und Dritten zu verbergen„, führt Campaner die Anzeige weiter aus. „Der gemeinsame Nenner war, dass die Preise der Spieler stark überhöht waren. Das Ergebnis sind künstliche Buchgewinne, die die tatsächliche Situation des Vereins nicht widerspiegeln. Das Strafgesetzbuch nennt dies den ‚Straftatbestand der falschen Rechnungslegung‘. Der Verein ist verpflichtet, sie auf den Tisch zu legen.“

„Ein dritter Punkt ist, dass Barcelona sich das Schweigen Dritter erkauft hat. Und es gibt Hinweise auf die unrechtmäßige Zahlung von 15 Millionen Euro an einen Verein für die Rechte an jungen Spielern.“

Laporta: „Habe nicht mit Bartomeu gesprochen“

In der abschließenden Fragerunde bekräftigte Laporta noch einmal: „Von jetzt an müssen wir die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft erleichtern. Wir müssen die Hauptverantwortlichen für diese Verhaltensweisen ermitteln. Wir haben mit einer sehr schlechten Wirtschaftslage gerechnet [als wir das Amt angetreten haben], aber die Realität hat unsere Erwartungen übertroffen. Bei der Due-Diligence-Prüfung wurden einige Dinge festgestellt, die einer weiteren Analyse bedurften. Was wir angeprangert haben, sind unbestreitbare Tatsachen, Zahlungsvorgänge ohne Grund, die unverhältnismäßig sind. Die Staatsanwaltschaft muss feststellen, ob diese Handlungen eine Straftat darstellen.“

Konkrete Namen von Leuten, die in der Vergangenheit unrechtmäßig gehandelt haben könnten, nannte Laporta nicht. Auf die Nachfrage, ob er mit dem Ex-Präsidenten darüber geredet habe, berichtete er, dass er „nicht mit Bartomeu gesprochen“ habe, aber „offen für ein Gespräch“ sei, „wenn er es wünscht.“

Kontrollen bei Barça wurden systematisch umgangen

Klar scheint jedoch auch, dass die aufgefundenen zweifelhaften Vorgänge im Klub nicht das Ergebnis von Einzelfällen waren. „Ich möchte betonen, dass es einen wiederkehrenden Modus Operandi gab, bei dem interne Kontrollen bestimmter Vorgänge und auch gesetzliche Kontrollen umgangen wurden“, erklärte Laporta. „Einige wurden nicht vom Vorstand kontrolliert, und die entstandenen Schulden wurden nicht von der Mitgliederversammlung genehmigt.“

Rousaud: “Jemand hat seine Hand in der Schatulle”

Auf die Nachfrage, ob er glaube, dass jemand in der Vergangenheit die Hand in der Kasse hatte, antwortete Laporta abwehrend: „Das ist ein sehr ernstes Thema. Ich habe nie gesagt, dass sie sich ungerechtfertigt bereichert haben, die Due-Diligence sagt das. Was wir darüber denken, ob sie ihre Hand in der Kasse hatten, ist irrelevant, da dies von der Staatsanwaltschaft festgestellt werden wird. Das Problem ist, dass die internen Kontrollen umgangen wurden.”

Laporta hat einen Plan, um Einnahmen für Barça zu generieren

Auch im weiteren Verlauf weigerte sich Laporta, bestimmte Namen zu nennen, die als gezielte Anschuldigungen hätten gedeutet werden können. Er verriet jedoch: „Ich werde jetzt nicht sagen, wer diese Dokumente unterzeichnet hat. Es ist klar, dass diejenigen, die die Befugnis hatten, diese Vorgänge zu unterzeichnen, sie auch unterzeichnet haben. Einige Vorgänge sind bereits Gegenstand eines Strafverfahrens, ‚Barçagate‘. Die Staatsanwaltschaft wird feststellen, ob diese bevollmächtigten Personen an einem kriminellen Verhalten beteiligt waren oder nicht.“

Barçagate: Polizei sieht Anzeichen für Korruption

All diese Vorkommnisse, inklusive Barças derzeitiger sportlicher und finanzieller Situation, werfen lange Schatten auf das Vorhaben, den Klub wieder zu alter Größe zu führen. Laporta versprach jedoch: „Wir haben einen Fünfjahresplan und sehr ehrgeizige Ziele für diese Saison. Wir werden versuchen, Schulden zu tilgen und neue Einnahmen für den Klub zu generieren. Wir wissen, dass es sehr schwierig ist, aber wir haben einen strategischen Plan.“

Bastian Quednau
Schreibt über spanischen Fußball, leidet mit dem FC Schalke 04 und den Jacksonville Jaguars.

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