Analyse | Zahnloses Offensivspiel: Frankfurt neutralisiert Barças Mittelfeld

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Der FC Barcelona kam im Hinspiel des Viertelfinales der Europa League in Frankfurt nicht über ein 1:1 hinaus. Besonders im ersten Durchgang waren die Katalanen der Eintracht unterlegen und konnten keine Kontrolle bei eigenem Ballbesitz ausüben. Warum sich Barça in Frankfurt so schwer tat, erklären wir in unserer Analyse.

Frankfurt neutralisiert Barças Mittelfeld

Die Hessen sind berüchtigt dafür, in Spielen gegen große Gegner über sich hinauszuwachsen. Im heimischen Deutsche Bank Park peitschte das heißblütige Publikum seine Mannschaft in die Zweikämpfe, aber auch abgesehen von dieser Unterstützung hatte die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner einen klaren Plan. Die herausragenden Ergebnisse in der Europa League sind dementsprechend kein Zufall.

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Xavi hatte vor der Partie auf der Pressekonferenz vor Frankfurts taktischer Aufstellung, die im 3-6-1 samt Doppelsechs und fluider Doppelzehn agieren, wobei aus der Dreierkette natürlich gegen den Ball auch immer schnell eine Fünferkette werden kann, gewarnt – doch es half nicht wirklich viel. Die ballbesitzfokussierten Katalanen taten sich schwer gegen eine defensive Dreier-/Fünferkette, kombiniert mit einer engen Mannorientierung samt bissiger Doppelsechs im Mittelfeld. Hier kaufte die SGE dem FC Barcelona besonders den Schneid ab.

Frankfurt bestraft Barças schwache Konterabsicherung nicht

Gerade im Mittelfeld wirkte Barça blass, wurde teilweise überrannt. Gavi und Pedri positionierten sich wie gewöhnlich zwischen den Linien, um aus dem Halbraum für Gefahr zu sorgen. Den Gastgebern gelang es allerdings, die beiden Youngster fast völlig aus dem Spiel zu nehmen. Durch das kluge Verdichten des Mittelfeldes forcierten die Frankfurter so zahlreiche Fehlpässe von Barças Innenverteidigern. Und selbst wenn dann einmal ein Pass ankam, blieb den Katalanen kaum Zeit, mit dem Ball am Fuß aufzudrehen, da sofort ein Verteidiger der Frankfurter rausrückte und Druck ausübte.

Im Mittelfeld hatte derweil Sergio Busquets sichtlich Probleme, die Umschaltmomente der Hessen zu unterbinden, wobei er aber auch kaum Unterstützung von den eigenen Achtern erhielt. Eine weitere gnadenlos offengelegte Schwäche der Blaugrana an diesem Abend war die physische Unterlegenheit. Zahlreiche Bälle, die von der Heimmannschaft scheinbar blind nach vorn geschlagen wurde, fanden nach einem gewonnenen Luftzweikampf dennoch einen Schwarz-Roten.

Zahnlose Offensive des FC Barcelona

Da das Zentrum des Spielfeldes verdichtet war, führte der alternative Weg über die Flügel. Mit Ferran Torres und Adama Traoré sollten die Flügelspieler für entscheidende Durchbrüche sorgen, doch dies wurde jedoch durch die bemerkenswerte Laufleistung der Eintracht verhindert. Durch das stete Doppeln von Frankfurts Flügelverteidigern und der äußeren Mittelfeldspieler gegen Barças Außenstürmer kam hier nur selten Gefahr auf. Ab und zu versuchte es Traoré auf eigene Faust mal, lief sich zumeist aber fest.

