Brennpunkte | Osasuna nutzt Barças wenige Unaufmerksamkeiten aus

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Der FC Barcelona schaffte es beim CA Osasuna nicht, drei Punkte einzufahren. Die lauffreudigen Rojillos verhinderten Barças kontrolliertes Spiel durchs Zentrum. Da die Katalanen bei Standards zu achtlos auftraten, reichte es nicht für den Auswärtssieg. Die Brennpunkte.

Osasuna verhindert kontrollierten Spielaufbau durch das Zentrum

Die Akteure der Blaugrana sahen sich früh mit einem offensiven Anlaufverhalten der Gastgeber konfrontiert, was Barça erstmal an einem vertikalen Aufbauspiel hinderte. Sobald ein Katalane den Ball mit dem Körper zum eigenen Tor gerichtet abholte, tauchte sofort ein Gegenspieler giftig im Rücken auf. Dadurch wurden die Mittelfeldspieler des FC Barcelona häufig zu Rückpässen gezwungen, doch die Truppe von Jagoba Arrasate lauerte auch darauf und lief selbst Marc-André ter Stegen stets intensiv an. Auch in Minute 71 noch mit zwei Mann am Fünfermeterraum.

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Doch nicht nur dem deutschen Schlussmann wurde so eine Teilnahme an der Spieleröffnung nahezu unmöglich gemacht. Ausgerechnet Sergio Busquets, der sonst unter Xavi bisher als Schaltzentrale (mit Ausnahme des Spiels beim FC Bayern) gut agierte, fand überhaupt keine Bindung zum Spiel.

Durch das Positionsspiel gegen den Ball wussten Los Rojillos, Zuspiele auf Barças Nummer 5 zu unterbinden. Sobald die Spieler der Blaugrana versuchten, von hinten heraus zu kombinieren, stellte Osasuna jegliche Passwege zu Busquets zu, indem sie im Viereck um ihn standen. Damit verhinderte man nicht nur, dass der erste Ball nicht zu Busquets kommt, sondern erschwerte es auch dem Außenverteidiger, der dann von den Innenverteidigern in der Regel gesucht wurde, den 33-jährigen Mittelfeldakteur anzuspielen.

Auf der anderen Seite verpasste Barça es, genug Druck auf die Hintermannschaft Osasunas bei deren Aufbauspiel auszuüben. Frenkie de Jong und Luuk de Jong liefen zwar den Passweg zur jeweils nächsten vertikalen Anspielstation zu, doch ein Querpass genügte in den meisten Fällen dem Team aus Pamplona, um diese Anlaufversuche wirkungslos erscheinen zu lassen. Auch weil die Mitspieler der beiden Niederländer Pressingsituationen nicht rechtzeitig erkannten und so zwar aggressiv gegen den Ball arbeiteten, jedoch viel zu spät in die Duelle kamen, wodurch die Spieler Osasunas in der Regel genug Zeit hatten, den Ball zu kontrollieren und auf den bevorzugten Fuß zu legen.

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Gefahr durch Barças Flügelspieler

Was die Gastgeber im El Sadar jedoch vor Probleme stellte, waren die Vorstöße Barças über die Außenbahn; hier nutzten die Katalanen die Schwächen im Matchplan Arrasates über weite Teile des Spiels aus. Das Team von Xavi Hernández reagierte früh auf das Mittel der Heimmannschaft, Zuspiele in das Zentrum zu verhindern, indem die Bälle sofort auf die Außenbahnen gespielt wurden. Jedoch zunächst auf unterschiedlicher Art mit unterschiedlichem Erfolg.

Ez Abde wurde entlang der Seitenlinie in einige Laufduelle geschickt, wo er stets sein Tempo einsetzte, um zielstrebig gen Sechszehner des Gegners zu stoßen.

Der bis zum Seitenwechsel wenig bewirkende Ousmane Dembélé auf der rechten Außenbahn adaptierte Ez Abdes Spielstil nach dem Seitenwechsel und ging in das Tempodribbling mit Juan Cruz, bevor er seinen marokkanischen Mitspieler bediente. Dieser unterstrich beim Schuss zum 2:1 die von ihm an den Tag gelegte Entschlossenheit.

Dass diese Kombination nicht früher zustande kam, lag vor allem an der Spielweise Dembélés im ersten Durchgang. In den ersten 45 Minuten wurde das Spielgerät Barças Nummer 7 vermehrt so zugespielt, dass er mit dem Ball am Fuß auf die gegnerische Viererkette zudribbeln sollte. Dabei entwickelte Dembélé jedoch keine Durchschlagskraft, was vor allem daran lag, dass bei Osasuna hinter Juan Cruz stets ein weiterer Spieler – entweder David García oder Lucas Torró – absicherte, um den Franzosen zu stoppen, falls er an Cruz vorbeikam.

Mehr Freiheiten für den 24-Jährigen ergaben sich vor allem zu Beginn des zweiten Durchgangs, als Nico Gonzalez bei Vorstößen Barças in den Raum hinter Cruz zog, um den zweiten Gegenspieler zu binden. Vor allem nach Nicos Auswechslung wurde die Wichtigkeit Nicos in dieser Position deutlich. Bis zur eigenen verletzungsbedingten Auswechslung lief sich Dembélé wieder mehrmals fest.

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Unaufmerksamkeiten bei ruhenden Bällen kosten den Sieg

In einer intensiven Partie sorgte vor allem ein Mittel für Gefahr im Barça-Strafraum und schlussendlich auch für die beiden Gegentreffer: Standardsituationen. In beiden Szenen ließ Barça die Gegenspieler aus den Augen. Bei David Garcías Treffer zum 1:1 leisteten die Katalanen dem 27-Jährigen nicht einmal Begleitschutz, wodurch der Innenverteidiger ohne jegliche Gegenwehr den Kopfball in die Maschen bugsieren konnte. Die erste richtige Unaufmerksamkeit im Spiel der Blaugrana wurde postwendend bestraft.

Allzu viele Unaufmerksamkeiten in der Nähe des eigenen Sechszehners leistete Barça sich infolgedessen nicht – vielmehr stemmte sich der FC Barcelona in der Schlussphase gegen die anlaufenden Gäste mit vereinten Kräften; auch Dembélé arbeite am und im eigenen Strafraum in der letzten Viertelstunde mit zurück.

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Dass derzeit im Kollektiv bei Barça gegen den Ball gearbeitet wird, beweist ausgerechnet die Entstehung zu Osasunas zweitem Treffer. Philippe Coutinho diente zwar ungewollt als Vorlagengeber für Chimy Ávila, der ohne Gegenspieler um ihn herum zum Abschluss kam, bewies aber mit seiner Klärungsaktion, dass auch er sich nicht zu schade darum ist, im eigenen Strafraum bei Standards tatkräftig auszuhelfen, statt sich alibi-mäßig im Raum zu positionieren. Am Ende sorgten so vor allem zwei Momente, in denen die Gegenspieler bei ruhenden Bällen aus dem Auge gelassen wurden, für den Gleichstand auf der Anzeigetafel.

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Benjamin König
Fútbol, Calcio, Fotball - in Spanien, Italien, Skandinavien. Redakteur bei Barçawelt, Podcaster bei Polarlichtspiel - dem skandinavischen Fußballpodcast
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