Brennpunkte | Barça gegen Rayo zu unentschlossen und ohne Klarheit im Spiel

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Im letzten Spiel unter Ronald Koeman präsentierte sich Barça zu uninspiriert und unentschlossen. Wegen Frenkie de Jongs schwerwiegenden Ausfall fehlte es zudem häufig an Sicherheit und Klarheit. Die Brennpunkte zum Spiel gegen Rayo Vallecano.  

Das war es also. Ronald Koemans letztes Spiel an der Seitenlinie des FC Barcelona. Was seine Mannschaft auch gegen Rayo Vallecano auf den Platz brachte, glich dabei den Auftritten, die den 58-jährigen Niederländer zu Beginn der Saison in das Kreuzfeuer der Kritik schleuderten. Vor allem der Begriff „uninspiriert“ darf wieder einmal als Beschreibung dessen gelten, was Koemans Truppe über weite Strecken der Partie auf dem Platz darbot.

Apathische Vordermannschaft

Es ist ein Problem, das Barça schon seit September in einer solch extremen Art mit sich herumschleppt: die Ideenlosigkeit im Offensivspiel.

Obwohl mit Philippe Coutinho ein Spielmacher in die Startformation rotierte, förderte er kaum die Unberechenbarkeit der Offensivvorstöße der Gäste aus Katalonien. Stattdessen konnte man den Eindruck gewinnen, dass die gesamte Offensivabteilung der Blaugrana gegen Rayo viel zu häufig reagierte, statt selbst aktiv zu agieren.

Kam ein Offensivakteur Barças mal auf die ballführenden Mittelfeldspieler zu, um den Ball zu fordern, zog er häufig einen Gegenspieler mit, wodurch Räume hinter diesem entstanden, in die ein Spieler Barças hätte reinziehen können. Auch nur Ansätze von solchen Läufen suchte man am Mittwochabend aber meist vergebens.

Kurz vor dem Gegentor war dieses Muster ebenfalls zu erkennen: Agüero löste sich von seiner Position und ließ den Ball prallen, doch Coutinho machte keine Anstalten, blitzartig in die verwaiste Spitze zu sprinten. Zwar gab es durchaus Szenen in dieser Begegnung, die dieses passive Verhalten noch deutlicher machten, doch fiel hier in der Konsequenz der Gegentreffer.

Dass Steilpässe zwischen die Innenverteidiger der Gastgeber sich als erfolgreiche Methode herausstellen hätte können, bewies unter anderem Nico Gonzalez‘ überragender Ball auf  Agüero in der 16. Minute sowie zahlreiche herausgespielte Möglichkeiten im zweiten Durchgang.

Eigentlich hätte Barça merken müssen, wie sehr überraschende Bewegungen den Franjirrojos zu schaffen machten. Memphis Depays Körpertäuschung kurz vor Sergiño Dests Chance in der 36. Minute zeigte dies ebenso eindrucksvoll wie Memphis‘ Aktion in der Entstehung des Elfmeters. Doch der untermauerte wieder das unentschlossene Gesamtauftreten der Katalanen.

Auch Agüeros Möglichkeit in der 82. Spielminute darf als Symbolbild der Unentschlossenheit herangezogen werden. Unabhängig davon, ob es sich um eine Abseitsposition handelte: Ein solches Geschenk muss ein Stürmer seines Formats im Tor unterbringen. Einen solch lustlosen Abschluss darf man sich in LaLiga nicht erlauben, solange die Pfeife des Unparteiischen nicht ertönt. Es fehlte wieder an Zielstrebigkeit.

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De Jongs Ausfall wirkt sich auf den Spielaufbau aus

Gefehlt hat sichtlich auch Frenkie de Jong. Auch wenn der Niederländer zuletzt nicht mehr so dynamisch und spritzig wirkte wie in der vergangenen Spielzeit, offenbarte der FC Barcelona, wie wichtig die Präsenz des 24-Jährigen für das eigene Spiel ist. Ohne ihn operierte Barça im 4-2-3-1. Immerhin griff beim Spiel gegen den Ball das von den Barça-Akteuren variabel interpretierte System, indem Coutinho beim Anlaufen häufig den zweiten Stürmer gab, während Nico Gonzalez mit seiner Zweikampfstärke sogar teilweise Dests Position einnahm und es diesen in die Rolle des Rechtsverteidigers zog; Roberto rückte zwischenzeitlich in das zentrale Mittelfeld.