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Versuchten es die Gäste dann einmal mit einer Verlagerung, verschob die gesamte Frankfurter Mannschaft stets schnell und kompakt, um keinen Raum preiszugeben. Dieser enorm kräftezehrenden Spielweise mussten die Frankfurter gegen Ende – wo man dann auch noch in Unterzahl geriet – jedoch Tribut zollen. In der Schlussphase gewann Barça mehr und mehr die Kontrolle und kam zu einigen vielversprechenden Durchbrüchen, die allerdings nur einmal gut zu Ende gespielt wurden. Überhaupt agierten Xavis Mannen an diesem Abend ungewohnt unpräzise. Eine geduldigere und systematischere Spielweise hätte vermutlich zu mehr Erfolg geführt. Nichtsdestotrotz haben sich die Katalanen nach schwacher Leistung durch das Unentschieden in eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel im Camp Nou gebracht. Denn die Eintracht muss im Camp Nou gewinnen, um weiterzukommen.

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Dominik Herzog
Angehender Sportjournalist und Taktikanalyst bei Barcawelt.

4 Kommentare

  1. boa ey… wenn ich solche Artikel lese, dann frag ich mich allen Ernstes, ob hier wirklich Barcafans diese Seite betreiben. Das ganze klingt wie alle Medien heute in Deutschland. Ein deutsches Rugbyteam hat wiedermal bewiesen, wer nicht Fußball spielen kann, der foult eben, da stehen dann 15 zu 3 Fouls zu Buche, die unzähligen nicht gepfiffenen Fouls werden die Foulzahl der schubsenden, rempelnden Holzfällertruppe aus Frankfurt locker verdoppeln. Und was macht die deutsche Presse daraus? Sie hyped eine solche Mannschaft und macht sie zur unüberwindlichen Ikone des deutschen, ja DEUTSCHEN Fußballs. Und natürlich spring Dominik auf den Zug auf, denn so erhascht man eben auch die Klicks von Nicht-Barca-Fans.

    Es gab nur einen Grund, warum Barca nur ein Unentschieden erzielt hat: sie haben nicht gut gespielt, fanden erst nach 60 Minuten in ihr Spiel, um dann mit gewetzten Zähnen durch die schwerfällige Abwehr Frankfurts zu tänzeln. Frankfurt jetzt künstlich nen Orden anzupappen grenzt schon an Realitätsverweigerung. Lieber Dominik, wenn ein Spieler einen Fehlpass spielt, dann bestimmt nicht, weil der Gegner soooooo gut ist. Wenn eine Mannschaft direkt aus der Abwehr das Aufbauspiel in den Angriff verlagert und das MF überspielt, dann ist das bestenfalls Taktik, schlimmstenfalls Einfallslosigkeit, aber keinesfalls war hier jemand eingeschüchtert vom Publikum, denn das war lächerlich im Vergleich zu Istanbul oder war es gar das nicht existente Pressing Frankfurts?

    Auffällig in Barcas Spiel war auch, dass der Ball nicht rollte. Lag es am Platz, ja vllt, aber das sind Ausreden, zu denen ich nicht greifen möchte, denn Profifußballer müssen da umschalten können. Es ist unseren Jungs erst im letzten Drittel gelungen, das Spiel schnell zu machen und die vor Überheblichkeit torkelnden Frankfurter nur noch schwindlig zu spielen. Warum unsere Jungs das nicht früher hinbekommen haben, weiß ich nicht, aber ganz sicher hatte es nichts mit der Strategie Frankfurts zu tun oder deren Spielweise.

    Liest man eure Artikel, könnte man meinen, Frankfurt hätte einen Kantersieg über Barca errungen. Ey kommt mal wieder in die Realität zurück. Euer so überragendes Frankfurt hat ein lächerliches Tor geschossen, zu gegeben ein Sonntagsschuss aller erster Güte und Chapeau dafür, aber mehr eben auch nicht. Und trotzdem, dass Frankfurt so toll war und Barca soooo schlecht, hats nur zu einem Unentschieden gereicht. Was sagt das jetzt über Frankfurt aus?

    Sorry, aber nach all den Kommentaren und Artikeln hier platzte mir jetzt echt der Kragen und ich musste das mal los werden.

