Fünf Fragen, fünf Antworten: Darum ist Xavi die beste Lösung für Barça

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Nach mehr als sechs Jahren in Katar kehrt Xavi als Cheftrainer zum FC Barcelona zurück und soll dort einen Neuaufbau starten. Doch ist er der richtige Mann dafür? Ist der Zeitpunkt ideal? Und vor allem: Ist Xavi erfahren genug? Ein Kommentar.

Xavis Amtsübernahme zum falschen Zeitpunkt?

Xavi soll den angeschlagenen FC Barcelona aus der Krise führen. Ist der Zeitpunkt für die Rückkehr des ehemaligen Weltklasse-Mittelfeldspielers ideal? Kurze Antwort: Nein.

Während einer Saison das Traineramt zu übernehmen, ist nie ideal, alleine schon, weil die Sommervorbereitung wegfällt, die es einem neuen Trainer ermöglicht, in Ruhe die Mannschaft kennenzulernen und seine Ideen zu implementieren.

Gleichwohl heißt das natürlich nicht, dass nicht auch Trainer, die während einer Saison kommen, nicht schnell und erfolgreich einer Mannschaft ihre Handschrift verpassen können. Das jüngste Beispiel hierfür wäre Thomas Tuchel, der den FC Chelsea während der letzten Saison übernahm und direkt zum Champions-League-Titel führte – was übrigens auch Erzrivale Real Madrid 2016 unter Zinedine Zidane schaffte. Selbiges sollte man jetzt zwar nicht von Xavi erwarten, aber es zeigt, dass man auch ohne Sommervorbereitung mit intensiver Arbeit ein Team schnell verändern kann.

Die leidige Frage nach der Erfahrung

Es gibt durchaus einige Stimmen, die befürchten, dass Xavi zu früh zum FC Barcelona zurückkehrt. Zum einen, da der Verein gerade sehr schwere Zeiten durchmacht, sportlich wie finanziell; und zum anderen, weil er noch zu unerfahren ist.

Doch was wie genau misst man besagte Erfahrung eigentlich, die so oft genannt wird? Xavi hat jetzt über drei Jahre mit Al-Sadd eine Profimannschaft in Katar trainiert. Prinzipiell bringt er also jetzt mehr Erfahrung mit, als sie ein gewisser Pep Guardiola 2008 hatte, als er Cheftrainer bei Barça wurde.

Xavi legt bei Barça los: Ansprache ans Team und erstes Training

Natürlich ist das Niveau in Katar bei Weitem nicht so hoch wie in Europa, aber das schmälert Xavis Trainererfahrung ganz grundsätzlich nicht. Denn was er dort gelernt hat, ist das Trainerhandwerk, sprich: Wie gestalte ich Trainingseinheiten, wie analysiere ich Gegner, wie führe ich eine Mannschaft, wie agiere ich taktisch während eines Spiels und so weiter.

Bei diesen handwerklichen Dingen ist es in erster Linie gar nicht wichtig, wo man sie lernt, sondern einfach, dass man sie lernt. Ein Quique Setién hatte deutlich mehr Erfahrung als Xavi, ist aber unter anderem daran gescheitert, dass er nicht wirklich an die Mannschaft beim FC Barcelona rangekommen ist.

Dieses Problem wird Xavi aller Voraussicht nach nicht haben. Alleine aufgrund seiner Spieler-Karriere sowie daraus gezogenen Erfahrungen auf höchstem Niveau werden die Spieler zu ihm aufsehen und ihm zuhören. Er hat in seiner Karriere praktisch alles erlebt, was es zu erleben gilt und das auf absolutem Spitzenniveau. Mit dem Druck in einem Spitzenverein und gegen die größten Gegner kennt er sich bestens aus.

Diese Erfahrung hat er und eigentlich ist genau das die Erfahrung, die immer in Frage gestellt wird, wenn Trainer wie Setién oder auch ein Ernesto Valverde einen solchen Spitzenverein wie Barça übernehmen: „Können sie mit dem Druck umgehen? Können sie mit solchen Stars umgehen? Können sie mit der überkritischen Presse umgehen?“

Xavi kann all dies. Diese besondere Erfahrung, die man bei einem Topklub braucht, hat Xavi. Daran wird er nicht scheitern, zumindest wäre dies eine große Überraschung. Die Frage bei ihm ist eher: Wie gut ist er handwerklich als Trainer?