Bei eigenem Ballbesitz zeigten sich die Katalanen jedoch nicht so variabel. Mit der Abstinenz von Frenkie de Jong brach eine Anspielstation im Spielaufbau weg. Sowohl auf den Außenbahnen als auch im Zentrum kämpften seine auf dem Platz stehenden Mitspieler mit diesem Problem.

Wenn Busquets den eigenen Innenverteidigern entgegenkam, hatten diese in der Regel nur Nico Gonzalez als möglichen Anspielposten vor sich, um vertikal durch das Zentrum agieren zu können. In einigen Fällen war der 19-Jährige jedoch der ballferne Sechser, sodass durch das hohe Anlaufverhalten Rayo Vallecanos zwar eine Lücke und somit ein wichtiger Raum in halbrechter Position entstand, dieser jedoch durch das umgestellte System nicht besetzt wurde. Beobachten konnte man dasselbe Phänomen, sobald das Spielgerät bei einem Außenverteidiger ankam. Mit Frenkie de Jong fehlte ein Akteur, der durch seine Anwesenheit in den Halbräumen das Spiel der Katalanen sonst förderte.

Unsicherheiten und fehlende Klarheit

Die Mittelfeld- und Abwehrabteilung der Blaugrana erweckte zudem den Anschein, dass sie von dem durchaus zu erwarten gewesenen Pressing des Aufsteigers aus Madrid überfordert gewesen war. Zwei unterbundene Pässe nach bereits 15 Sekunden sollten auf das hindeuten, was dem FC Barcelona noch zum Verhängnis wurde. Sicherheit konnte zu keinem Zeitpunkt der ersten Halbzeit ausgestrahlt werden; schließlich lief der Aufsteiger unermüdlich enorm hoch an und verursachte so auch Fehlpässe ter Stegens, dessen Spiel (wie auch das seiner Vorderleute) durch Unsicherheiten geprägt wurde.

Jene Unsicherheiten im Spielaufbau schienen sich auch auf die Klarheit bei Defensivaktionen ausgewirkt zu haben. Die Entstehung zum 0:1 bewies nicht nur, dass gegen das Pressing der Gastgeber jede Bewegung ohne abgeschirmten Ball verehrende Folgen mit sich bringen kann, sondern auch, dass eigentlich zweikampfstarke Verteidiger wie Gerard Piqué zu viel Sicherheitsabstand in Eins-gegen-eins-Duellen wahren. „Wir haben im Moment kein Selbstvertrauen“, merkte auch Kapitän Busquets, der das Gegentor auf seine Kappe nahm, nach dem Spiel an.

Pressingresistent zeigten sich ausschließlich Memphis und Nico Gonzalez, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Memphis verwickelte die Gegenspieler ein ums andere Mal in Zweikämpfe, in denen er den Ball abschirmte und so Fouls zog. Exemplarisch dafür steht die Aktion in der 59. Minute. Doch sein folgender kurz ausgeführter schlampiger Freistoß passt ebenso gut in das Gesamtbild.

Nico Gonzalez hingegen löste sich des Öfteren mit raschen Bewegungen aus dem Pressing oder setzte bei Ballverlusten zum Gegenpressing an. Seine Leistungen würdigte auch Ronald Koeman nach der Partie: „Nico war sehr gut. […] Er spielte auf einer Position etwas weiter vorne und machte ein großartiges Spiel“, so der 58-Jährige.

Durch verbissene Zweikämpfe, Grätschen und anschließende Läufe in die Tiefe mit herausragenden technischen Fertigkeiten im Repertoire stresste Nico Gonzalez Rayo am Mittwochabend wohl am meisten und wird so erfolgreich Eigenwerbung für den neuen Trainer betrieben haben. Nicht umsonst war Nico bei der 0:1-Pleite der einzige Lichtblick für uns und somit unser Man of the Match.

Noten | Nico Gonzalez bester Barça-Akteur, Memphis und Dest lassen Koeman im Stich

Benjamin König
Fútbol, Calcio, Fotball - in Spanien, Italien, Skandinavien. Redakteur bei Barçawelt, Podcaster bei Polarlichtspiel - dem skandinavischen Fußballpodcast
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