    • Hey Turtle,

      ich kann sowohl dem Artikel, als auch dir zustimmen. Frankfurt hat die Fehlpässe auch durch gutes Zustellen erzwungen. Außerdem haben sie, wie du sagst, kein (Angriffs-)pressing gespielt, sehr wohl aber im Mittelfeld und defensiv sehr intensiv gepresst.

      Wo ich nicht deiner Meinung bin, ist die Rolle, die ein Platz spielt. Es ist ein Unterschied zwischen Ausrede und Erklärung zu machen. Natürlich ist es für Barca nachteilig, wenn sie ihr Kurzpassspiel auf einem Rübenacker betreiben müssen. Das geht nicht. Und es hat nichts mit Professionalität zu tun, wenn man darauf spielerisch nur unzureichend reagieren kann. Denn die logische Konsequenz wäre, auf lange Bälle umzustellen. Aber die Spieler können ja nicht auf Kommando wachsen. Unprofessionell ist es, einen solchen Rasen für so ein Spiel anzubieten.

      Zu deinem Punkt mit dem „Körpereinsatz“ der Frankfurter…auch hier gilt, die Spieler können ja nicht während des Spiels körperlich wachsen und ihr Spiel darauf einstellen. Hier finde ich die Spielleitung einfach unfair, so gut wie alles der Frankfurter laufen zu lassen. Schubser bei Ballbesitz, okay…..Pech gehabt, wenn die Spielleitung das laufen lässt. Aber was gar nicht geht, und da bin ich ganz bei dir, sind die nervigen Schubser gg. Barca-Spieler kurz nachdem diese den Ball abgespielt haben und sich dadurch nicht für ein flüssiges Passspiel in Position bringen könnten. Das ist einfach zu unterbinden und damit hat der Schiedsrichter die SGE bevorteilt.

      In der zweiten Hälfte ist ihnen das immerhin auf die Füße gefallen, da sie bei nachlassenden Kräften mit dem aggressiven Spiel oft zu spät kamen und der Schirie auch Mal pfeifen müsste. Btw: dass das kein Elfer in der ersten Hälfte war, muss man Real Life sehen^^