Und da sprechen seine Erfolge bei Al-Sadd für sich. In seinen vier Jahren als Spieler hat er dort vier Titel gewonnen. In etwas mehr als zwei Jahren als Trainer hat er sieben Titel gewonnen. Al-Sadd wurde unter dem Trainer Xavi bedeutend besser, bedeutend dominanter und bedeutend erfolgreicher. Dazu kommt, dass er dort unter anderem mit Gabi und Santi Cazorla auch Spieler trainiert hat, die große Karrieren in Europa bei Topvereinen hatten und etwa unter Diego Simeone und Arséne Wenger trainierten. Er konnte in Katar also auch schon die Erfahrung machen, wie es ist, Stars zu trainieren.

Aber natürlich wird auch Xavi weiter lernen und sich kontinuierlich weiterentwickeln müssen. Alleine schon aufgrund der stärkeren Gegner als auch wegen der besseren gegnerischen Trainer.

Die besten Bilder von Xavis Vorstellung

Kann es gut gehen, Freunde zu trainieren?

Xavi hat noch mit einigen Spielern aus der aktuellen Mannschaft der Katalanen zusammengespielt, darunter Sergi Roberto, Jordi Alba, Sergio Busquets und Gerard Piqué. Also vier Spieler, die gerne und viel kritisiert werden.

Nun stellt sich die berechtigte Frage, ob Xavi es schaffen würde, alte Weggefährten und Freunde auf die Bank zu setzen, falls es nötig ist. Und eigentlich spricht alles dafür, dass er es schafft. Als Xavi bei Al-Sadd Trainer wurde, war er auch plötzlich für die Spieler verantwortlich, mit denen er eine Saison vorher noch zusammen auf dem Platz stand. Und auch da schaffte er es dann, alte Mitspieler auf die Bank zu setzen.

Zudem hatte er mit Guardiola und Luis Enrique selbst zwei Trainer, die zunächst seine Mitspieler waren, später aber seine Chefs. Und Luis Enrique war es dann auch, der Xavi in seiner letzten Saison auf die Bank setzte, das aber so gut kommunizierte, dass Xavi dies akzeptierte.

Also warum sollte Xavi es nicht schaffen, einen alten Mitspieler auf die Bank zu setzen, wenn er glaubt, die Mannschaft dadurch besser machen zu können? Gerade Xavi, der schon als Spieler so unfassbar erfolgsversessen war?

Wie tickt der Trainer Xavi?

Einfache Antwort: Wie der Spieler. Er will immer den Ball haben, um das Gefühl der Kontrolle auf dem Platz zu haben, am liebsten in der gegnerischen Hälfte. Ein Blick auf seine Al-Sadd-Mannschaft zeigt, dass Xavi es gerne sieht, wenn sein Team schnell und zielstrebig nach vorne spielt, die Wege immer wieder konsequent mitgeht und zu jeder Zeit alle wichtigen Positionen bedeckt hat. Im Prinzip also genau das, was eigentlich jeder Barça-Fan von seiner Mannschaft sehen will und wofür Xavi schon zu seiner Zeit als Spieler stand.

Abgesehen davon steht der Trainer Xavi für das Maximum an Erfolg: „Wenn du einen Trainer hast, der dir nicht genug abverlangt, dann spielst du auf einem Niveau 5/10, vielleicht 5,5/10. Wenn du einen Trainer hast, der immer von dir erwartet, dass du auf einem Niveau von 10/10 spielst, dann spielst vielleicht auf einem Niveau von 8/10. Aber verdammt, diese 8/10 gewinnt dir Titel“, so der neue Barça Coach einmal in einem Interview. Und auch direkt bei seiner ersten Pressekonferenz erklärte der 41-Jährige, man müsse „Regeln aufstellen und sich an sie halten. Wenn ich Regeln in der Umkleidekabine hatte, haben wir gut gearbeitet. Es geht nicht um strenge Disziplin, sondern um Ordnung in der Mannschaft.“

Xavi fordert “Regeln, Ordnung und Werte” bei Barça: “Alle fangen bei Null an”

Wir können also erwarten, dass Xavi seiner Mannschaft im Training sehr viel abverlangen wird und das kann nur förderlich für die Spieler sein. Sollte Xavi es schaffen, dies so umzusetzen und einzufordern, wie er sich das vorstellt, wird diese erhöhte Intensität und dieses erhöhte Anspruchsdenken dafür sorgen, dass das spielerische, läuferische und kämpferische Niveau sich in den nächsten Monaten erhöhen wird.

Wird Xavi Erfolg haben?

Das weiß keiner. Klar ist: Eine Ankunft im Sommer, mit Vorbereitung, mit den finanziellen Mitteln, um den Kader seinen Vorstellungen etwas anzupassen und ohne so viele Verletzte wie derzeit wäre zweifellos besser gewesen.

Aber Xavi kennt den Verein, hat das Vertrauen des Vorstandes und zu Beginn auch erst einmal der Presse. Das heißt, dass er jetzt fürs Erste in Ruhe arbeiten und der Mannschaft seinen Stempel aufdrücken kann. Aber er weiß selbst auch am besten, dass er in Barcelona immer nach den Ergebnissen bewertet wird. Die wird er liefern müssen und das Potential dafür hat die Truppe zweifellos, vor allem, wenn alle Spieler fit sind.

Es gibt eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern, die immer noch auf höchstem Niveau spielen können, als auch von unfassbar guten Talenten, die jetzt die richtige Führung und Spielzeit brauchen, um selbst auf Jahre hinweg eine wichtige Achse beim FC Barcelona bilden zu können.

Eine erste sehr wichtige Aufgabe für Xavi wird es nun sein, zu verstehen, woher die ganzen Muskelverletzungen kommen. Liegt es an einer zu schlechten medizinischen Abteilung, oder liegt es an mangelhafter physischer Vorbereitung auf die Spiele?

Klar ist: Xavi hat extrem viel Arbeit vor sich, aber er weiß, worauf er sich einlässt, kennt den Verein in- und auswendig und hat mittlerweile auch das Trainerhandwerk gelernt. Von daher stellt sich am Ende vielleicht doch eine andere Frage: Wer wäre denn bitte ein besserer Trainer für Barça?

Wie es um die verletzten Barça-Spieler steht – Veränderung unter Xavi?

7 Kommentare

  1. Wenn das alles so stimmt, was Sebone da geschrieben hat, passiert genau das, wovor ich angst hatte. Xavi wird auf Spieler wie Pique, Roberto, Busquets und Alba noch mehr setzen als Koeman zuvor. Das ist diese katalanische Mentalität wo der nicht einheimische immer erstmal der schuldige ist und der Katalane nichts dafür kann.

    Die meisten sehen die Alves Verpflichtung als gut, ich betrachte diesen Transfer als negativ.

    Ich verstehe die Argumentation, aber ich teile sie nicht. Alves war damals zusammen mit Busquets der größte Schwabenkönig bei uns. Noch dazu ein sehr unsympathischer Mensch der zugegeben, damals der beste RV der Welt war und immer Leistung gebracht hat, aber ein Vorbild war er sicher nicht.

    Dann kommt die Sergi Roberto Geschichte dazu. Das ist mit Abstand der überbewerteste Spieler bei uns. Wie kann es sein das er eine Gehaltserhöhung haben will??? Sind 10 Millionen pro Jahr fürs Dauerhafte versagen nicht genug?
    Ich verstehe absolut gar nicht wie eine Vertragsverlängerung überhaupt im Raum stehen kann?

  2. hätte lieber mazraoui statt dani alves aber würde mich ebenso auf die rückkehr von alves freuen.

    barca will 2 bis 3 spieler im winter. einer davon soll also alves sein. die anderen werden bestimmt sterling und ein stürmer sein. agueros rückkehr soll ungewiss sein da seine herzprobleme schlimmer sind als angenommen. ein karriereende scheint nicht ausgeschlossen. barca hat wenn es scheisse läuft keinen richtigen echten stürmer der gut ist. olmo steht auf dem zettel aber es ist unmöglich. adeyemi ebenfalls. barca hat leider nur 10 mio zur verfügung. einzig eine sterling leihe könnte ich mir vorstellen.

    ah und roberto geht mir auf die eier.

  3. Einiges an News heute:

    Meine Einschätzung:

    1. Aguero: Ich wünsche ihm das Beste. Er soll nichts unvorsichtiges machen. Denke ein Karriereende wäre für das sicherste und sinnvollste, sowohl für ihn, als auch für Barca. Für uns natürlich wieder einmal Pech mit einem Transfer. Dieser Aspekt ist aber hier natürlich zweitrangig.

    2. Sergi Roberto: Xavi will ihn halten. Für mich die erste Fehlentscheidung des neuen jungen Trainers. Sergis Agenten erwarten ein verbessertes Angebot. Ich meine, Roberto ist einer, den man einfach aufgrund seines Standings im Verein häufiger spielen lässt, als es eigentlich sein müsste. Daher wäre es für mich sinnvoll und richtig gewesen, das Kapitel im Sommer zu beenden. So steht er potenziell den jungen im Weg. Ist aber kein Drama.

    3. Dani Alves: wahrscheinlich wird er uns nicht mehr so viel bringen. Aber irgendwie mag ich den Move. Als offensiver RV wird er immernoch was bewegen können. Leadership bringt er auch mit. Ein Zlatan liefert mit 40 auch noch. Wenn er sehr billig ist, why not.

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