    • Lieber @heroturtle,
      grundsätzlich freuen wir uns bei Barçawelt sehr, wenn die User ihre Meinung abgeben. Angeregte Diskussionen sind ja eine feine Sache. Ich möchte auf einige deiner Punkte eingehen und aufzeigen, warum wir den Text so veröffentlicht haben.
      „dann frag ich mich allen Ernstes, ob hier wirklich Barcafans diese Seite betreiben.“
      Ja, wird sie, wir sind große Barçafans. :bye:
      „wer nicht Fußball spielen kann, der foult eben, da stehen dann 15 zu 3 Fouls zu Buche“
      Man kann eine raue Gangart sicher aus fußballästhetischer Sicht kritisieren. Ich fand sie auch nicht schön. Allerdings möchte ich noch eine andere Perspektive öffnen. Unter Guardiola war Barça jahrelang die Mannschaft mit den meisten Fouls nach Ballverlusten (zu erklären durch das extreme Pressing) und die konnten doch ganz gut Fußball spielen. Das soll weder Guardiola, noch Frankfurt kritisieren. Ich möchte nur aufzeigen, dass Wahrnehmung immer verzehrt ist und Fouls ein komplexes taktisches Mittel sind.
      „Und natürlich spring Dominik auf den Zug auf, denn so erhascht man eben auch die Klicks von Nicht-Barca-Fans.“
      ad hominem, nicht cool. Kritik ist immer gern gesehen, aber etwas weniger persönlich macht es doch viel angenehmer und einfacher. :good:
      „Es gab nur einen Grund, warum Barca nur ein Unentschieden erzielt hat: sie haben nicht gut gespielt“
      Also ja, aber das ist halt eine nichtssagende, universelle Aussage. Die Frage ist doch, warum sie schlecht gespielt haben. Die Antwort darauf ist komplexer.
      „Frankfurt jetzt künstlich nen Orden anzupappen grenzt schon an Realitätsverweigerung.“
      Tun wir nicht. Wir sagen bloß, dass Barça im Vergleich zu den anderen Leistungen relativ schlecht und Frankfurt verglichen mit sich selbst relativ gut war.
      „Lieber Dominik, wenn ein Spieler einen Fehlpass spielt, dann bestimmt nicht, weil der Gegner soooooo gut ist.“
      Lieber heroturtle, diese Aussage ist leider inhaltlich einfach nicht korrekt. Fußball ist ein Sport, bei dem man mit dem Gegner interagiert. Natürlich hat dieser einen Einfluss auf die Fehlpassquote. Das lässt schon damit verifizieren, dass verschiedene Teams unterschiedliche Durchschnittsfehlpassquoten bei ihren Gegnern haben (hohe Werte tendenziell bei Mannschaften, die höher pressen. In diesem Spiel spielte Frankfurt eine sehr enge Mannorientierung im Mittelfeld. Barça versucht im Aufbau am liebsten einen tiefen Pass auf einen der Achter zu spielen. Durch Frankfurts Staffelung war dieser Pass aber deutlich schwieriger und deshalb folgte logischerweise eine schlechtere Passquote der Katalanen. Tagesform spielt auch eine Rolle, ist aber nicht der alleinige Faktor.
      „aber keinesfalls war hier jemand eingeschüchtert vom Publikum, denn das war lächerlich im Vergleich zu Istanbul“
      Absolut legitimes Gegenargument im Punkt Einschüchterung.
      „war es gar das nicht existente Pressing Frankfurts?“
      Die Aussage ist nicht ganz richtig, aber ich glaube du meinst das nur situative Angriffspressing. Maradornis hat es gut beschrieben.
      „Warum unsere Jungs das nicht früher hinbekommen haben, weiß ich nicht“
      Kondition spielt hierbei sicherlich eine Rolle. Frankfurt hat ein unfassbar laufintensives Spiel an den Tag gelegt. Dazu kam dann noch die Rote Karte. Gegen Ende konnten sie die Räume einfach nicht mehr schließen.
      „aber ganz sicher hatte es nichts mit der Strategie Frankfurts zu tun oder deren Spielweise.“
      Die gegnerische Spielweise hat ausnahmslos immer einen direkten Einfluss auf das eigene Spiel. Wie gesagt, Fußball ist interaktiv mit dem Gegner. Frankfurts Mittelfeldstaffelung und deren Einfluss habe ich ja schon erläutert.
      „Liest man eure Artikel, könnte man meinen, Frankfurt hätte einen Kantersieg über Barca errungen.“
      Nein Frankfurt hat gegen einen deutlich größeren Verein nicht verloren und das ist für sie nachvollziehbarerweise ein Erfolg für sie.
      „Euer so überragendes Frankfurt hat ein lächerliches Tor geschossen, zu gegeben ein Sonntagsschuss aller erster Güte und Chapeau dafür, aber mehr eben auch nicht.“
      Die Implikation „euer Frankfurt“ ignorier ich einfach mal. Man muss aber anmerken, dass Frankfurt durchaus hätte gewinnen können. Der xG-Wert lag bei 1,22 zu 0,54. Bloß weil wir Barçafans sind, sind wir nicht geblendet, sondern kritisieren auch die eigene Mannschaft und erkennen die Leistung anderer Mannschaften an. Respekt ist schließlich ein wesentlicher Wert dieses großartigen Vereins. :-)
      „Sorry, aber nach all den Kommentaren und Artikeln hier platzte mir jetzt echt der Kragen und ich musste das mal los werden.“
      Ja merkt man. Du kannst gern deine Meinung teilen, aber eine Bitte. Wenn dir der Kragen platzt, lass deinen Frust doch nicht in der Kommentarsektion raus. Das bringt nichts. Wenn etwas konstruktives kommt, freuen wir uns davon zu lesen und ich antworte auch gelegentlich auf die Kommentare. Bei einem gesitteten Meinungsaustausch unter Fans haben doch alle was davon. :good:

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